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Monat: Juli 2017

Show, don´t tell – Was steckt hinter der Schreib-Regel?

Show, don´t tell – Was steckt hinter der Schreib-Regel?

Show, don´t tell (Zeigen, nicht erzählen) dürfte die wichtigste Regel von Schreibratgebern und kreativen Schreibkursen sein. Wenn Du bereits einen Kurs für Kreatives Schreiben besucht hast, wurde Dir sicherlich eingebläut: Du sollst in deinem Roman dem Leser etwas zeigen und nicht erzählen. Doch was steckt genau hinter der Regel Show, don´t tell? Ist dieser Grundsatz für die moderne Literatur so elementar, wie man häufig in Schreibratgeber lesen kann? Die Regel fordert zum szenischen Schreiben und einer filmischen Erzählstruktur auf. Handlung und Dialog sollen im Vordergrund stehen, es geht um eine plastische Darstellung und Beschreibung von Details, wie Du an einem Beispiel sehen kannst.

Kreatives Schreiben
Show, don´t tell – Die Regel lernt man in jedem Schreibkurs , Bild © by Rainer Sturm/ pixelio.de

Tell

Marta bereitete das Mittagessen zu.

Show

Marta war in der Küche voll beschäftigt. Während das Hackfleisch für die Bolognese Sauce in der Pfanne brutzelte, schielte sie immer auf den Topf mit dem Wasser. Wirst Du wohl langsam kochen, damit ich die Nudeln hineinwerfen kann. Marta schaute besorgt auf die Uhr. Franz wurde immer so ungehalten, wenn nicht Punkt 12 Uhr das Essen auf dem Tisch stand und nun war es schon fünf vor Zwölf.

Der Leser soll auf diese Weise die Handlung vor Augen haben und sich mit dem Charakter besser identifizieren können. Dabei sieht Du recht deutlich: Zeigen nimmt durch die vielen Details mehr Platz in Anspruch als das reine Erzählen. Es wurde bereits erwähnt. Show, don´t tell ist DIE Regel moderner Schreibkurse und Schreibratgeber. Dabei ist der Grundsatz zum szenischen Erzählen nicht wirklich neu.

Show, don`t tell – Eine Regel deutlich älter als der Film

Show, don´t tell ist letztendlich eine Reaktion der Literatur auf das Aufkommen von Kino und Film, heißt es immer wieder. Mit einer filmischen Erzählstruktur kommt der Autor den Rezeptions-Gewohnheiten der Leser entgegen und kann so ihre Aufmerksamkeit fesseln. In Wirklichkeit ist dieser Grundsatz, nun sagen wir mal, deutlich älter als der Film. Schon vor einiger Zeit schrieb ein spanischer Hochschullehrer folgenden Ratschlag für einen eindringlichen Erzählstil nieder:

„Zweifelslos nämlich erfaßt derjenige, der sagt, die Stadt sei erobert worden, alles, was nur ein solcher Schicksalsschlag enthält, jedoch dringt es wie eine knappe Nachricht zu wenig tief ein in unser Gefühl. Wenn du dagegen das entfaltetest, was alles das eine Wort enthielt, dann wird das Flammenmeer erscheinen, das sich über die Häuser und Tempel ergossen hat, das Krachen der einstürzenden Dächer und das aus den so verschiedenen Lärmen entstehende eine Getöse, das ungewisse Fliehen der einen, die letzte Umarmung, in der andere an den Ihren hängen, das Weinen der Kinder und Frauen und die unseligerweise bis zu diesem Tag bewahrten Greise, […].“ (Quint VIII 3, 67f.)

Roman_Szene
Zeigen, nicht erzählen – Der Grundsatz ist deutlich älter als der Film, Bild © by Rainer Sturm/ pixelio.de

Die Beschreibung der zerstörten Stadt geht im zitierten Text noch einige Zeilen weiter. Hier siehst Du ein weiteres Mal: Zeigen nimmt deutlich mehr Raum als Erzählen ein. Die zitierte Stelle stammt aus dem praktischen Rhetorik-Handbuch „Die Ausbildung des Redners“ von Marcus Fabius Quintilianus. Der Spanier war im 1. Jahrhundert nach Christus der erste staatlich besoldete Rhetorikprofessor in Rom. Im Jahr 95 entstand das besagte Handbuch. Bereits hier findet man die „moderne“ Regel Show, don`t tell. Die antike Rhetorik kennt den Grundsatz unter dem Begriff evidentia. Es lohnt sich, diesen Begriff etwas näher zu beleuchten, um die Regel Zeigen, nicht erzählen in ihrem Grundsatz zu erläutern. In der antiken Rhetorik spielte die detaillierte Darstellung von Handlungsabläufen vor Gericht eine zentrale Rolle.

Ging es zum Beispiel um einen Mordfall, legte der Redner alles daran, den Richtern das Verbrechen besonders plastisch vor Augen zu führen. Es ging um ein detailliertes Beschreiben und die Erregung der Gefühle. Im Idealfall präsentierte man noch das blutige Hemd des Opfers. Bei den Richtern handelte es sich in der Antike häufig um Laienrichter, welche sich wesentlich leichter beeinflussen ließen als Profis. Für eben diese gezielte Beeinflussung von Richtern hat die Antike eine ausführliche Erzähltheorie entwickelt, wir finden Teile davon in der Ausbildung des Redners. Noch früher als Quintilian behandelt Aristoteles die evidentia und spricht vom „Vor-Augen-Führen“. Dies erinnert ganz stark an die filmische Erzählstruktur der modernen Literatur. Dieses „Vor-Augen-Führen“ ist der eigentliche Kern der Regel Show, don´t tell. Einige Jahrhunderte später hat es dann Joseph Conrad sehr schön auf den Punkt gebracht: „Das Ziel des Schreibens ist es, andere sehen zu machen.“

Show, don`t tell – Auf die richtige Mischung kommt es an

In welcher Form Du dem Leser deine Handlung vor Augen führst, bleibt letztendlich Dir als Autor überlassen. Das plastische Zeigen der modernen Literatur ist letztendlich ein Weg dahin. Doch hier sollte man es auch nicht übertreiben. Show nimmt in einem Manuskript deutlich mehr Raum als tell ein. Ein detailliertes Niederschreiben und die Verwendung von Dialogen in deinem Roman sind nur sinnvoll, wenn die beschriebene Situation für die Handlung von Bedeutung ist. Es stellt sich durchaus die Frage, ob man eine Alltagshandlung wie das Zubereiten von Mittagessen in aller Breite beschreiben muss. Sollte Marta allerdings Gift in die Bolognese Sauce mischen, um dem ewigen Nörgeln von Franz ein für alle Mal ein Ende zu bereiten, dann steht das Zeigen im Vordergrund.

Handelt es sich nur um Belanglosigkeiten oder möchtest Du größere Zeiträume beschreiben, ist das knappe Erzählen angebracht. Als kleines Fazit kann man sagen: Show, don`t tell ist zweifellos eine wichtige Regel der modernen Literatur und sinnvoll. So kommst Du dem heutigen Leser entgegen, der durch Kino und Fernsehen vor allem filmische Erzählstruktur gewohnt ist. Doch grundsätzlich solltest Du Dich nie sklavisch einer Regel unterwerfen, auch wenn Schreibratgeber diese noch für so wichtig erachten. Jeder Roman braucht eine gesunde Mischung von show und tell. Dazu bestimmen nicht Schreibregeln deinen Schreibstil als Autor, sondern Du selbst.

Ein Buch schreiben – Wie erreiche ich den Leser?

Ein Buch schreiben – Wie erreiche ich den Leser?

Die Rhetorik hat eine Vielzahl von Strategien entwickelt, wie man den Zuhörer erreicht. Viele dieser Strategien lassen sich direkt auf den Leser übertragen. Wie erreichst Du den Leser mit deinem Roman? Dieser Beitrag behandelt vier Tipps aus der antiken Rhetorik, welche bis heute aktuell sind und Dir helfen sollen, dein Buch genauer auf deine Zielgruppe auszurichten. Ein kleiner Exkurs soll verdeutlichen, warum es überhaupt sinnvoll ist, sich mit einer Theorie aus der Antike zu beschäftigen. Zahlreiche antike Reden waren Prozessreden vor Gericht, es ging darum, die Richter zu überzeugen und für sich zu gewinnen. Eine ganz zentrale Rolle spielte die Erzählung (narratio) des Falles. Bei der Darlegung des Sachverhaltes wurde der Fall (z. B. ein Mordfall, Korruption oder Betrug) in allen Details vorgetragen. Häufig ging es darum, das Mitleid der Richter zu erregen oder Wut auf den Angeklagten hervorzurufen. Um die Adressaten zu erreichen, wurde eine ausführliche und ausgeklügelte Theorie entwickelt.

Leser erreichen
Wie erreiche ich Leser? – Die Rhetorik hat Strategien entwickelt, Bild © by Stephanie Hofschlaeger / pixelio.de

Die antike narratio-Theorie ist der Kern der späteren Erzähltheorie in Literaturwissenschaft und Poetik. Ganz viele Strategien der antiken Rhetorik lassen sich auf das Schreiben von Büchern und auf die Leserschaft übertragen. Das Erreichen von Zuhörer und Leser funktioniert mit den gleichen Techniken. Damit man mit seiner Erzählung den Adressaten überzeugt, kennt die antike Rhetorik vier Tugenden: Angemessenheit (aptum), Sprachrichtigkeit (latinitas), Klarheit (perspicuitas) und Stilmittel (ornatus). Wenn Du diese vier Tugenden beim Schreiben deines Romans einhältst, kannst Du deinen Leser wesentlich besser erreichen.

Angemessenheit – Die Zielgruppe beachten

Kennst Du eigentlich die Zielgruppe deines Romans? Hast Du ein klares Bild davon, für wen Du schreibst? Bevor Du überhaupt mit dem Schreiben beginnst, solltest Du Dir über dein Genre und deine Leser klar werden. Ein Kinderbuch stellt ganz andere Anforderungen als ein Krimi oder Erotikroman. Jedes Genre folgt bestimmten Regeln und sie solltest Du als Autor kennen. Angemessenheit heißt, dass Du die richtigen Mittel wählst, um deine Leser zu erreichen. Dies lässt sich an zwei Beispielen erläutern. In einem Kinderbuch ist es sinnvoll, eine leicht verständliche Sprache zu wählen und Fremdwörter wie auch Anglizismen zu vermeiden. In der modernen Kinderliteratur ist es dazu nicht üblich, dass der Konflikt im Handlungsverlauf durch Mord und Totschlag gelöst wird.

Schreibst Du wiederum Fantasy, sind ganz andere Mittel angemessen, um Konflikte im Handlungsverlauf zu lösen. Du kannst den Leser auch mit einem pathetischen Schreibstil erreichen. Selbst altertümliche Wörter wie „Altvordere“ oder „holde Maid“ dürften bei der Leserschaft Gefallen finden. Wer einen Roadmovie als Roman schreibt und dort unterwegs eine „holde Maid“ abschleppen möchte, wird nicht ganz den Geschmack seiner Leser treffen. Quintilian, der erste Rhetorik-Professor der Geschichte, hat es in seinem Hauptwerk (Ausbildung des Redners) sehr schön auf den Punkt gebracht. Man solle nicht den Fehler begehen „Erhabenes mit Niedrigem, Altes mit Neuem, Poetisches mit Gewöhnlichen zu vermischen; […]“ (Quint. VIII, 3, 60)

Quintilian rät von einer Vermischung des Sprachstils ab, weil man so häufig gegen die Regeln des Genres verstößt und am Ende seine Leserschaft nicht erreicht. Aus diesem Grund raten auch viele Verlagsexperten von Genremix ab. Mit einem Genremix will man es besonders vielen Lesern recht machen und erreicht man Ende keine klare Zielgruppe. In manchen Ratgebern wird der Genremix auch als klassischer Fehler beim Buch schreiben benannt.

Sprachrichtigkeit – Ein fehlerfrei Text im üblichen Sprachgebrauch

Die Angemessenheit ist die Haupttugend in der Antike für die Erzählung, dem aptum sind die drei weiteren Tugenden untergeordnet. Bevor sich ein angehender Redner in der Antike überhaupt mit Themen wie Argumentationstheorie oder Redeaufbau beschäftigen konnte, durchlief er die Grammatikschule. Es wäre undenkbar gewesen, eine politische Rede in falschem Griechisch vor der Volksversammlung zu halten. Korrekte Rechtschreibung und Grammatik in einem Buch sollten eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein, wirst Du jetzt sicherlich bemerken. Doch wie viele Texte gibt es im Internet, welche von Fehler strotzen? Auch mancher Self-Publisher nimmt es mit dem Lektorat nicht so ernst. Verlage können ein Lied davon singen, wie viele fehlerhafte Manuskripte sie am Tag bekommen. Auch dies gehört zur Angemessenheit, einen Buchverlag eine fehlerfreie Textprobe und ein korrektes Exposé zu schicken. Nur so hat man überhaupt eine Chance auf eine Veröffentlichung.

Das Thema Lektorat ist nicht wirklich beliebt bei den Autoren. Wenn Du dein Buch als Self-Publisher veröffentlichen möchtest, lese es schon während des Schreibens immer und immer wieder Korrektur. Wenn dein Manuskript fertig ist, gib es einer weiteren Person zur Korrektur, es muss nicht zwangsläufig ein professioneller Lektor sein. Es reicht ein Freund oder Bekannter, der mit Rechtschreibung und Grammatik vertraut ist. Es geht darum, möglichst viele Fehler zu finden. Der Leser wird es Dir am Ende danken und positive Rückmeldungen (durch gute Rezensionen) sollten nicht ausbleiben.

Lektorat
Der Duden als wichtigste Orientierung für eine moderne Sprache, Bild © by Regina Kaute / pixelio.de

Die antike Tugend latinitas meint nicht nur Sprachrichtigkeit im Sinne von korrekter Grammatik und Rechtschreibung. Es geht auch um eine angemessene Wortwahl, welche sich am modernen und geläufigen Sprachgebrauch orientiert. Auch hier hat Quintilian einen wertvollen Rat parat, um den Leser zu erreichen. Im ersten Teil eines Hauptwerkes, der die Grammatik behandelt, heißt es, man solle sich am üblichen Sprachgebrauch orientieren, „denn es wäre fast lächerlich, die Redeweise, wie die Menschen (früher) gesprochen haben, der Redeweise, wie man jetzt spricht, vorzuziehen.“ (Quint. I, 6, 43). Verstöße gegen diese Regeln sind möglich, wenn es der Angemessenheit entspricht.

Klarheit – Verständlicher Text und nachvollziehbare Handlung für den Leser

Die Entscheidung für einen modernen und geläufigen Sprachgebrauch hat viel mit der Klarheit zu tun. Der Text sollte für den Leser allgemein verständlich sein. Es heißt nicht, dass Du auf eine poetische Sprache verzichten musst oder deinen Roman in einer plumpen Alltagssprache schreibst. Für einen klar verständlichen Text solltest Du zum Beispiel auf regional gebräuchliche Begriffe, Fremdwörter, veraltete oder gekünstelte Wörter verzichten. Der Satzbau muss nicht so verschachtelt sein, dass der Leser jeden Satz zweimal lesen muss. Auch bei der Namenswahl spielt das Prinzip der Klarheit eine wichtige Rolle. Hast Du zum Beispiel Figuren mit sehr ähnlichen Namen, verwirrt dies den Leser vielleicht. Lassen sich komplizierte Namen nicht vermeiden, weil dein Roman in einem für deutsche Leser fremden Kulturkreis spielt, kann eine kleine Charakterübersicht am Anfang des Buches Abhilfe schaffen.

Das Thema der Klarheit spielt besonders in Fantasyliteratur und historischen Romanen eine Rolle. In einem Fantasyroman kann es den Leser verwirren, wenn eine Vielzahl von neuen Namen und Personen auf ihn einströmt. So kann es durchaus irritierend sein, wenn gleich im ersten Kapitel König Theokrates vom Bund von Alderney in seiner Hauptstadt Vexmor auf dem Thron sitzt. Er ist übrigens die mächtigste Person des Kontinents Cunaxa. Ein guter Fantasy-Autor weiß, wie er die zentralen Begriffe seiner erfundenen Welt einführt. Auch ein Schriftsteller historischer Romane hat das richtige Gefühl dafür, wann er bei historischen Details erläuternd eingreifen muss und wann sich Dinge von selbst erklären.

Zur Klarheit gehört es auch, logische Fehler im Handlungsaufbau zu vermeiden. Wenn Du deinen Roman Korrekturlesen lässt, bitte die Person ebenso darum, auf Logikfehler in deinem Buch zu achten. Entscheidest Du Dich für ein professionelles Lektorat, wird der Lektor auch logische Fehler in deinem Manuskript vermerken. Über dem Prinzip der Klarheit steht erneut die Angemessenheit. Schreibst Du zum Beispiel einen regionalen Krimi, ist es sogar erforderlich regional gebräuchliche Wörter zu verwenden. Das Beispiel mit veralteten Wörtern in Fantasy-Literatur hatten wir bereits.

Stilmittel – Sprachfiguren durchaus erwünscht

Mit rhetorischen Stilmitteln kann man ganz Bücher füllen und dies wurde in der Vergangenheit auch mehrfach gemacht. Hier ist die Frage, ob es heute noch angemessen ist, seinen Text mit Metaphern, Alliterationen und Inversionen zu überfrachten und auszuschmücken. Kann man heute so Leser noch erreichen? Literatur ist keine Alltagssprache und bedient sich nie einfacher Worte. Wenn Du aktuelle Romane zur Hand nimmst, findest Du dort häufig Sprachfiguren, sicherlich dezenter eingesetzt wie in anderen Literaturepochen. Auch in diesem Fall hilft die antike Rhetorik weiter. So unterscheidet die Theorie zwischen einem schlichten, mittleren und erhabenen Stil.

Stilmittel
Stilmittel – Nur noch etwas für das Poesiealbum, Bild © by Ilse Dunkel (ille) / pixelio.de

Der schlichte Stil eignet sich für die Lehre und zeichnet sich durch einen treffsicheren wie prägnanten Ausdruck aus. Wer Lehrbücher schreibt, sollte diesen Sprachstil wählen. Beim pathetischen und erhabenen Stil geht es um starke Affekterregung und Gegenstände von hoher Bedeutung. Dieser Sprachstil kommt zum Beispiel in großen politischen Reden zum Einsatz. Der mittlere Sprachstil dient der Unterhaltung der Zuhörer wie Leser und hierzu gehört die Literatur. Es geht um einen Schreibstil, der keine Alltagssprache für belanglose Dinge wie einen Einkauf oder Gespräche über das Wetter ist. Denke immer daran, dein Buch behandelt keine Belanglosigkeiten, sonst würdest Du deine Geschichte nicht erzählen.

Bemühe Dich um eine ansprechende und unterhaltsame Sprache, mit welcher man den Leser erreichen kann. Es geht nicht darum, künstlich und geplant Sprachfiguren zu setzen. Es ist letztendlich dein eigener Schreibstil, der die Figuren aus deiner Feder fließen lässt. Um es abschließenden mit den Worten von Quintilian zu sagen, der den mittleren Sprachstil wie folgt umschreibt: „wie ein Strom, der ruhiger und zwar in klarem Licht, aber an seinen Ufern von grünenden Wäldern beschattet dahinströmt.“ (Quint. XII, 10, 60). Mancher Autor würde sich über einen solchen stetigen Schreibfluss freuen.

Den Leser mit den vier Prinzipien erreichen

Für die antike Rhetorik sind Angemessenheit, Sprachrichtigkeit, Klarheit und Stilmittel die vier Tugenden für eine überzeugende Erzählung. Bei genauer Betrachtung sind die recht alten Strategien, um Zuhörer und Leser zu erreichen von erstaunlicher Aktualität. Orientierst Du Dich bei deinem Roman an diesen vier Prinzipien, sollte es für Dich wesentlich leichter sein, deine Zielgruppe zu erreichen. Überlege Dir genau, welche Personen Du ansprechen willst und halte die Regeln deines Genres ein. Mit einer korrekten, verständlichen und ansprechenden Sprache solltest Du den Leser erreichen. Dies ist leicht gesagt, doch bereits die Antike sah im Verfassen der Erzählung die größte Herausforderung. Letztendlich kann Dir die Theorie nur helfen und Ideen bieten, die Umsetzung ist die Kunst des Autors.

Lebendige Charaktere entwickeln – 5 Tipps für Autoren

Lebendige Charaktere entwickeln – 5 Tipps für Autoren

Wie entwickelst Du überzeugende und lebendige Charaktere für deinen Roman? Im Internet und in Autorenratgebern findet man hierzu eine Vielzahl von Tipps. Dabei gibt es kein Rezept oder einen Baukasten für lebendige Romanfiguren. Wer wissen will, wie man einen überzeugenden Helden entwickelt, schaut sich am besten unsterbliche Charaktere aus der Literatur an. Es gibt eine Vielzahl von fiktiven Romanfiguren, welche uns gerade wie lebende Personen erscheinen und von Autoren meisterlich entwickelt wurden.

Charaktere
Mit unseren fünf Tipps werden Charaktere keine Schatten ihrer selbst, Bild © by Rainer Sturm / pixelio.de

Dieser Beitrag beschäftigt sich vor allem mit der Entwicklung von Hauptcharakteren. Es geht darum, wie Du eine besondere und unverkennbare Figur für dein Buch entwickelst. Der Leser soll mit deinem Helden mitfühlen, sich über seine Rückschläge ärgern und seine Fortschritte bejubeln. Es geht um die Entwicklung des ganz besonderen Charakters. Er hebt sich von den anderen Figuren ab und Du gibst deinem Roman eine unverkennbare Note.

1. Entwickle einen aktiven Helden

Ein überzeugender Romancharakter ist kein passiver Charakter, auf diese kurze Formel kann man es bringen. Der Hauptcharakter deiner Geschichte ist der Held, er muss die Handlung aktiv vorantreiben. Ein passiver Held ist letztendlich eine schwache Figur und gewinnt die Sympathie der Leser nicht. Dabei geht es nicht um eine perfekte Romanfigur, welche problemlos alle Hindernisse aus dem Weg räumt. Dein Held kann und soll sogar Schwächen haben. Es ist vielmehr wichtig, dass dein Buchcharakter sich dem Konflikt stellt und alle Energie aufwendet, die Handlung des Romans voranzutreiben. Nur so können Charaktere eine Entwicklung durchmachen.

Passive Charaktere kommen beim Leser nicht gut an , Bild © by MF / pixelio.de

Eines der schönsten Beispiele für einen Helden, der mit Energie auf sein Ziel zustrebt, ist Frodo aus dem Herrn der Ringe. Obwohl der Ring seinen Willen immer mehr beherrscht und mit jedem Schritt etwas schwerer wird, bewegt er sich auf den feurigen Berg zu und vernichtet den Ring am Ende. Auch Don Quijote ist ein gutes Beispiel für einen aktiven Charakter. Auch wenn ihn die Realität immer wieder böse Streiche spielt und Sancho Panza keine echte Hilfe ist, stellt er sich dem Konflikt und wirklich jeden Konflikt im Roman von Cervantes. Du siehst bereits an diesen Beispielen, aktive Helden müssen nicht perfekt sein und wirklich lebendige wie auch sympathische Figuren sind es auch nicht.

2. Verzichte bei Charakteren auf Stereotypen

Wenn Du deine Romanfigur entwickelst, ist es ratsam nicht mit Stereotypen zu arbeiten. Im Krimi kennt man besonders viele Stereotypen. Hierzu gehören zum Beispiel Draufgängertypen, der tollpatschige Anfänger, Wissenschaftler oder halbkriminelle Ermittler. Du kannst Dir denken, wie viele Geschichten in der Vergangenheit mit solchen Charakteren geschrieben wurden, welche letztendlich immer gleich und damit austauschbar sind. Eine blasse und auswechselbare Figur möchtest Du sicherlich nicht als Hauptcharakter in deinem Buch haben. Doch Du kannst bei deiner Figur mit den Stereotypen spielen und aus typischen Charakterzügen etwas völlig Neues erschaffen.

Wie so etwas funktionieren kann, verdeutlicht eine kleine Geschichte aus der Antike. Zeuxis von Herakleia war griechischer Maler etwa im 4 Jahrhundert v. Chr. Er erhielt den Auftrag, Helena für den Tempel von Kroton zu malen. Der Auftrag war im gewissen Sinne anspruchsvoll, schließlich ging es darum, die schönste Frau der Antike ohne Vorlage zu malen. Doch Zeuxis hatte eine Idee und ließ die fünf schönsten jungen Frauen von Kroton rufen. Die Mädchen hatten auf ihre Art eine perfekte Seite, Zeuxis kombinierte dies und schuf daraus das Bildnis der Helena. Hier liegt eine interessante Kombinationstechnik vor, welche Du auch für Charaktere nutzen kannst. Es wäre ebenso denkbar, dass Du Charakterzüge von stereotypen Figuren niederschreibst, diese kombinierst und damit experimentierst.

3. Gibt deiner Romanfigur ein unverkennbares Merkmal

Viele Romanhelden haben eine Besonderheit, welche diese Figuren unverkennbar macht. Bei Sherlock Holmes ist es seine Tabakpfeife. Oskar Matzerath von Günther Grass wird durch seine Trommel charakterisiert. Harry Potter wiederum hat seine unverkennbare Brille und dazu eine Narbe auf der Stirn. Dann gibt es wiederum unverkennbare Paare wie Don Quijote und Sancho Panza. Diese Charaktere aus ganz unterschiedlichen Zeiten und Genre haben alle ein unverkennbares Merkmal. Es reicht schon ein Bild oder eine graphische Darstellung, damit man jede dieser Romanfiguren ganz einfach erkennen kann. Diese kleinen Besonderheiten sind eine Strategie, um einen lebendigen Buchcharakter zu gestalten.

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Gibt deiner Romanfigur ein unverkennbares Merkmal, Bild © by Hans-Joachim Köhn / pixelio.de

Oft reichen Kleinigkeiten, um eine Figur unverkennbar zu charakterisieren. Las hierbei etwas deine Fantasie spielen. Diese besondere Äußerlichkeit und dieses einzigartige Merkmal sollte nur für deinen Hauptcharakter oder ein Charakterduo deines Romans sein. Dadurch hebt sich dein Held von den anderen Charakteren deines Romans ab. Viele Autoren geben sich auch immer wieder sehr viel Mühe, besonders klangvolle Namen für ihre Romancharaktere zu finden und verwenden sehr viel Energie darauf. Doch man kann darüber streiten, ob eine Hauptfigur einen besonders klangvollen Namen braucht. Sind Charakternamen wie Sherlock Holmes oder Harry Potter besonders originell oder erscheinen sie uns so klangvoll, weil wir sie immer wieder gehört haben. Ein schöner Namen macht zumindest noch keinen lebendigen Charakter.

4. Charaktere sollen Schwächen haben

Neben einer unverkennbaren Besonderheit sollte deine Figur eine oder besser mehrere Schwächen haben. Dadurch wird der Romancharakter menschlich und für den Leser sympathisch. Es können Kleinigkeiten oder Macken sein. Doch diese Schwächen sollten für die Handlung von Bedeutung sein und den Charakter beim Erreichen eines Ziels im Weg stehen. Alibi-Schwächen wie die Angst vor Spinnen oder Flugangst, obwohl im ganzen Roman keine Spinne oder ein Flugzeug vorkommen, sind letztendlich Scheinschwächen und werden vom Leser eiskalt durchschaut. Es ist ratsam, dass Du deine Figur im Verlauf der Handlung einige Schwächen ablegen lässt und so eine Entwicklung stattfindet.

Ein schönes Beispiel für einen Charakter, der immer mit seinen Schwächen zu kämpfen hat, ist Pierre Besuchow aus Krieg und Frieden von Leo Tolstoi. Sein Hang zum übermäßigen Essen und Trinken behindert ihn immer wieder. Auch seine Gewohnheit auf einem adligen Gesellschaftsabend mehr dem Wein als seinen Gesprächspartnern, Aufmerksamkeit zu schenken, bringt ihn immer wieder in Schwierigkeiten. Erst gegen Ende von Tolstois Wälzer, wo sich Pierre in französischer Gefangenschaft befindet, beginnt er langsam diese Laster abzulegen. Wenn Du einfallsreich bist, kannst Du aus der Schwäche deines Romancharakters eine echte Stärke machen. John Franklin als Hauptfigur in Entdeckung der Langsamkeit (Sten Nadolny) macht sein Handicap im Verlauf des Romans zu einer Stärke, indem seine Schwäche der Langsamkeit besondere Ruhe und Genauigkeit entgegensetzt.

5. Erstelle ein Charakterblatt für deine Figuren

Es ist sinnvoll, für die wichtigsten deiner Figuren ein kleines Charakterblatt zu erstellen. Dort kannst Du alles notieren, was Dir wichtig erscheint. Hierzu können zum Beispiel die äußerlichen Merkmale, Eigenschaften oder die Vorgeschichte der fiktiven Figur gehören. Es ist ratsam dieses Charakterblatt immer zu pflegen und bei Bedarf zu erweitern. Selbst wenn Du nicht alle diese Details für dein Buch brauchst, gibst Du damit deinen Figuren auf diese Weise mehr Tiefe und so entstehen lebendige Charaktere. Perfektionisten sollten hier jedoch nicht übertreiben und zu viel Zeit in die Figurenentwicklung investieren.

Es gibt verschiedene Programme, welche Dir die Erstellung von Figuren-Datenbanken ermöglichen. Das bekannteste deutschsprachige Programm hierzu ist Papyrus Autor. Aus Österreich kommt Patchwork. Das Autorenprogramm bot zuletzt einen immer größeren Leistungsumfang. Viele Autoren schwören auf das englischsprachige Scrivener mit umfangreichen Funktionen für Schriftsteller. Die drei genannten Programme sind kostenpflichtig. Sucht Du nach einer kostenlosen Software, empfiehlt sich das englischsprachige yWriter. Auch mit diesem Programm kann man Charaktere verwalten. Doch wenn es Dir wirklich nur um eine Figuren-Datenbank geht, kannst Du selber Charakterbögen nach deinen Wünschen mit einem Textverarbeitungsprogramm erstellen. Selbst die gute alte Karteikarte kann diesen Zweck erfüllen. Du hast diese Karten dazu jederzeit griffbereit, selbst wenn Du nicht am Computer an deinen Roman arbeitest.

Nicht alle Figuren werden mit Autorenratgebern und am Schreibtisch entwickelt

Zu Beginn wurde es schon gesagt: Es gibt kein Rezept für gute Charaktere. Doch wenn Du diese fünf Tipps befolgst, wird der Held deines Romans überzeugender als die Figuren in vielen anderen Büchern. Dazu ist es nicht sinnvoll, alle Romancharakter am Schreibtisch zu entwickeln. Beobachte Menschen in deiner Umgebung. Lasse Dich von Freunden, Bekannten und Verwandten inspirieren. Auch wenn es etwas platt klingt: Das Leben schreibt die besten Geschichten und erfindet die originellsten Charaktere. Im Alltag findest Du sicherlich die richtige Inspiration und Ideen für Romanfiguren. Mit den 5 Tipps für lebendige Charaktere kannst Du dann eine Figur entwickeln, welche den Leser anspricht.