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Monat: Oktober 2018

Ein Buch überarbeiten – Drei Arbeitsschritte zum perfekten Roman

Ein Buch überarbeiten – Drei Arbeitsschritte zum perfekten Roman

Die erste Fassung deines Romans ist fertig, nun steht die Überarbeitung an. Ein Buch zu überarbeiten gilt als wichtiger und zugleich arbeitsintensiver Schritt auf dem Weg zu einem perfekten Manuskript. Doch wie solltest Du an diese Aufgabe rangehen? Es ist ratsam, den Roman in mehreren Schritten zu überarbeiten. Wir empfehlen drei Arbeitsphasen. Eine erste Durchsicht widmest Du den Inhalten deines Romans und merzt zum Beispiel Widersprüche im Handlungsverlauf aus. Ein zweiter Schritt dient der Überarbeitung der Stilistik und Kürzungen im Text. Die letzte Arbeitsphase widmest Du dem Korrektorat deines Romans.

Buch überarbeiten
Ein Buch in drei Schritten überarbeiten.

Die drei vorgestellten Arbeitsschritte in diesem Beitrag mögen schematisch wirken. Es geht uns darum, zu verdeutlichen, welche Elemente es beim Buch überarbeiten gibt und in welcher Reihenfolge die Bearbeitung erfolgen sollte. Besonders die Arbeitsschritte Stilistik und Korrektorat lassen sich nicht eindeutig voneinander trennen. Doch bevor Du Dich überhaupt an die Überarbeitungen machst, solltest Du den Text ein wenig liegen lassen.

Das Manuskript liegen lassen und Abstand zum Text gewinnen

Nach der Fertigstellung des letzten Kapitels solltest Du deinen Roman ruhen lassen. Auf diese Weise bekommst Du Abstand zu deinem Buch und sieht den Text bei der Überarbeitung objektiver. Nimmst Du ein Manuskript nach einer Pause wieder zur Hand, siehst Du deine Geschichte eher aus dem Blickwinkel des Lesers als aus der Sicht des Autors. So erläutert es der Erfolgsautor Andreas Eschbach: „Man staunt oft, wie anders man ihn [den Text] dann wahrnimmt – objektiver, mehr aus der Sicht eines Lesers. und einen Leser will man schließlich ansprechen, oder?“ (Quelle: andreaseschbach.com)

Wie lange solltest Du ein Manuskript liegen lassen, bevor Du damit beginnst, dein Buch zu überarbeiten? Es hängt stark vom Autor ab. Einige Schriftsteller beginnen schon zwei Tage nach dem Fertigstellen der erste Fassung mit dem Überarbeiten. Andere Autoren lassen die Erstversion einige Monate liegen. Hast Du keine konkrete Idee, wie lange Du deinen Text reifen lassen solltest, empfehlen wir einen Zeitraum zwischen zehn Tagen und vier Wochen.

Arbeitsphase 1: Ein Buch überarbeiten (Inhalt)

Im ersten Arbeitsschritt widmest Du Dich dem Inhalt deines Romans. In dieser Phase der Überarbeitung geht es zum Beispiel darum, logische Fehler im Handlungsverlauf zu erkennen. Stimmt dazu die Charakterlogik und Entwicklung der Figuren? Musst Du vielleicht einzelne Dialoge überarbeiten? Passt die gewählte Erzählperspektive zur Szene. Bei der inhaltlichen Überarbeitung des Romans gibt es eine Vielzahl von Punkten zu beachten.

Mitunter musst Du vieles auf den Kopf stellen und mehrere Passagen des Romans umschreiben als Dir lieb ist. Ein Autor sollte bereit sein, größere inhaltliche Änderungen an seinem Buch vorzunehmen, auch wenn eine solche Bearbeitung schmerzhaft ist. Die Autorin Annika Bühnemann verdeutlicht an Praxisbeispielen, wie sie drei ihrer Roman intensiv inhaltlich überarbeitet hat. Bühnemann macht keinen Hehl daraus, dass die Überarbeitung der Romane einen großen Aufwand bedeutete. Ein Aufwand, der sich am Ende jedoch lohnte.

Arbeitsphase 2:  Ein Buch überarbeiten (Stil)

Sobald die inhaltliche Überarbeitung abgeschlossen ist, kannst Du mit dem Feilen an einzelnen Sätzen und Formulierung beginnen. Was wird in dieser Phase überarbeitet? Es werden zum Beispiel abgenutzte Redewendungen oder Metaphern genauer unter die Lupe genommen, solche Passagen lassen sich besser formulieren. An einigen Stellen verwendest Du vielleicht Passiv statt Aktiv, diese Stellen solltest Du beim Buch prüfen. Vielleicht hast Du ein Lieblingswort, das immer wieder im Text vorkommt. Andreas Eschbach berichtet davon, dass in der ersten Version seines Romans „Die Haarteppichknüpfer“ sehr häufig das Wort „unermesslich“ vorkam.

Roman_überarbeiten
Im zweiten Schritt feilt man an Formulierungen und streicht Füllwörter.

In die Arbeitsphase zur Stilistik gehören ebenso Kürzungen. Streiche dein Lieblingswort, überflüssige Adjektive und Füllwörter. Arbeitest Du mit einem Schreibprogramm wie Papyrus Autor, zeigt Dir das Schreibprogramm überflüssige Wörter an. Listen mit Füllwörtern, die Schriftsteller in ihren Text vermeiden sollten, findest Du im Internet. Eine ausführliche Liste bietet zum Beispiel Sternvogelreisen. Wiederholungen im Text fallen ebenso dem Rotstift zum Opfer. Vielleicht kannst Du Dialoge in deinem Roman kürzen und straffen.

Arbeitsphase 3: Ein Buch überarbeiten (Korrektorat)

Nach der inhaltlichen und stilistischen Überarbeitung widmest Du Dich dem Korrektorat des Romans. In dieser letzten Arbeitsphase überprüftest Du Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung. Es ist auch möglich Stil und Orthographie in einem Schritt zu überarbeiten, wir empfehlen zwei Arbeitsschritte. Es kann sehr stressig sein, Wiederholungen im Text zu kürzen oder an Formulierung zu feilen, während man noch „nebenbei“ auf Kommasetzung und Grammatik achtet.

Wenn Du Dich in der zweiten Arbeitsphase der Überarbeitung deines Romans vor allem auf Stil und Kürzungen konzentrierst, muss Du bei der letzten Überarbeitung „nur“ noch Fehler bei Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung finden. Ein reines Korrektorat ist mühselig genug. Natürlich gilt: Findest Du in der zweiten Arbeitsphase Rechtschreibfehler, streicht Du diese Fehler an. Gefällt Dir beim Korrektorat eine Formulierung nicht, formuliere sie besser.

Testleser für das überarbeitete Manuskript?

Du hast deinen Roman nach allen Regeln der Kunst und  mit viel Aufwand überarbeitet. Bevor Du dein Manuskript an einen Verlag schickst oder das Buch als Self-Publisher veröffentlichst, kannst Du dein Werk Testlesern geben. Testleser verhelfen deinem Roman zum letzten Schliff. Diesen Schritt sollte sich jeder Autor jedoch überlegen. Entscheidest Du Dich für Tester, startet die Phase der Überarbeitung deines Romans erneut. Kritische Testleser werden Anmerkungen zu Inhalt und Stil haben, dazu sicherlich Fehler bei Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung finden.

Die Einarbeitung der Hinweise der Testleser sollte jedoch nicht so viel Zeit in Anspruch nehmen, wie die Überarbeitung deiner ersten Fassung. Es ist nicht notwendig jede Änderung der Tester zu übernehmen. Am Ende entscheidest Du, welche Kritikpunkte Du in dein Manuskript einarbeitest.