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Monat: Mai 2017

Wie schreibt man ein Exposé für einen Roman?

Wie schreibt man ein Exposé für einen Roman?

Wie schreibt man ein überzeugendes Exposé für sein Buch? Diese Frage beschäftigt viele Autoren, bevor sie ihren Roman an einen Verlag schicken. Einheitliche Vorgaben für die Inhaltsangabe zum eigenen Buch gibt es nicht. Informiert man sich in Schreibratgebern und auf Internetseiten über das Thema, findet man teilweise sogar widersprüchliche Angaben. Bevor Du Dich an dein Exposé machst, ist es sinnvoll, den französischen Begriff (frz. Darlegung) zu definieren oder sich der Begrifflichkeit etwas zu nähern. Wikipedia bringt es eigentlich sehr schön auf den Punkt: „Ein Exposé oder Exposee ist eine vorausschauende Inhaltsangabe eines literarischen Werks; es soll die Grundidee und den groben Handlungsverlauf vorstellen. Es ist meist nur einige Seiten lang und enthält weder Dialoge noch Einzelheiten. Es skizziert die Hauptfiguren oder gibt die thematische Grundlinie eines Buchs wieder.“ (Quelle: Wikipedia)

Exposé
Frust beim Exposé schreiben – Mit 5 Tipps zur Inhaltsangabe, Bild © by Wilhelmine Wulff / pixelio.de

Das Online-Lexikon verdeutlicht in wenigen Sätzen, was die Inhaltsangabe eines literarischen Werkes ausmacht. Mit einem Exposé gibst Du die Haupthandlung deines Romans und auf 2 bis 3 Seiten die Essenz deines Buches wieder. Beim Schreiben des Romanexposés solltest Du Dich nicht nur auf eine reine Inhaltsangabe konzentrieren, sondern den Lektor tatsächlich die Grundidee deines Werkes vermitteln. Beim Schreiben der 2 bis 3 Seiten sollte man auch den Zweck nicht aus den Augen lassen. Das Exposé soll dem Lektor vor allem vermitteln, ob dein Roman für das Verlagsprogramm relevant ist und sich verkaufen lässt.

Es wurde bereits erwähnt, es gibt keine verbindlichen Vorgaben oder gar einen Standard für ein Romanexposé. Du kannst Dich jedoch an einige Richtlinien halten, womit deine 2 bis 3 Seiten mehr Beachtung gewinnen und sich die Chance auf eine Veröffentlichung erhöht.

Die Anforderungen der Verlage an das Exposé beachten

Bevor Du überhaupt mit dem Schreiben eines Exposé beginnst, informieren Dich beim Verlag, welchen Du anschreiben möchtest, über die Anforderungen. Auf der Internetseite des Buchverlages könnte zum Beispiel stehen, dass ein Buchexposé nur zwei Seiten umfassen soll. Dies ist mitunter hart. Viele Autoren sind bereits der Ansicht, dass schon drei Seiten eigentlich viel zu wenig für ein Exposé sind. Manche Verlage machen dazu nähere Angaben, was sie von der Zusammenfassung eines Romans erwarten. Ein schönes Beispiel hierfür ist der Piper Verlag aus München. Es gibt übrigens auch keinen Bonus für besonders umfangreiche Werke. Einen Wälzer von 800 Seiten muss man ebenso auf 2 bis 3 Seiten zusammenfassen wie ein Buch mit 250 Seiten.

Beachte die Vorgaben des Verlegers, Bild © by Stephanie Hofschlaeger / pixelio.de

Es ist nicht empfehlenswert, mit der Schriftart oder Schriftgröße zu tricksen. Schreibst Du dein Exposé in Schriftgröße 10, sind die 2 bis 3 Seiten vielleicht kein so großes Problem. Dies wir noch einfacher, wenn deine Seite 40 Zeilen umfasst. Dies mag jetzt etwas überspitzt klingen, aber Lektoren dürften solche Tricksereien nicht gefallen.

Äußere Form und Stil beachten

Es gibt keine äußeren Vorgaben an ein Romanexposé. Es empfiehlt sich jedoch, sich bei besagten 2 bis 3 Seiten an die Normseite (1800 Zeichen, 30 Zeilen) zu halten. In einer Kopfzeile können deine Adresse und gerne auch der Arbeitstitel deines Romans stehen. Eine gute Schriftart für deine Inhaltsangabe ist Courier New oder Times New Roman mit der Schriftgröße 12. Es ist dazu selbstverständlich, dass dein Exposé keine Fehler bei Rechtschreibung und Zeichensetzung enthalten darf. Auch der Stil deiner Inhaltsangabe ist wichtig und sollte den Lektor ähnlich wie deine Leseprobe ansprechen. Einige Schreibratgeber schlagen vor, dass der Stil in deinem Exposé dem Grundton deines Romans entsprechen soll. Dies ist eine interessante Idee, ist jedoch kein zwingendes Kriterium für dein Buchexposé.

Genre, Zielgruppe und Umfang deines Romans benennen

Es wird immer wieder in Ratgebern oder im Internet empfohlen, vor der eigentlichen Inhaltsgabe und der Charakterentwicklung einige grundlegende Angaben zu machen. Das Exposé sollte deine vollständige Adresse, einen Arbeitstitel für das Buch, Genre mit Zielgruppen nennen und den Umfang in Normseiten enthalten. Einige Ratgeber empfehlen dazu, ein Abstract mit 2 bis 3 Sätzen vor die Inhaltsangabe zu stellen oder auch etwas zur Erzählperspektive (z.B. Ich-Erzähler) zu schreiben. Im Abstract fasst Du die Handlung deines Romans in seiner ganzen Essenz zusammen. Ist ein solches Vorgehen sinnvoll? Bedenkt man, welchen Zweck ein Exposé verfolgen soll, machen solche Angaben durchaus Sinn.

Der Lektor will aufgrund deiner Angaben im Romanexposé eine erste Einschätzung treffen, ob dein Buch ins Verlagsprogramm passt und sich gut verkaufen lässt. Hier hilft es natürlich, wenn Du das Genre deines Werkes mit Zielgruppe möglichst klar benennst. Auch der Umfang deines Buches in Normseiten sollte im Exposé stehen. Es reicht, wenn Du deine Adresse, den Arbeitstitel, das Genre mit Zielgruppe und die Anzahl der Normseiten nennst. Diese Angaben gehören übrigens auch zu den 2 bis 3 Seiten des Buchexposés. Wer übrigens noch nach einer Bestätigung sucht, dass es keine klaren Vorgaben für ein Exposé gibt: Es gibt Beispiele im Internet, wo Autoren solche Angaben in Anschluss an die Inhaltsangabe und die Charakterentwicklung stellen und Erfolg bei einem Verlag hatten.

Inhaltsangabe und Charakterentwicklung im Exposé

Nun kommen wir zum eigentlichen Kern. In der Inhaltsangabe fasst Du die Haupthandlung deines Romans zusammen. Nebenhandlungen oder gar Dialoge gehören nicht in die Zusammenfassung. Der Lektor soll die Gesamtgeschichte deines Buches kennenlernen und deutlich erkennen, wie die Konflikte der Handlung aufgelöst werden. Hier geht es nicht darum, etwas möglichst spannend zu machen oder zu verbergen. Der Lektor ist kein Leser und es handelt sich nicht um einen Klappentext. Das Ende deines Romans gehört ins Exposé. Die Inhaltsangabe wird im Präsens geschrieben. Zum Beispiel: „Micky ist ein mittelmäßiger Geschäftsmann. Sein größter Traum ist es, amerikanischer Präsident zu werden. Zu Beginn glaubt niemand an ihn.“

Charakter
Die Charakterentwickung kann man ins Exposé aufnehmen, Bild © by Stephanie Hofschlaeger / pixelio.de

Es wird immer wieder empfohlen, etwas zur Charakterentwicklung der Hauptfiguren zu schreiben. Für einen Lektor ist es interessant, wenn er sieht, wie sich die Figuren entwickeln und wie glaubwürdig diese sind. Mit Inhaltsangabe und Charakterentwicklung sollte das Exposé tatsächlich nur 2 bis 3 Seiten enthalten, was natürlich schwierig ist. Solltest Du deinen ersten Entwurf wegen der Länge kürzen müssen, es ist ratsam, bei der Charakterentwicklung statt bei der Inhaltsangabe zu streichen.

Romanexposé: Nicht zu lang

Zum Schluss noch einmal der wichtigste Tipp: Das Exposé darf nicht länger als 2 bis 3 Seiten sein. Viele Autoren denken, dass ein Verlag gerade bei ihnen eine Ausnahme macht, wenn das Buchexposé von 4 oder gar 5 Seiten nur überzeugend ist. Doch die Verlage machen eben keine Ausnahme, vielmehr landet ein solches Romanexposé schnell im Papierkorb. Dies kann man hier so kurz und bündig sagen.

Ein gutes Exposé zu schreiben ist schwierig

Kein Zweifel, es ist schwierig ein gutes und überzeugendes Buchexposé zu schreiben. Ein Verlag möchte anhand dieser Darlegung von 2 bis 3 Seiten auch sehen, ob Autoren die Haupthandlung ihres Romans knapp und ohne logische Brüche darstellen können. Es wird sicherlich etwas Zeit erfordern, bis Du ein gutes Exposé geschrieben hast. Es ist nicht unüblich, dass Autoren mehrere Versionen schreiben und jede Fassung immer etwas kürzer wird bzw. werden muss, damit man auf die gewünschte Länge kommt.

Es kann auch sinnvoll sein, sich an Beispielen zu orientieren. Im Internet fehlt es nicht an guten Vorlagen erfolgreicher Romanexposés, welche den Autoren einen Vertrag bei einem Buchverlag brachten. Mit etwas Suche über Google findet man genügend gute Anregungen. Bevor Du dann dein Exposé an den ersten Verlag schickst, ist es sinnvoll es Freunden und Verwandten vorzulegen. Bitte um ehrliche Kritik. Sollten diese Personen nicht überzeugt sein, versuche noch einmal an deinem Romanexposé zu feilen.

Kann man Romane schreiben lernen?

Kann man Romane schreiben lernen?

Ein wahrer Autor lässt sich von der Muse wachküssen, um an seinen Schreibtisch zu eilen und sein geniales Werk niederzuschreiben. Vorher steht er gar nicht erst auf. Vielleicht kennt man deshalb nur so wenige Autoren, weil die meisten noch immer auf den Kuss der Muse warten und in ihren Betten vermodern?!

Kreatives Schreiben
Man kann lernen einen Roman zu schreiben, Bild © by Rainer Sturm/ pixelio.de

Goethe jedenfalls blieb nicht im Bett liegen. Er schrieb seine Werke auch nicht wie im Wahn herunter und beließ es dann dabei. Er arbeitete hart an ihnen, um wirklich gute Texte zu veröffentlichen – natürlich nach damaligen Kriterien. Die diskutierte er in einem fleißigen Briefwechsel mit seinem Kollegen Schiller. Sie besprachen ihre Schreibtechniken, verbesserten und strichen an ihren Texten herum, bis sie zufrieden waren.

In Deutschland glauben jedoch noch Viele, dass man ein Genie sein muss, um Romane schreiben zu können. Dass man das Schreiben nicht lernen kann, sondern – angeblich wie Goethe – es „von selbst“ können müsse. Dieser Geniemythos entstand in der Romantik und hat, wie eben auch Goethe schon bewiesen hat, nichts mit der Realität zu tun.

Hier also die gute Nachricht: Romane schreiben ist erlernbar. Die schlechte: Man lernt es nicht im Schlaf.

Also raus aus dem Bett!

Was muss man nun mitbringen, um es zu lernen?

Vielleicht Talent oder Begabung? Meiner Meinung nach sind das genauso mystifizierte Begriffe wie der, des Genies. Was genau ist denn schon Begabung? Nehmen wir an, es gibt sie, dann mag sie hilfreich sein. Aber ich halte sie nicht für unabdingbar. Ich vertrete die Meinung, alles ist lernbar. Entscheidend dafür ist nur, dass man aus dem Bett kommt, also genügend Interesse und Motivation mitbringt. Man sollte also Freude an der Tätigkeit haben, manchem hilft auch ein Ziel vor Augen. Vielleicht dauert es beim Einen länger als beim Anderen. Wer aber wirklich etwas lernen will, der wird das auch tun.

Aber man muss doch eine Idee haben und ganz viel Fantasie?!

Stimmt, und das ist das Geniale, was ich meinetwegen auch Goethe zuspreche. Aber ich bin der Meinung, dass wir bereits als kreative und damit auch geniale Wesen geboren werden. Manchmal gerät man ein wenig aus der Übung, seine Kreativität zu nutzen, aber die kann man wieder wach kitzeln.

„Dann kann ja jeder ein Buch schreiben?“, werde ich oft halbwegs entsetzt gefragt. „Ja!“, ist meinte Antwort. „Ist das nicht wunderbar?“

Und haben wir nicht schon genug Bücher in der Welt?

Nein! Geschichten wiederholen sich und sie wollen immer wieder neu erzählt werden, mit den Worten und den Techniken einer anderen Zeit. Warum sonst gibt es immer wieder das Aschenputtelmärchen, nur eben neu aufgelegt? Gute Geschichten wollen immer gelesen werden.

Wann ist denn ein Buch „gut geschrieben“?

Schwierige Frage, da hier persönlicher Geschmack mit im Spiel ist. Aber es gibt eben einen Zeitgeist oder modernen Geschmack. Dein Buch ist sicher schon mal ganz gut, wenn nicht nur Tante Frieda und deine Schwester Lust darauf haben, es bis zum Ende zu lesen.

Es gibt aber Techniken, mit denen du zum Beispiel einen spannenden Handlungsbogen entwerfen oder gut lesbaren Text schreiben kannst. Das heißt, du greifst auf funktionierendes Handwerkszeug zurück, um deinen Roman und dein Schreiben zu verbessern.

Muss man also nach Regeln schreiben?

Jein. Ich sehe diese Techniken eher als Richtlinien, die ihren Sinn haben, sonst gäbe es sie nicht. Aber es gibt immer wieder Geschichten, die diese Regeln brechen und dennoch wahnsinnig erfolgreich sind. Es bleibt immer dir überlassen, ob du die Regeln des Handwerkszeugs für dein Buch anwenden willst oder nicht. Für eine Sache ist es ganz sicher gut: für dein Selbstbewusstsein.

Wie hilft dir das Handwerkszeug?

Wenn du verinnerlicht hast, welche Techniken dir für was helfen, weißt du immer, was du machen kannst, um ein gutes Buch zu schreiben. Du wirst keine Schreibblockade mehr erleben, die sich eingeschlichen hat, weil du „nicht mehr weiter weißt“. Du brichst auch nicht mehr deinen dritten, vierten oder fünften Romanversuch an etwa der gleichen Stelle ab. Denn nun weißt du, wie du schreibst. Du hast nicht mehr nur noch ein „ungutes Gefühl“ bei einer Textpassage, sondern du weißt, was genau ihr fehlt, damit sie spannender oder lesbarer wird.

Zum Handwerkzeug des Schreibens gehört mehr als Papier und Stift, Bild © by I-vista / pixelio.de

Du wirst schon eine Menge über das Geschichtenschreiben wissen – nur eben unbewusst. Vielleicht reicht dir das auch aus, um dein Buch fertig zu schreiben. Aber wenn es mal hakt, wird es dir schwerfallen, den Finger auf das Problem zu legen und eine Lösung zu finden. Da reicht das Wissen im Unterbewusstsein nur selten aus.

Einmal das Handwerkszeug richtig gelernt, wird es dir nicht nur beim ersten, sondern auch beim zweiten und dritten Roman helfen.

Ist das nicht wie kochen nach Rezept und am Ende sind alle Bücher gleich?

Manches hat tatsächlich Ähnlichkeit mit Rezepten. Wer seinen Roman zum Beispiel nach der „Heldenreise“ schreibt, wird auf ein gängiges Erzählmodell zurückgreifen und damit im Aufbau Ähnlichkeit mit vielen anderen Geschichten haben. Aber dieser Aufbau ist genau das, was wir gern als Geschichten hören. Außerdem bietet die Heldenreise an sich schon genügend Überraschungen und eine Zutat kommt zu den Rezepten ja noch immer hinzu: Fantasie. Das macht jede Geschichte einzigartig.

Welche Dinge können denn erlernt werden?

Ich halte es hier mit der 80/20 Regel. 80 % Transpiration und 20 % Inspiration. Das Meiste kannst du also lernen. Zum Beispiel wie du Figuren aufbaust, die deinen Leser einladen, das ganze Buch miterleben zu wollen. Wie du einen Handlungsbogen entwirfst, der deinen Leser von Anfang bis zum Ende fesselt, aber auch wie du auf jeder Seite sicher bist, dass dein Leser noch interessiert am Fortgang ist. Natürlich kann man auch lernen, wie man auf der Wortebene den Leser fasziniert, sodass er die Geschichte vor seinem inneren Auge ablaufen sieht. Und zu guter Letzt ist die Überarbeitung ein ganz wichtiger Teil und gehört immer dazu, wenn man einen veröffentlichungsreifen Roman schreiben will. Und auch hier kann man fast alles erlernen.

Ist das Schreiben dann noch Spaß? Das klingt so nach Arbeit.

Ich denke, das kommt drauf an. Wenn du keinen Sinn darin siehst, das Handwerkszeug zu lernen, dann wird es dir vielleicht auch keinen Spaß bringen, es zu erlernen. Kläre also gut deine Motivation. Willst du wirklich einen veröffentlichungsreifen Roman schreiben, der Leser begeistern wird? Oder schreibst du nur für dich? Dann brauchst du auch das Handwerkszeug nicht unbedingt.

Hast du aber erkannt, welche tollen Möglichkeiten dir diese Techniken bieten, und siehst, wie dein Romanprojekt davon profitiert, wirst du auch Freude am Handwerkszeug finden. Das eine oder andere bleibt trotzdem mühsam? Dann betrachte es wie ein Amateur-Fußballspieler, der aufsteigen will. Auch er übt Torschüsse, nur um besser zu werden, auch wenn er lieber in der Abwehr spielt.

Du kannst Romane schreiben lernen!

Warum denn auch nicht? Man kann Malen und Musizieren lernen. Dafür gibt es extra Hochschulen. Und keiner erwartet von dir, dass du ein Konzert geben kannst, nur weil du in der Schule Musikunterricht hattest. Warum solltest du Romane schreiben können, nur weil du Deutschunterricht hattest und Buchstaben sinnvoll auf einem Papier verteilen kannst?

Also los, lernen wir, richtig gute Romane zu schreiben, und begeistern wir unsere Leser!

Über die Autorin

Kann man Romane schreiben lernen? – Ein Gastbeitrag von Jurenka Jurk (Bildquelle: Jurenka Jurk)

Jurenka Jurk von der Romanschule Schreibfluss ist selbst Romanautorin, aber hauptsächlich unterrichtet sie mit Leidenschaft und viel persönlicher Betreuung, wie man Romane schreibt. Sie hat 2009 den Studiengang „Kreatives Schreiben“ an der IB Hochschule Berlin abgeschlossen und seither mehr als 200 angehende Autoren Schritt für Schritt bei ihren Schreibprojekten begleitet.

Motivation zum Schreiben finden – Nieder mit der Schreibunlust

Motivation zum Schreiben finden – Nieder mit der Schreibunlust

Vielleicht kennst Du es, Dir fehlt immer wieder die Motivation zum Schreiben an deinem Roman. Fast jeder Autor kommt irgendwann an den Punkt, wo er Zweifel an seinem Buch hat. Die Story, welche Dich zu Beginn überzeugt hat, wirkt nun platt und wenig originell. Dazu zeigen deine Figuren nicht wirklich Tiefe und sind eigentlich stereotyp. Bedenkt man dazu die Fortschritte, welche Du mit deinem Roman machst, wirst Du irgendwann vor deinem Rentenalter fertig. Solche Selbstzweifel sind echte Motivationskiller und führen zu Schreibunlust. Doch Zweifel am eigenen Werk sind nicht der einzige Grund für fehlende Motivation zum Schreiben. Es kann zum Beispiel an fehlender Selbstdisziplin oder mangelnden Zeitmanagement liegen.

Schreibblockade
Wenn Seiten leer bleiben – Keine Motivation zum Schreiben, Bild © by Kersten Schröder / pixelio.de

Die Tipps richten sich an Autoren, welche regelmäßig keine Lust am Schreiben empfinden, obwohl es nicht an Zeit mangelt. Nicht jeder der Ratschläge sollte sich für jeden Autor eignen. Das Ziel ist es, wieder mit einem oder mehreren der Tipps in einen regelmäßigen Schreibfluss zu kommen und seinen Roman zu Ende zu bringen.

Einfach mit dem Schreiben beginnen

Fehlt Dir Motivation zum Schreiben an deinem Roman, kann es helfen, einfach mit dem Schreiben zu beginnen. Klingt irgendwie unlogisch? Dies kann aber funktionieren, wenn Du mit deinem inneren Schweinehund einen Deal machst. Ich schreibe eine halbe Stunde an meinem Buch und wende mich dann wieder anderen Dingen zu. Alternativ kannst Du auch eine bis zwei Seiten aushandeln. Die Idee dahinter: Wenn Du erst einmal im Schreibfluss bist, ist deine Schreibunlust vielleicht dahin und Du hast die richtige Motivation zum Schreiben. In der festgelegten Zeit solltest Du dann auch mit voller Konzentration an deinem Roman schreiben und diese effektiv nutzen. Beliebte Ablenkungen durch das Smartphone und die Sozialen Medien sind in dieser Zeit tabu.

Selbst wenn Du jeden Tag nur eine oder zwei Seiten deines Buches schreibst, wirst Du sehen wie dein Roman Fortschritte macht und die Seitenzahl wächst. Fortschritte beim Schreiben sind häufig eine Motivation um weiterzuschreiben.

Feste Schreibzeiten festlegen

Der erste Tipp hat es gezeigt: Wer regelmäßig an seinem Buch schreibt, dürfte es leichter mit der Motivation haben, als Autoren, welche alle Jubeljahre einmal zur Feder greifen. Es ist ratsam, regelmäßiges Schreiben zur Gewohnheit zu machen. Lege feste Schreibzeiten fest. So arbeitest Du zum Beispiel drei Mal die Woche eine Stunde an deinem Roman. Bekommst Du mit der Zeit richtig Lust am Schreiben, kannst Du diese Schreibzeiten auf vier Tage erweitern oder Dir ein Zeitfenster von über einer Stunde setzen. Das große Ziel ist es hier, Schreiben an deinem Roman zu einer selbstverständlichen Routine werden zu lassen, welche zu deinem Wochenablauf gehört.

Kreatives Schreiben
Lege regelmäßige Schreibzeiten für die Arbeit an deinem Buch fest, Bild: Rainer Sturm/ pixelio.de

Wer feste Schreibzeiten hat, sollte dies auch ruhig der Familie und den Freunden mitteilen. So schreibst Du zum Beispiel am Montag, Mittwoch und Freitag von 18 bis 19 Uhr an deinem Buch. Du machst auch keine Ausnahmen, um Dich mit Freunden im Café zu treffen. Nach 19 Uhr stehst Du dann deinen Freunden und Bekannten wieder voll zur Verfügung.

Einen schönen Schreibort und kreativen Ort finden

Für manche Autoren kann es Sinn machen, die Arbeit vom heimischen Schreibtisch an einen anderen Ort zu verlegen. Vielleicht motiviert Dich ein bestimmter Ort zum Schreiben an deinem Roman. Das Flair eines historischen Lesesaals in einer Universitätsbibliothek kann zum Beispiel Autoren einen Motivationsschub geben. Hier sitzt man zwischen vielen Gleichgesinnten, welche eifrig und konzentriert an Hausarbeiten schreiben oder für eine Prüfung lernen. Wer möchte, kann Schreiben hier auch etwas zelebrieren. Wenn Du die Bibliothek betrittst, bist Du in diesem Moment nur Schriftsteller und alle Zeit in der Bücherei gilt nur deinem Buch. Eine kleine Pause in der Cafeteria darf man sich auch gönnen, schließlich ist dein Werk in der letzten Stunde wieder einige Seiten länger geworden.

Ein Ortwechsel kann nicht nur motivieren, sondern auch wunderbar bei Schreibblockaden helfen oder wenn es an neuen Ideen fehlt. Kreative Orte können Bibliotheken, Cafés oder Parks sein. Jeder Autor findet seine Inspiration an einem anderen Ort und für jeden Schriftsteller sollte es zumindest einen kreativen Ort geben.

Deadlines setzen

Manche Menschen lieben Deadlines. Umso näher die Abgabefrist rückt, umso produktiver werden diese Personen. Am Ende halten diese Menschen die Deadline (wenn auch in letzter Minute) ein und liefern dazu noch gute Arbeit ab. Gehörst Du auch zu den Personen, welche eine Art Hassliebe zu Abgabefristen haben und unter Druck besonders produktiv wie motiviert sind. Dann kannst Du Dir für deinen Roman Deadlines setzen. Das sechste Kapitel muss zum Beispiel in zwei Wochen fertig sein. Man hört tatsächlich immer wieder von Autoren, welche sich zur Motivation zum Schreiben künstliche Abgabefristen setzen und die Deadlines dann auch einhalten. Dieses System funktioniert bei einigen Schriftstellern recht gut. Doch Du hast sicherlich schon die Schwäche des Konzepts erkannt: Eine künstliche Deadline ist keine verpflichtende Abgabefrist.

Manche halten es mit Douglas Adams und sagen sich: „Ich liebe Deadlines! Ich mag dieses zischende Geräusch, das sie machen, wenn sie vorbeifliegen!“ Siehst Du es ähnlich, wird Dich eine künstliche Deadline nicht motivieren, doch manche Autoren kriegen auf diese Weise einen echten Motivationskick.

Meilensteine feiern und sich belohnen

Gerade wenn Du neben Beruf, Studium oder Schule an deinem Roman arbeitest, wird es einige Zeit dauern, bis Du dein Werkes fertiggestellt hast. Das Schreiben eines Buches besteht aus vielen Etappen. Dazu gehören zum Beispiel die Planung und Gliederung des Romans, die Ausarbeitung der Figuren, das Schreiben der ersten Kapitel und Überarbeitungen. Häufig lassen sich Arbeitsphasen nicht klar trennen und jeder Autor arbeitet etwas anders an seinem Roman. Für die Motivation kann es sehr hilfreich sein, sich Meilensteine zu setzen und das Erreichen dieser Punkte ein wenig zu feiern. Ein Meilenstein könnten die ersten 100 Seiten oder die erste Fassung des Romans sein.

Mehrere Meilensteine setzen und beim Erreichen feiern, Bild: Rainer Sturm/ pixelio.de

Bist Du bis zu einen solchen Punkt gekommen, kannst Du Dich richtig schön belohnen. Wie die Belohnung am Ende aussieht, hängt ganz von deinen Vorlieben ab. Es handelt sich wohlgemerkt um Meilensteine. Nimmt man jede Kleinigkeit als Anlass zum Feiern, verliert man irgendwann die Motivation.

Sich anderen Aufgaben zuwenden

Trotz verschiedener Tipps hast Du an einem Tag einfach keine Motivation zum Schreiben? Doch die Arbeit an einem Buch besteht nicht nur aus dem Verfassen von Text. Vielleicht musst Du noch etwas zu deinem historischen Roman recherchieren und einen Fachartikel lesen. Oder Du kannst Dich auch für ein Lektorat deiner letzten Kapitel erwärmen? Eher keine so schöne Aufgabe? Manchmal macht es auch Sinn, die Vielzahl von Notizen am Schreibtisch zu ordnen und auszumisten, welche man sich zur seiner Geschichte gemacht hat. Diese vermeintlich unwichtige Aufgabe hat man immer vor sich hingeschoben, doch irgendwann muss man seinen Schreibtisch um einige Papierstapel erleichtern. Ein andere Aufgabe erfühlen hilft auch bei Schreibblockaden. Auch wenn man keine einzige Zeile schreibt, bringt man seinen Roman einen Schritt weiter.

Solltest Du übrigens an einem Tag überhaupt keine Motivation für deinen Roman haben, obwohl Du eigentlich an diesem Tag (feste Schreibzeit) immer schreibst, zwinge Dich nicht unter allen Umständen dazu. Die Gefahr ist ziemlich groß, dass das Niedergeschriebene schon bald im Papierkorb landet. Gelegentliche Schreibunlust ist erlaubt, solange es nicht zum Regelfall wird.

Eine Literaturgruppe finden

In jeder größeren Stadt sollte es eine oder mehrere Literaturgruppen geben. Es macht großen Sinn, sich einer solchen Gruppe anzuschließen. Hier triffst Du auf gleichgesinnte Autoren, kannst Dich austauschen und bekommst wertvolles Feedback. Eine Autorengruppe kann unheimlich zum Schreiben motivieren, schließlich kann und will man hier regelmäßig die Fortschritte seines Romans vorstellen. Hier können Deadlines als Motivation bei vielen Autoren wiederum funktionieren. Wenn Du ankündigst, nächste Woche das vierte Kapitel vorzulesen, bemühst Du Dich sicherlich um die Fertigstellung des Abschnitts. Es wäre doch schade, deine Autorenkollegen zu enttäuschen. Wenn es ideal läuft, ist eine Literaturgruppe eine sanfte Kontrollinstanz. Die Mitglieder motivieren sich gegenseitig und sorgen dafür, dass alle Schriftsteller Fortschritte machen.

Wo findest Du eine solche Literaturgruppen in deiner Stadt? Eigentlich sollte man alle gewünschten Informationen in Internet erhalten. Unter dem Stichwort Literaturgruppe Berlin oder Hamburg findet man gleich mehrere Einträge bei Google. Leider sind nicht alle Gruppen offen, manche sind geradezu „geschlossene Gesellschaften“ und nehmen keine neuen Autoren auf. Doch mit etwas Suchen und Glück sollest Du eine Literaturgruppe finden.

Die inneren Dämonen bekämpfen

Nun kommen wir zum letzten und wichtigsten Tipp gegen Schreibunlust. Es ist häufig der innere Kritiker, der einen zweifeln lässt und jede Motivation zum Buch schreiben eiskalt killt. So ist die Geschichte einfach nur platt, schon tausend Mal erzählt, die Figuren ohne Tiefe und man wird mit seinem Roman sowieso nicht fertig. Kennst Du solche Selbstzweifel und echte Motivationskiller. Es ist wichtig, dass Du solche innere Dämonen bekämpfst. Es ist ratsam dein aktuelles Projekt fertigzustellen und nicht mit einer neuen vermeintlich besseren Idee zu beginnen. In ein paar Wochen könnest Du wieder am gleichen Punkt sein und alles verwerfen. Am Ende hast Du eine Vielzahl unfertiger Manuskripte und letztendlich nur Fragmente deines Schreibens.

Inneren Kritiker bekämpfen und Motivation zum Schreiben finden, Bild: Markus Vogelbacher/ pixelio.de

Der Erfolgsautor Andreas Eschenbach hat es sehr gut auf den Punkt gebracht: „Wenn ich mir per Zeitmaschine einen einzigen Ratschlag in meine frühen Jahre schicken könnte, dann wäre es dieser: Brich Manuskripte nicht mittendrin ab, um andere anzufangen. Egal, wie schlecht es dir im Moment vorkommt – schreib es fertig!(Quelle: andereaseschbach.de) Eschenbach nennt schlechte fertigstellte Romane eine gelungene Trainingseinheit, unfertige Bücher hingegen reine Zeitverschwendung. Diese Einschätzung klingt vielleicht hart. Du sollest in jeden Fall deinen Roman fertigstellen und den Schlachtruf beherzigen: Nieder mit den inneren Dämonen! Nieder mit der Schreibunlust!

Weiterhin keine Motivation zum Schreiben? Was tun?

Trotz aller Tipps kannst Du keine rechte Motivation zum Schreiben finden. Hier machst es Sinn, Dir die Frage zu stellen: Warum habe ich überhaupt mit meinem Roman begonnen? War es der Wunsch eine Geschichte zu erzählen? Oder ist dein Wunsch eher, ein Buch zu veröffentlichen und ein bekannter, erfolgreicher Schriftsteller zu sein? Vielleicht macht das Schreiben einfach auch keinen Spaß mehr? Einzelne Personen beginnen einen Roman aus falschen Motiven (Bekanntheit, Geld) und nicht aus der Lust am Schreiben. Dann gibt es wiederum Autoren, welche sich unter einen Buch schreiben etwas anderes vorstellen. Es ist leider nicht so, dass die Seiten nur so aus der Feder fließen und man eine geniale Geschichte erzählt. Schreiben ist harte Arbeit und vieles läuft nicht wie gewünscht.

Die tolle Story, die man im Kopf hat, lässt sich nicht so leicht wie erwartet zu Papier bringen. Man hat mit Schreibblockaden zu kämpfen und die erste Fassung bedarf selbstverständlich einer Überarbeitung. Dazu steht am Ende noch das lästige Lektorat an. Ein Autorenleben ist nicht einfach und die erste Euphorie folgt häufig die Schreibunlust. Solltest Du nach mehrfachen Versuchen keine Motivation zum Schreiben finden, bist Du vielleicht nicht zum Autor geschaffen. Es soll niemand entmutigt werden, ein Buch zu schreiben. Doch wer bereits Jahre an einem Erstlingswerk schreibt, sollte zumindest seine Motivation für sein Schreiben hinterfragen.