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Autor: Marius

Ein Buch schreiben und den eigenen Schreibstil finden

Ein Buch schreiben und den eigenen Schreibstil finden

Autoren, welche an ihrem ersten Buch schreiben, imitieren gerne den Schreibstil erfolgreicher Schriftsteller. Lektoren können im Anschreiben an einem Buchverlag häufiger lesen, ich schreibe so ähnlich wie Bestsellerautor XY. Verlagslektoren lehnen solche Manuskripte im Regelfall sofort ab, da der Autor noch nicht seinen eigenen Schreibstil gefunden hat. Doch wie findest Du deinen eigenen Stil beim Schreiben? Es gibt hierzu im Internet und in Schreibratgebern sehr viele Tipps. So kannst Du in diversen Ratgebern zum Beispiel lesen, dass Du zu viele Adjektive und Füllwörter vermeiden solltest. Dazu gibt es Tipps zur idealen Satzlänge wie auch der Struktur von Haupt- und Nebensätzen. Doch diese Ratgeber gehen vielmehr der Frage nach, was ein guter Schreibstil ist, indem klargestellt wird, welche Fehler man vermeiden sollte.

Der Weg zum eigenen Schreibstil führt nur über das Schreiben, Bild © by I-vista / pixelio.de

Möchtest Du deinen eigenen Stil finden, gibt es eigentlich nur einen Tipp: Schreiben. Gerade junge Autoren und Schreibanfänger sollten vieles ausprobieren. Versuche Dich an Kurzgeschichten und verschiedenen Genre, selbst wenn Dir diese Literaturgattungen eigentlich gar nicht liegen. Verfasse deinen Texte dazu in verschiedenen Erzählperspektiven, sehr bald wirst Du zum Beispiel merken, ob Dir eher der Ich- oder Er-Erzähler liegt. Schreibstil ist nichts, was sich in kurzer Zeit entwickelt. Es dauerte etwas, bis Du deinen eigenen Stil gefunden hast und er wird sich auch im Lauf der Zeit immer wieder ein wenig wandeln.

Um einen eigenen Stil beim Buch schreiben zu entwickeln, ist es dazu ratsam viel zu lesen. Hierzu gehören sowohl die Klassiker der Weltliteratur wie auch Trivialliteratur. Dabei musst Du Dich nicht auf Belletristik konzentrieren. Schreibst Du historische Romane, ist es sinnvoll historische Klassiker zu lesen. Von guter und auch schlechter Lektüre kannst Du viel lernen und deinen Schreibstil verfeinern. Auf diese Weise findest Du viele Autoren, welche Einfluss auf Dich ausüben und Dir als Orientierung dienen können. Kein Schriftsteller kommt ohne literarische Vorbilder aus. Joanne Rowling gibt als Vorbilder Jane Austen, C.S. Lewis und Edith Nesbit an. Oder nehmen wir einen deutschen Autor wie Günter Grass als Beispiel. Der Nobelpreisträger ließ sich von Alfred Döblin, François Rabelais und Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen beeinflussen.

Eigenen Schreibstil mit Schreibübungen verbessern

Doch wie geht man mit solchen Vorbildern um, um seinen eigenen Schreibstil zu finden. Hier hilft ein kleiner Exkurs zur antiken Schulpraxis weiter. Das Fundament des antiken Schulunterrichts war das Prinzip der Nachahmung (imitatio). Die Schüler absolvierten eine Ausbildung zum Redner und übten sich täglich schriftlich und mündlich in der Nachahmung von Musterreden. Das hohe Ziel war es, diese Vorbilder nicht einfach zu kopieren, sondern deren Leistung zu überbieten. Diese Mustertexte dienten den Schülern als Orientierung und nicht etwa als strikte Vorlage. Im antiken Schulbetrieb lösten sich die angehenden Redner Schritt für Schritt vom Vorbild und schufen etwas Eigenständiges. In der Antike lernten die angehenden Redner eher spielerisch zum Beispiel die Gattung der Gerichtsrede und entwickelten schrittweise einen eigenen Schreibstil.

Das Prinzip der imitatio kann ein Weg zum eigenen Stil sein. Du orientierst sich Dich an deinen literarischen Vorbildern, versucht diese in einem ersten Schritt zu imitieren und machst Dich Schritt für Schritt auf dem Weg zu deinem eigenen Schreibstil. So emanzipiert man sich von seinen großen Vorbildern. Dieses Vorgehen ist für Schreibübungen und nicht die Arbeit an deinem Roman gedacht. Nimm Dir zum Beispiel eine Kurzgeschichte von deinem Lieblingsautor, schreibe die Geschichte an einer beliebigen Stelle weiter oder entscheide Dich für ein anderes Ende. Du kannst auch als Lektor tätig werden und einzelne Seiten stilistisch verbessern. Dieser spielerische Umgang mit Sprache dient in jedem Fall der Verbesserung von deinem Schreibstil und ist in jedem Fall einen Versuch wert.

Solche kleinen Schreibübungen helfen übrigens auch bei Schreibblockaden. Wenn Du mit deinem Buch nicht weiter kommst, nimm Dir eine Kurzgeschichte deines Lieblingsautors vor und schreibe anhand dieser Vorlage. Hier dürfte es wesentlich leichter sein, mit dem Schreiben zu beginnen und Du kommst in den gewünschten Schreibfluss. Nebenbei arbeitest Du weiter an deinem eigenen Schreibstil.

Wie entwickele ich Nebenfiguren für meinen Roman?

Wie entwickele ich Nebenfiguren für meinen Roman?

Wie entwickelst Du Nebenfiguren für deinen Roman? Diese Frage wird in Autorenratgebern immer wieder stiefmütterlich behandelt, das Augenmerk vieler Ratgeber liegt auf der Entwicklung der Hauptfiguren. Dabei sind durchdachte und originelle Nebencharaktere in einem Buch wichtig und tragen ihren Teil zum Erfolg eines Romans bei. Doch was sind überhaupt alles Nebenfiguren und wie kann man diese Charaktere definieren? Hier gehen die Meinungen auseinander. So gibt es Ratgeber, die Nebenfiguren eigene Handlungsstränge zugestehen. Im Internet und in Schreibratgebern findest Du auch eine völlig gegensätzliche Meinung: Nebenfiguren sind reine Handlager und haben nur einen geringen Einfluss auf die Handlung.

Bei Nebenfiguren gibt es eine große Vielfalt, Bild © by Stephanie Hofschlaeger / pixelio.de

Statt sich an den beiden Extremen zu orientieren, ist es ratsamer sich klar zu machen, dass es eine große Vielfalt an Nebenfiguren in der Literatur gibt. Denke nur einmal an historische Romane. Hier findest Du eine Vielzahl von Hauptfiguren und Nebencharakteren. Die Figuren mit einer Nebenrolle haben in diesen Büchern nie die gleiche Bedeutung und einen unterschiedlichen Anteil an der Handlung. Ein weiteres schönes Beispiel wie groß die Vielfalt an Nebencharakteren sein kann, sind die Bücher der Harry Potter-Reihe. Joanne K. Rowling hat diese Figuren alle liebevoll entwickelt und dies macht das Harry Potter Universum für die Leser auch so reizvoll.

Bevor es um die Frage der Figurenentwicklung geht, ist es sinnvoll Hauptfiguren und Nebenfiguren voneinander abzugrenzen. Ebenso klären wir den Unterschied von Nebencharakteren und reinen Statisten in Romanen.

Nebenfiguren sind keine Hauptfiguren

Eine Nebenfigur ist keine Hauptfigur, auf diese einfache Formel kann man es bringen. Somit treibt ein Nebencharakter im Regelfall die Handlung deines Romans nicht voran, dies bleibt dem Held deines Buches überlassen. Hier kann es durchaus Ausnahmen geben. So kann eine Figur im Auftrag des Hauptcharakters handeln. Ein sehr schönes Beispiel hierfür findet man im Herrn der Ringe. In den Moment, wo Frodo von der Spinne Kankra außer Gefecht gesetzt wird, übernimmt Sam seine Rolle und trägt den Ring. Dies ist im gewissen Sinne Geschäftsführung ohne Auftrag. Bei der späteren Rückgabe des Rings von Sam im Turm von Cirith Ungol sagt Frodo sehr treffend: „Ich muß die Last bis zu Ende tragen. Es läßt sich nicht ändern.“ Hier siehst Du recht deutlich den Unterschied zwischen einem Hauptcharakter und einer Nebenfigur.

Gerade an unzertrennlichen Charakterduos der Weltliteratur kann man den Unterschied zwischen Hauptcharakter und Nebenfigur zusätzlich verdeutlichen. Ein Sherlock Holmes ist ohne Dr. Watson nicht denkbar. Zu einem Don Quijote gehört ein Sancho Panza. Jedem Leser wird schnell klar, wer die erste und zweite Geige spielt, jedoch alle diese Romanfiguren haben die Autoren liebevoll und detailliert entwickelt. Viele Schriftsteller zeichnen ihre Helden mit einem unverkennbaren Merkmal aus. Hierzu gehören zum Beispiel die Narbe von Harry Potter und seine Brille, die Tabakpfeife von Sherlock Holmes und selbst die traurige Gestalt von Don Quijote. Solche unverkennbaren Merkmale sollten nur die wichtigsten Charaktere oder der Held deines Romans haben. So kannst Du wichtige Figuren gegen Nebenfiguren abgrenzen

Was sind alles Nebenfiguren?

Was sind nun alles Nebencharaktere? Hier ist die Vielfalt groß. Ein schönes Beispiel für die Vielfalt an Nebenrollen in der Literatur bietet der historische Wälzer Krieg und Frieden mit seinem Figurenreichtum. Der Frauenheld Kurágin hat im Tolstois Buch eine wichtigere Rolle als der kriegsgefangene Bauer Platon Karatájew oder der Artillerieoffizier Túschin, doch dies sind alles Nebenfiguren und diese Figuren spielen ihre Rolle im Roman. Kurágin gewährt Tolstoi mit seiner Affäre mit Natáscha Rostow eine Nebenhandlung in seinem Buch. Eine Figur wie der Bauer Platon hat wiederum die Funktion mit seiner einfachen Sichtweise auf die Welt, dem Hauptcharakter Pierre Besuchow die „Augen zu öffnen.“ Auch wenn die Nebenfiguren bei Tolstoi ein recht unterschiedliches Gewicht haben, bleiben sie dem Leser im Gedächtnis. Hauptcharaktere und Nebenfiguren gleichermaßen zu gestalten, ist die eigentliche Kunst der Figurenentwicklung.

Nebenfiguren
Nebenfiguren sind austauschbar , Bild © by Stephanie Hofschlaeger / pixelio.de

Bei Figuren mit Nebenrolle gibt es eine Unterscheidungsmöglichkeit: Es gibt Nebenfiguren mit einem eigenen Handlungsstrang und Charaktere ohne eigene Handlung. Diese Figuren haben ein unterschiedliches Gewicht für den Plot deines Romans, Du solltest ihnen bei der Ausarbeitung jedoch die gleiche Aufmerksamkeit schenken. Alle Nebenfiguren haben eine Gemeinsamkeit: Sie sind ersetzbar. Nehmen wir die Vielzahl an originellen Nebenfiguren der Harry Potter Bücher als Beispiel. Letztendlich spielt es nicht so eine große Rolle, wer Harry, Hermine und Ron jedes Jahr unterrichtet. Dies sieht man sehr schön am Lehrer für Verteidigung gegen die Dunklen Künste. In jedem Band finden wir hier einen neuen Charakter. Harry Potter würde vielleicht gerne seine dunkle Lordschaft aus den Büchern verbannen, aber hier hat Joanne K. Rowling ein Wörtchen mitzureden.

Nebenfiguren sind keine Statisten

Nebenfiguren sollten keine reinen Statisten sein. Statisten sind Charaktere, welche in einer einzelnen Szene auftauchen und rein funktional sind. Hierzu kann zum Beispiel ein Archivar gehören, der dem ermittelnden Helden den Zugang zu alten Unterlagen in einem Kriminalfall gewährt. Dabei können auch Statisten originelle Figuren sein. Im Abenteuerroman „Der Kurier des Zaren“ von Jules Verne gibt es in einem Kapitel die Figur eines Beamten im Telegrafenamt. Während die Tataren das Haus beschießen, soll der Mitarbeiter ein Telegramm aufnehmen. Obwohl die Lage höchst kritisch ist, lässt sich der Beamte bei seiner Arbeit nicht aus der Ruhe bringen und geht der Tätigkeit im gewohnten Tempo nach. Nachdem eine größere Granate die Mauer des Telegrafenamtes zerstört, muss er zu seinem Bedauern feststellen „Mein Herr, die Leitung ist unterbrochen.“ Der Beamte schließt den Schalter, nimmt seinen Hut und geht.

Diese Figur taucht nur in der Szene im Telegrafenamt auf, sie wird nicht näher beschrieben und hat auch keinen Namen. Dieser Statist hat im Roman nur die Funktion ein Telegramm zu verschicken. Nebenfiguren grenzen sich klar von solchen Statisten ab, welche sich sicherlich auch in deinem Roman finden. Diesen Figuren musst Du keine so große Aufmerksamkeit widmen, sie brauchen keinen Namen und auch keine äußerliche Beschreibung. Statisten bieten trotzdem die Möglichkeit, originelle oder skurrile Figuren zu entwickeln. Ein schwerhöriger Archivar kann deinen Helden durchaus einige Probleme bei der Recherche bereiten.

Wie entwickele ich nun Nebencharakter?

Doch wie entwickelst Du nun Nebenfiguren? Für diese Charaktere gelten weitgehend die gleichen Tipps wie für Hauptfiguren. So sollten die Figuren mit Nebenrolle nicht stereotyp sein und auch Schwächen haben. Es kann durchaus sinnvoll sein, ein Charakterblatt für diese Figuren zu führen. Dieser Charakterbogen muss nicht so detailliert wie für deine Hauptfiguren sein. In zwei wichtigen Punkten unterscheiden sich die Nebencharaktere von deinem Held, sie haben kein besonderes Merkmal und treiben auch nicht aus eigenem Willen die Handlung voran. Dabei sind Nebenfiguren auch keine reinen Statisten. Sie spielen ihre Rolle in deinem Buch und haben teilweise einen Handlungsstrang. Widme in jedem Fall deinen Hauptfiguren wie den wichtigen und weniger wichtigen Charakteren mit Nebenrolle bei der Ausarbeitung die gleiche Aufmerksamkeit. So entstehen Figuren, welche den Leser im Gedächtnis bleiben.

Kreatives Schreiben und Regeln: Ein Beitrag gegen die Regeln

Kreatives Schreiben und Regeln: Ein Beitrag gegen die Regeln

Das Mantra der modernen Schreibschule heißt Show, don`t tell. Jeder Autorenratgeber behandelt diese Regel und kein Schreibkurs kommt ohne diesen Grundsatz aus. Der Blog Schreibwahnsinn bemerkt durchaus treffenden zu dieser Schreibregel: Als Schreibanfänger kriegt man diesen Satz so oft um die Ohren gehauen, bis er einem aus selbigen raushängt. Ernsthaft. Ich konnte ihn nach einer Weile nicht mehr hören, habe ihn regelrecht gehasst.“ Hast Du auch so deine Probleme mit mancher Schreibregel? Dieser Beitrag wendet sich an alle Autoren, welche von den immer wiederkehrenden Tipps und Regeln in Kursen und Ratgeber müde sind. Dazu bedienen wir uns einer inspirierenden Schrift. Das zitierte Buch ist heute vergessen, lückenhaft (Teile davon gingen verloren) und wir kennen den Autor nicht.

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Was können wir von einer verstaubten, antiken Schrift lernen?, Bild © by Hans-Joachim Köhn / pixelio.de

Die Rede ist von der antiken Schrift „Vom Erhabenen“ eines gewissen Longin oder Longinus. Mitunter heißt der Autor auch Dionysios Longinos, Pseudo-Longinos oder einfach nur Anonymus. Alle diese Namen beruhen auf fehlerhaften Zuordnungen zu möglichen Verfassern. In all den Jahrhunderten ist es nicht gelungen, den Autor zu identifizieren und es wird uns auch nicht mehr gelingen. Einige Details können wir seinem Buch entnehmen. Der Schriftsteller lebte offenbar im 1. Jh. n. Chr., war Grieche, sprach dazu auch Lateinisch und bewegte sich in vornehmen Kreisen. Er war gebildet, hat alle wichtigen Autoren der Antike gelesen und ein treffsicheres literarisches Urteilsvermögen. Mehr wissen wir über den Autor nicht. Dazu kommt, dass seine Schrift lückenhaft ist.

Von den ehemals 112 Seiten fehlen 36 Seiten, damit ist mehr als ein Drittel der Schrift verloren. Man kann nur spekulieren, was an den fehlenden Stellen behandelt wurde. Doch was von der Schrift übrig geblieben ist, ist zugleich beeindruckend und inspirierend.

Braucht große Literatur keine Regeln?

Im kleinen Büchlein „Vom Erhabenen“ geht es um wahrhaft große Literatur. Longin (wie der Autor nun heißen soll) behandelt einen Schreibstil, der mitreißt, den Lesern im Gedächtnis bleibt und allgemein Gefallen findet. An einer Stelle vergleicht der Autor diesen Sprachstil mit einem zuckenden Blitz, der alles zerteilt und schlagartig seine geballte Kraft zeigt. Es geht um wirklich große Literatur, sie findet allgemein Gefallen: „Überhaupt, halte das für vollkommen und wahrhaft erhaben, was jederzeit und allen gefällt.“ (Longin, 7 (4)). Doch es soll gar nicht um die genaue Bestimmung des erhabenen Stils gehen. Es geht vielmehr um die Botschaft, welche der Autor in seinem Buch vermitteln möchte.

Inspiration
Ob die Fotografin Longin gelesen hat?, Bild © by Stephanie Hofschlaeger / pixelio.de

Die Schrift behandelt die Frage, wie man große Literatur erschafft. Im lückenhaften Manuskript gibt es eine wunderbare Stelle. Diese kleine Passage hat besonders Schriftsteller im 17. und 18. Jh. immer wieder inspiriert: „Ich weiß nun wohl, daß große Naturen keineswegs fehlerfrei sind; Korrektheit nämlich in allem birgt Gefahr kleinlich zu werden. Im Großen aber muß, wie bei Reichtum im Übermaß, auch etwas sein, was vernachlässigt wird; und vielleicht muß es sogar so sein, daß kleine und mittelmäßige Geister, die nie etwas wagen und nie nach den Sternen greifen in der Regel fehlerfrei und sicher bleiben, während das Große eben durch seine Größe strauchelt. [..] . Freiheit vor Fehlern schützt vor Tadel; das Große hingegen erntet Bewunderung.“ (Longin, 33 (2), 36 (1))

Diese Stelle ist als „Genie und Regel“ bekannt. Der Abschnitt bei Longin hat einen großen Beitrag zum Geniegedanken etwa im Sturm und Drang geleistet. Alle Autoren, welche sich von Zwang und Regel befreien wollten, haben sich den Gedanken von Longin bedient. Dabei ist diese Rezeption verkürzt. Der anonyme Autor macht in seiner Schrift immer wieder deutlich, dass neben Talent auch Studium, Methode und Technik für einen guten Autor notwendig sind. Schreiben kann man also durchaus lernen. Doch die Diskussion über Genieästhetik soll hier gar nicht im Vordergrund stehen, es geht vielmehr um die Frage, was heutige Autoren von der antiken Schrift „Vom Erhabenen“ lernen können.

Was können wir heute von Longin lernen?

Was kannst Du vom anonymen Autor lernen? Was biete diese längst vergessene und verstaubte Schrift? Der griechische Autor macht Mut, einmal gegen den Strom zu schwimmen und seinen eigenen Kopf durchzusetzen. Die kleine Passage „Genie und Regel“ bietet eine ganz wichtige Botschaft. Wer einen großen und überzeugenden Roman schreiben möchte, muss etwas wagen. Dazu kann es gehören, dass Du bestimmte Regel der Literatur zumindest stellenweise verletzt. Über Tolkien wurde gesagt, dass der Herr der Ringe heute mehr keine Chance auf Veröffentlichung hätte. Der Roman verstößt an einigen Stellen gegen elementare Regeln, die bereits Schreibanfänger in Kursen zum Kreativen Schreiben lernen. So wurde kritisiert, dass er die Zerstörung von Isengart in einem Rückblick erzählt. Gerne wird auch das Kapitel „Der Rat von Elrond“ bemängelt. In diesem recht langen Kapitel passiert nach der Sicht von einzelnen Kritikern fast gar nichts.

Unabhängig, ob diese Kritik berechtigt ist. Wie viele Kapitel gibt es im Herrn der Ringe, welche Du bewunderst und nicht vermissen willst? Dieses Beispiel verdeutlicht recht schön, was Login mit Regelverletzungen meint. Erzähle nicht in Rückblenden. Show, don`t tell. Vermeide Genremix. Manchmal muss man diese Regeln symbolisch im feurigen Berg versenken. An einer Stelle schreibt Longin: Er ist für ein großes (leicht fehlerhaftes) Werk bereit, auf die Bücher von allen mittelmäßigen Autoren zu verzichten. Was würdest Du wählen, wenn Du die Wahl zwischen Tolkien und einem ganzen Regel mehrteiliger Fantasy-Sagas hättest?

Show, don´t tell – Was steckt hinter der Schreib-Regel?

Show, don´t tell – Was steckt hinter der Schreib-Regel?

Show, don´t tell (Zeigen, nicht erzählen) dürfte die wichtigste Regel von Schreibratgebern und kreativen Schreibkursen sein. Wenn Du bereits einen Kurs für Kreatives Schreiben besucht hast, wurde Dir sicherlich eingebläut: Du sollst in deinem Roman dem Leser etwas zeigen und nicht erzählen. Doch was steckt genau hinter der Regel Show, don´t tell? Ist dieser Grundsatz für die moderne Literatur so elementar, wie man häufig in Schreibratgeber lesen kann? Die Regel fordert zum szenischen Schreiben und einer filmischen Erzählstruktur auf. Handlung und Dialog sollen im Vordergrund stehen, es geht um eine plastische Darstellung und Beschreibung von Details, wie Du an einem Beispiel sehen kannst.

Kreatives Schreiben
Show, don´t tell – Die Regel lernt man in jedem Schreibkurs , Bild © by Rainer Sturm/ pixelio.de

Tell

Marta bereitete das Mittagessen zu.

Show

Marta war in der Küche voll beschäftigt. Während das Hackfleisch für die Bolognese Sauce in der Pfanne brutzelte, schielte sie immer auf den Topf mit dem Wasser. Wirst Du wohl langsam kochen, damit ich die Nudeln hineinwerfen kann. Marta schaute besorgt auf die Uhr. Franz wurde immer so ungehalten, wenn nicht Punkt 12 Uhr das Essen auf dem Tisch stand und nun war es schon fünf vor Zwölf.

Der Leser soll auf diese Weise die Handlung vor Augen haben und sich mit dem Charakter besser identifizieren können. Dabei sieht Du recht deutlich: Zeigen nimmt durch die vielen Details mehr Platz in Anspruch als das reine Erzählen. Es wurde bereits erwähnt. Show, don´t tell ist DIE Regel moderner Schreibkurse und Schreibratgeber. Dabei ist der Grundsatz zum szenischen Erzählen nicht wirklich neu.

Show, don`t tell – Eine Regel deutlich älter als der Film

Show, don´t tell ist letztendlich eine Reaktion der Literatur auf das Aufkommen von Kino und Film, heißt es immer wieder. Mit einer filmischen Erzählstruktur kommt der Autor den Rezeptions-Gewohnheiten der Leser entgegen und kann so ihre Aufmerksamkeit fesseln. In Wirklichkeit ist dieser Grundsatz, nun sagen wir mal, deutlich älter als der Film. Schon vor einiger Zeit schrieb ein spanischer Hochschullehrer folgenden Ratschlag für einen eindringlichen Erzählstil nieder:

„Zweifelslos nämlich erfaßt derjenige, der sagt, die Stadt sei erobert worden, alles, was nur ein solcher Schicksalsschlag enthält, jedoch dringt es wie eine knappe Nachricht zu wenig tief ein in unser Gefühl. Wenn du dagegen das entfaltetest, was alles das eine Wort enthielt, dann wird das Flammenmeer erscheinen, das sich über die Häuser und Tempel ergossen hat, das Krachen der einstürzenden Dächer und das aus den so verschiedenen Lärmen entstehende eine Getöse, das ungewisse Fliehen der einen, die letzte Umarmung, in der andere an den Ihren hängen, das Weinen der Kinder und Frauen und die unseligerweise bis zu diesem Tag bewahrten Greise, […].“ (Quint VIII 3, 67f.)

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Zeigen, nicht erzählen – Der Grundsatz ist deutlich älter als der Film, Bild © by Rainer Sturm/ pixelio.de

Die Beschreibung der zerstörten Stadt geht im zitierten Text noch einige Zeilen weiter. Hier siehst Du ein weiteres Mal: Zeigen nimmt deutlich mehr Raum als Erzählen ein. Die zitierte Stelle stammt aus dem praktischen Rhetorik-Handbuch „Die Ausbildung des Redners“ von Marcus Fabius Quintilianus. Der Spanier war im 1. Jahrhundert nach Christus der erste staatlich besoldete Rhetorikprofessor in Rom. Im Jahr 95 entstand das besagte Handbuch. Bereits hier findet man die „moderne“ Regel Show, don`t tell. Die antike Rhetorik kennt den Grundsatz unter dem Begriff evidentia. Es lohnt sich, diesen Begriff etwas näher zu beleuchten, um die Regel Zeigen, nicht erzählen in ihrem Grundsatz zu erläutern. In der antiken Rhetorik spielte die detaillierte Darstellung von Handlungsabläufen vor Gericht eine zentrale Rolle.

Ging es zum Beispiel um einen Mordfall, legte der Redner alles daran, den Richtern das Verbrechen besonders plastisch vor Augen zu führen. Es ging um ein detailliertes Beschreiben und die Erregung der Gefühle. Im Idealfall präsentierte man noch das blutige Hemd des Opfers. Bei den Richtern handelte es sich in der Antike häufig um Laienrichter, welche sich wesentlich leichter beeinflussen ließen als Profis. Für eben diese gezielte Beeinflussung von Richtern hat die Antike eine ausführliche Erzähltheorie entwickelt, wir finden Teile davon in der Ausbildung des Redners. Noch früher als Quintilian behandelt Aristoteles die evidentia und spricht vom „Vor-Augen-Führen“. Dies erinnert ganz stark an die filmische Erzählstruktur der modernen Literatur. Dieses „Vor-Augen-Führen“ ist der eigentliche Kern der Regel Show, don´t tell. Einige Jahrhunderte später hat es dann Joseph Conrad sehr schön auf den Punkt gebracht: „Das Ziel des Schreibens ist es, andere sehen zu machen.“

Show, don`t tell – Auf die richtige Mischung kommt es an

In welcher Form Du dem Leser deine Handlung vor Augen führst, bleibt letztendlich Dir als Autor überlassen. Das plastische Zeigen der modernen Literatur ist letztendlich ein Weg dahin. Doch hier sollte man es auch nicht übertreiben. Show nimmt in einem Manuskript deutlich mehr Raum als tell ein. Ein detailliertes Niederschreiben und die Verwendung von Dialogen in deinem Roman sind nur sinnvoll, wenn die beschriebene Situation für die Handlung von Bedeutung ist. Es stellt sich durchaus die Frage, ob man eine Alltagshandlung wie das Zubereiten von Mittagessen in aller Breite beschreiben muss. Sollte Marta allerdings Gift in die Bolognese Sauce mischen, um dem ewigen Nörgeln von Franz ein für alle Mal ein Ende zu bereiten, dann steht das Zeigen im Vordergrund.

Handelt es sich nur um Belanglosigkeiten oder möchtest Du größere Zeiträume beschreiben, ist das knappe Erzählen angebracht. Als kleines Fazit kann man sagen: Show, don`t tell ist zweifellos eine wichtige Regel der modernen Literatur und sinnvoll. So kommst Du dem heutigen Leser entgegen, der durch Kino und Fernsehen vor allem filmische Erzählstruktur gewohnt ist. Doch grundsätzlich solltest Du Dich nie sklavisch einer Regel unterwerfen, auch wenn Schreibratgeber diese noch für so wichtig erachten. Jeder Roman braucht eine gesunde Mischung von show und tell. Dazu bestimmen nicht Schreibregeln deinen Schreibstil als Autor, sondern Du selbst.

Ein Buch schreiben – Wie erreiche ich den Leser?

Ein Buch schreiben – Wie erreiche ich den Leser?

Die Rhetorik hat eine Vielzahl von Strategien entwickelt, wie man den Zuhörer erreicht. Viele dieser Strategien lassen sich direkt auf den Leser übertragen. Wie erreichst Du den Leser mit deinem Roman? Dieser Beitrag behandelt vier Tipps aus der antiken Rhetorik, welche bis heute aktuell sind und Dir helfen sollen, dein Buch genauer auf deine Zielgruppe auszurichten. Ein kleiner Exkurs soll verdeutlichen, warum es überhaupt sinnvoll ist, sich mit einer Theorie aus der Antike zu beschäftigen. Zahlreiche antike Reden waren Prozessreden vor Gericht, es ging darum, die Richter zu überzeugen und für sich zu gewinnen. Eine ganz zentrale Rolle spielte die Erzählung (narratio) des Falles. Bei der Darlegung des Sachverhaltes wurde der Fall (z. B. ein Mordfall, Korruption oder Betrug) in allen Details vorgetragen. Häufig ging es darum, das Mitleid der Richter zu erregen oder Wut auf den Angeklagten hervorzurufen. Um die Adressaten zu erreichen, wurde eine ausführliche und ausgeklügelte Theorie entwickelt.

Leser erreichen
Wie erreiche ich Leser? – Die Rhetorik hat Strategien entwickelt, Bild © by Stephanie Hofschlaeger / pixelio.de

Die antike narratio-Theorie ist der Kern der späteren Erzähltheorie in Literaturwissenschaft und Poetik. Ganz viele Strategien der antiken Rhetorik lassen sich auf das Schreiben von Büchern und auf die Leserschaft übertragen. Das Erreichen von Zuhörer und Leser funktioniert mit den gleichen Techniken. Damit man mit seiner Erzählung den Adressaten überzeugt, kennt die antike Rhetorik vier Tugenden: Angemessenheit (aptum), Sprachrichtigkeit (latinitas), Klarheit (perspicuitas) und Stilmittel (ornatus). Wenn Du diese vier Tugenden beim Schreiben deines Romans einhältst, kannst Du deinen Leser wesentlich besser erreichen.

Angemessenheit – Die Zielgruppe beachten

Kennst Du eigentlich die Zielgruppe deines Romans? Hast Du ein klares Bild davon, für wen Du schreibst? Bevor Du überhaupt mit dem Schreiben beginnst, solltest Du Dir über dein Genre und deine Leser klar werden. Ein Kinderbuch stellt ganz andere Anforderungen als ein Krimi oder Erotikroman. Jedes Genre folgt bestimmten Regeln und sie solltest Du als Autor kennen. Angemessenheit heißt, dass Du die richtigen Mittel wählst, um deine Leser zu erreichen. Dies lässt sich an zwei Beispielen erläutern. In einem Kinderbuch ist es sinnvoll, eine leicht verständliche Sprache zu wählen und Fremdwörter wie auch Anglizismen zu vermeiden. In der modernen Kinderliteratur ist es dazu nicht üblich, dass der Konflikt im Handlungsverlauf durch Mord und Totschlag gelöst wird.

Schreibst Du wiederum Fantasy, sind ganz andere Mittel angemessen, um Konflikte im Handlungsverlauf zu lösen. Du kannst den Leser auch mit einem pathetischen Schreibstil erreichen. Selbst altertümliche Wörter wie „Altvordere“ oder „holde Maid“ dürften bei der Leserschaft Gefallen finden. Wer einen Roadmovie als Roman schreibt und dort unterwegs eine „holde Maid“ abschleppen möchte, wird nicht ganz den Geschmack seiner Leser treffen. Quintilian, der erste Rhetorik-Professor der Geschichte, hat es in seinem Hauptwerk (Ausbildung des Redners) sehr schön auf den Punkt gebracht. Man solle nicht den Fehler begehen „Erhabenes mit Niedrigem, Altes mit Neuem, Poetisches mit Gewöhnlichen zu vermischen; […]“ (Quint. VIII, 3, 60)

Quintilian rät von einer Vermischung des Sprachstils ab, weil man so häufig gegen die Regeln des Genres verstößt und am Ende seine Leserschaft nicht erreicht. Aus diesem Grund raten auch viele Verlagsexperten von Genremix ab. Mit einem Genremix will man es besonders vielen Lesern recht machen und erreicht man Ende keine klare Zielgruppe. In manchen Ratgebern wird der Genremix auch als klassischer Fehler beim Buch schreiben benannt.

Sprachrichtigkeit – Ein fehlerfrei Text im üblichen Sprachgebrauch

Die Angemessenheit ist die Haupttugend in der Antike für die Erzählung, dem aptum sind die drei weiteren Tugenden untergeordnet. Bevor sich ein angehender Redner in der Antike überhaupt mit Themen wie Argumentationstheorie oder Redeaufbau beschäftigen konnte, durchlief er die Grammatikschule. Es wäre undenkbar gewesen, eine politische Rede in falschem Griechisch vor der Volksversammlung zu halten. Korrekte Rechtschreibung und Grammatik in einem Buch sollten eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein, wirst Du jetzt sicherlich bemerken. Doch wie viele Texte gibt es im Internet, welche von Fehler strotzen? Auch mancher Self-Publisher nimmt es mit dem Lektorat nicht so ernst. Verlage können ein Lied davon singen, wie viele fehlerhafte Manuskripte sie am Tag bekommen. Auch dies gehört zur Angemessenheit, einen Buchverlag eine fehlerfreie Textprobe und ein korrektes Exposé zu schicken. Nur so hat man überhaupt eine Chance auf eine Veröffentlichung.

Das Thema Lektorat ist nicht wirklich beliebt bei den Autoren. Wenn Du dein Buch als Self-Publisher veröffentlichen möchtest, lese es schon während des Schreibens immer und immer wieder Korrektur. Wenn dein Manuskript fertig ist, gib es einer weiteren Person zur Korrektur, es muss nicht zwangsläufig ein professioneller Lektor sein. Es reicht ein Freund oder Bekannter, der mit Rechtschreibung und Grammatik vertraut ist. Es geht darum, möglichst viele Fehler zu finden. Der Leser wird es Dir am Ende danken und positive Rückmeldungen (durch gute Rezensionen) sollten nicht ausbleiben.

Lektorat
Der Duden als wichtigste Orientierung für eine moderne Sprache, Bild © by Regina Kaute / pixelio.de

Die antike Tugend latinitas meint nicht nur Sprachrichtigkeit im Sinne von korrekter Grammatik und Rechtschreibung. Es geht auch um eine angemessene Wortwahl, welche sich am modernen und geläufigen Sprachgebrauch orientiert. Auch hier hat Quintilian einen wertvollen Rat parat, um den Leser zu erreichen. Im ersten Teil eines Hauptwerkes, der die Grammatik behandelt, heißt es, man solle sich am üblichen Sprachgebrauch orientieren, „denn es wäre fast lächerlich, die Redeweise, wie die Menschen (früher) gesprochen haben, der Redeweise, wie man jetzt spricht, vorzuziehen.“ (Quint. I, 6, 43). Verstöße gegen diese Regeln sind möglich, wenn es der Angemessenheit entspricht.

Klarheit – Verständlicher Text und nachvollziehbare Handlung für den Leser

Die Entscheidung für einen modernen und geläufigen Sprachgebrauch hat viel mit der Klarheit zu tun. Der Text sollte für den Leser allgemein verständlich sein. Es heißt nicht, dass Du auf eine poetische Sprache verzichten musst oder deinen Roman in einer plumpen Alltagssprache schreibst. Für einen klar verständlichen Text solltest Du zum Beispiel auf regional gebräuchliche Begriffe, Fremdwörter, veraltete oder gekünstelte Wörter verzichten. Der Satzbau muss nicht so verschachtelt sein, dass der Leser jeden Satz zweimal lesen muss. Auch bei der Namenswahl spielt das Prinzip der Klarheit eine wichtige Rolle. Hast Du zum Beispiel Figuren mit sehr ähnlichen Namen, verwirrt dies den Leser vielleicht. Lassen sich komplizierte Namen nicht vermeiden, weil dein Roman in einem für deutsche Leser fremden Kulturkreis spielt, kann eine kleine Charakterübersicht am Anfang des Buches Abhilfe schaffen.

Das Thema der Klarheit spielt besonders in Fantasyliteratur und historischen Romanen eine Rolle. In einem Fantasyroman kann es den Leser verwirren, wenn eine Vielzahl von neuen Namen und Personen auf ihn einströmt. So kann es durchaus irritierend sein, wenn gleich im ersten Kapitel König Theokrates vom Bund von Alderney in seiner Hauptstadt Vexmor auf dem Thron sitzt. Er ist übrigens die mächtigste Person des Kontinents Cunaxa. Ein guter Fantasy-Autor weiß, wie er die zentralen Begriffe seiner erfundenen Welt einführt. Auch ein Schriftsteller historischer Romane hat das richtige Gefühl dafür, wann er bei historischen Details erläuternd eingreifen muss und wann sich Dinge von selbst erklären.

Zur Klarheit gehört es auch, logische Fehler im Handlungsaufbau zu vermeiden. Wenn Du deinen Roman Korrekturlesen lässt, bitte die Person ebenso darum, auf Logikfehler in deinem Buch zu achten. Entscheidest Du Dich für ein professionelles Lektorat, wird der Lektor auch logische Fehler in deinem Manuskript vermerken. Über dem Prinzip der Klarheit steht erneut die Angemessenheit. Schreibst Du zum Beispiel einen regionalen Krimi, ist es sogar erforderlich regional gebräuchliche Wörter zu verwenden. Das Beispiel mit veralteten Wörtern in Fantasy-Literatur hatten wir bereits.

Stilmittel – Sprachfiguren durchaus erwünscht

Mit rhetorischen Stilmitteln kann man ganz Bücher füllen und dies wurde in der Vergangenheit auch mehrfach gemacht. Hier ist die Frage, ob es heute noch angemessen ist, seinen Text mit Metaphern, Alliterationen und Inversionen zu überfrachten und auszuschmücken. Kann man heute so Leser noch erreichen? Literatur ist keine Alltagssprache und bedient sich nie einfacher Worte. Wenn Du aktuelle Romane zur Hand nimmst, findest Du dort häufig Sprachfiguren, sicherlich dezenter eingesetzt wie in anderen Literaturepochen. Auch in diesem Fall hilft die antike Rhetorik weiter. So unterscheidet die Theorie zwischen einem schlichten, mittleren und erhabenen Stil.

Stilmittel
Stilmittel – Nur noch etwas für das Poesiealbum, Bild © by Ilse Dunkel (ille) / pixelio.de

Der schlichte Stil eignet sich für die Lehre und zeichnet sich durch einen treffsicheren wie prägnanten Ausdruck aus. Wer Lehrbücher schreibt, sollte diesen Sprachstil wählen. Beim pathetischen und erhabenen Stil geht es um starke Affekterregung und Gegenstände von hoher Bedeutung. Dieser Sprachstil kommt zum Beispiel in großen politischen Reden zum Einsatz. Der mittlere Sprachstil dient der Unterhaltung der Zuhörer wie Leser und hierzu gehört die Literatur. Es geht um einen Schreibstil, der keine Alltagssprache für belanglose Dinge wie einen Einkauf oder Gespräche über das Wetter ist. Denke immer daran, dein Buch behandelt keine Belanglosigkeiten, sonst würdest Du deine Geschichte nicht erzählen.

Bemühe Dich um eine ansprechende und unterhaltsame Sprache, mit welcher man den Leser erreichen kann. Es geht nicht darum, künstlich und geplant Sprachfiguren zu setzen. Es ist letztendlich dein eigener Schreibstil, der die Figuren aus deiner Feder fließen lässt. Um es abschließenden mit den Worten von Quintilian zu sagen, der den mittleren Sprachstil wie folgt umschreibt: „wie ein Strom, der ruhiger und zwar in klarem Licht, aber an seinen Ufern von grünenden Wäldern beschattet dahinströmt.“ (Quint. XII, 10, 60). Mancher Autor würde sich über einen solchen stetigen Schreibfluss freuen.

Den Leser mit den vier Prinzipien erreichen

Für die antike Rhetorik sind Angemessenheit, Sprachrichtigkeit, Klarheit und Stilmittel die vier Tugenden für eine überzeugende Erzählung. Bei genauer Betrachtung sind die recht alten Strategien, um Zuhörer und Leser zu erreichen von erstaunlicher Aktualität. Orientierst Du Dich bei deinem Roman an diesen vier Prinzipien, sollte es für Dich wesentlich leichter sein, deine Zielgruppe zu erreichen. Überlege Dir genau, welche Personen Du ansprechen willst und halte die Regeln deines Genres ein. Mit einer korrekten, verständlichen und ansprechenden Sprache solltest Du den Leser erreichen. Dies ist leicht gesagt, doch bereits die Antike sah im Verfassen der Erzählung die größte Herausforderung. Letztendlich kann Dir die Theorie nur helfen und Ideen bieten, die Umsetzung ist die Kunst des Autors.

Lebendige Charaktere entwickeln – 5 Tipps für Autoren

Lebendige Charaktere entwickeln – 5 Tipps für Autoren

Wie entwickelst Du überzeugende und lebendige Charaktere für deinen Roman? Im Internet und in Autorenratgebern findet man hierzu eine Vielzahl von Tipps. Dabei gibt es kein Rezept oder einen Baukasten für lebendige Romanfiguren. Wer wissen will, wie man einen überzeugenden Helden entwickelt, schaut sich am besten unsterbliche Charaktere aus der Literatur an. Es gibt eine Vielzahl von fiktiven Romanfiguren, welche uns gerade wie lebende Personen erscheinen und von Autoren meisterlich entwickelt wurden.

Charaktere
Mit unseren fünf Tipps werden Charaktere keine Schatten ihrer selbst, Bild © by Rainer Sturm / pixelio.de

Dieser Beitrag beschäftigt sich vor allem mit der Entwicklung von Hauptcharakteren. Es geht darum, wie Du eine besondere und unverkennbare Figur für dein Buch entwickelst. Der Leser soll mit deinem Helden mitfühlen, sich über seine Rückschläge ärgern und seine Fortschritte bejubeln. Es geht um die Entwicklung des ganz besonderen Charakters. Er hebt sich von den anderen Figuren ab und Du gibst deinem Roman eine unverkennbare Note.

1. Entwickle einen aktiven Helden

Ein überzeugender Romancharakter ist kein passiver Charakter, auf diese kurze Formel kann man es bringen. Der Hauptcharakter deiner Geschichte ist der Held, er muss die Handlung aktiv vorantreiben. Ein passiver Held ist letztendlich eine schwache Figur und gewinnt die Sympathie der Leser nicht. Dabei geht es nicht um eine perfekte Romanfigur, welche problemlos alle Hindernisse aus dem Weg räumt. Dein Held kann und soll sogar Schwächen haben. Es ist vielmehr wichtig, dass dein Buchcharakter sich dem Konflikt stellt und alle Energie aufwendet, die Handlung des Romans voranzutreiben. Nur so können Charaktere eine Entwicklung durchmachen.

Passive Charaktere kommen beim Leser nicht gut an , Bild © by MF / pixelio.de

Eines der schönsten Beispiele für einen Helden, der mit Energie auf sein Ziel zustrebt, ist Frodo aus dem Herrn der Ringe. Obwohl der Ring seinen Willen immer mehr beherrscht und mit jedem Schritt etwas schwerer wird, bewegt er sich auf den feurigen Berg zu und vernichtet den Ring am Ende. Auch Don Quijote ist ein gutes Beispiel für einen aktiven Charakter. Auch wenn ihn die Realität immer wieder böse Streiche spielt und Sancho Panza keine echte Hilfe ist, stellt er sich dem Konflikt und wirklich jeden Konflikt im Roman von Cervantes. Du siehst bereits an diesen Beispielen, aktive Helden müssen nicht perfekt sein und wirklich lebendige wie auch sympathische Figuren sind es auch nicht.

2. Verzichte bei Charakteren auf Stereotypen

Wenn Du deine Romanfigur entwickelst, ist es ratsam nicht mit Stereotypen zu arbeiten. Im Krimi kennt man besonders viele Stereotypen. Hierzu gehören zum Beispiel Draufgängertypen, der tollpatschige Anfänger, Wissenschaftler oder halbkriminelle Ermittler. Du kannst Dir denken, wie viele Geschichten in der Vergangenheit mit solchen Charakteren geschrieben wurden, welche letztendlich immer gleich und damit austauschbar sind. Eine blasse und auswechselbare Figur möchtest Du sicherlich nicht als Hauptcharakter in deinem Buch haben. Doch Du kannst bei deiner Figur mit den Stereotypen spielen und aus typischen Charakterzügen etwas völlig Neues erschaffen.

Wie so etwas funktionieren kann, verdeutlicht eine kleine Geschichte aus der Antike. Zeuxis von Herakleia war griechischer Maler etwa im 4 Jahrhundert v. Chr. Er erhielt den Auftrag, Helena für den Tempel von Kroton zu malen. Der Auftrag war im gewissen Sinne anspruchsvoll, schließlich ging es darum, die schönste Frau der Antike ohne Vorlage zu malen. Doch Zeuxis hatte eine Idee und ließ die fünf schönsten jungen Frauen von Kroton rufen. Die Mädchen hatten auf ihre Art eine perfekte Seite, Zeuxis kombinierte dies und schuf daraus das Bildnis der Helena. Hier liegt eine interessante Kombinationstechnik vor, welche Du auch für Charaktere nutzen kannst. Es wäre ebenso denkbar, dass Du Charakterzüge von stereotypen Figuren niederschreibst, diese kombinierst und damit experimentierst.

3. Gibt deiner Romanfigur ein unverkennbares Merkmal

Viele Romanhelden haben eine Besonderheit, welche diese Figuren unverkennbar macht. Bei Sherlock Holmes ist es seine Tabakpfeife. Oskar Matzerath von Günther Grass wird durch seine Trommel charakterisiert. Harry Potter wiederum hat seine unverkennbare Brille und dazu eine Narbe auf der Stirn. Dann gibt es wiederum unverkennbare Paare wie Don Quijote und Sancho Panza. Diese Charaktere aus ganz unterschiedlichen Zeiten und Genre haben alle ein unverkennbares Merkmal. Es reicht schon ein Bild oder eine graphische Darstellung, damit man jede dieser Romanfiguren ganz einfach erkennen kann. Diese kleinen Besonderheiten sind eine Strategie, um einen lebendigen Buchcharakter zu gestalten.

Roman_Charaktere
Gibt deiner Romanfigur ein unverkennbares Merkmal, Bild © by Hans-Joachim Köhn / pixelio.de

Oft reichen Kleinigkeiten, um eine Figur unverkennbar zu charakterisieren. Las hierbei etwas deine Fantasie spielen. Diese besondere Äußerlichkeit und dieses einzigartige Merkmal sollte nur für deinen Hauptcharakter oder ein Charakterduo deines Romans sein. Dadurch hebt sich dein Held von den anderen Charakteren deines Romans ab. Viele Autoren geben sich auch immer wieder sehr viel Mühe, besonders klangvolle Namen für ihre Romancharaktere zu finden und verwenden sehr viel Energie darauf. Doch man kann darüber streiten, ob eine Hauptfigur einen besonders klangvollen Namen braucht. Sind Charakternamen wie Sherlock Holmes oder Harry Potter besonders originell oder erscheinen sie uns so klangvoll, weil wir sie immer wieder gehört haben. Ein schöner Namen macht zumindest noch keinen lebendigen Charakter.

4. Charaktere sollen Schwächen haben

Neben einer unverkennbaren Besonderheit sollte deine Figur eine oder besser mehrere Schwächen haben. Dadurch wird der Romancharakter menschlich und für den Leser sympathisch. Es können Kleinigkeiten oder Macken sein. Doch diese Schwächen sollten für die Handlung von Bedeutung sein und den Charakter beim Erreichen eines Ziels im Weg stehen. Alibi-Schwächen wie die Angst vor Spinnen oder Flugangst, obwohl im ganzen Roman keine Spinne oder ein Flugzeug vorkommen, sind letztendlich Scheinschwächen und werden vom Leser eiskalt durchschaut. Es ist ratsam, dass Du deine Figur im Verlauf der Handlung einige Schwächen ablegen lässt und so eine Entwicklung stattfindet.

Ein schönes Beispiel für einen Charakter, der immer mit seinen Schwächen zu kämpfen hat, ist Pierre Besuchow aus Krieg und Frieden von Leo Tolstoi. Sein Hang zum übermäßigen Essen und Trinken behindert ihn immer wieder. Auch seine Gewohnheit auf einem adligen Gesellschaftsabend mehr dem Wein als seinen Gesprächspartnern, Aufmerksamkeit zu schenken, bringt ihn immer wieder in Schwierigkeiten. Erst gegen Ende von Tolstois Wälzer, wo sich Pierre in französischer Gefangenschaft befindet, beginnt er langsam diese Laster abzulegen. Wenn Du einfallsreich bist, kannst Du aus der Schwäche deines Romancharakters eine echte Stärke machen. John Franklin als Hauptfigur in Entdeckung der Langsamkeit (Sten Nadolny) macht sein Handicap im Verlauf des Romans zu einer Stärke, indem seine Schwäche der Langsamkeit besondere Ruhe und Genauigkeit entgegensetzt.

5. Erstelle ein Charakterblatt für deine Figuren

Es ist sinnvoll, für die wichtigsten deiner Figuren ein kleines Charakterblatt zu erstellen. Dort kannst Du alles notieren, was Dir wichtig erscheint. Hierzu können zum Beispiel die äußerlichen Merkmale, Eigenschaften oder die Vorgeschichte der fiktiven Figur gehören. Es ist ratsam dieses Charakterblatt immer zu pflegen und bei Bedarf zu erweitern. Selbst wenn Du nicht alle diese Details für dein Buch brauchst, gibst Du damit deinen Figuren auf diese Weise mehr Tiefe und so entstehen lebendige Charaktere. Perfektionisten sollten hier jedoch nicht übertreiben und zu viel Zeit in die Figurenentwicklung investieren.

Es gibt verschiedene Programme, welche Dir die Erstellung von Figuren-Datenbanken ermöglichen. Das bekannteste deutschsprachige Programm hierzu ist Papyrus Autor. Aus Österreich kommt Patchwork. Das Autorenprogramm bot zuletzt einen immer größeren Leistungsumfang. Viele Autoren schwören auf das englischsprachige Scrivener mit umfangreichen Funktionen für Schriftsteller. Die drei genannten Programme sind kostenpflichtig. Sucht Du nach einer kostenlosen Software, empfiehlt sich das englischsprachige yWriter. Auch mit diesem Programm kann man Charaktere verwalten. Doch wenn es Dir wirklich nur um eine Figuren-Datenbank geht, kannst Du selber Charakterbögen nach deinen Wünschen mit einem Textverarbeitungsprogramm erstellen. Selbst die gute alte Karteikarte kann diesen Zweck erfüllen. Du hast diese Karten dazu jederzeit griffbereit, selbst wenn Du nicht am Computer an deinen Roman arbeitest.

Nicht alle Figuren werden mit Autorenratgebern und am Schreibtisch entwickelt

Zu Beginn wurde es schon gesagt: Es gibt kein Rezept für gute Charaktere. Doch wenn Du diese fünf Tipps befolgst, wird der Held deines Romans überzeugender als die Figuren in vielen anderen Büchern. Dazu ist es nicht sinnvoll, alle Romancharakter am Schreibtisch zu entwickeln. Beobachte Menschen in deiner Umgebung. Lasse Dich von Freunden, Bekannten und Verwandten inspirieren. Auch wenn es etwas platt klingt: Das Leben schreibt die besten Geschichten und erfindet die originellsten Charaktere. Im Alltag findest Du sicherlich die richtige Inspiration und Ideen für Romanfiguren. Mit den 5 Tipps für lebendige Charaktere kannst Du dann eine Figur entwickeln, welche den Leser anspricht.

Einen Roman schreiben: Der Er-Erzähler als Erzählperspektive

Einen Roman schreiben: Der Er-Erzähler als Erzählperspektive

Bevor Du mit der Arbeit an deinem Roman beginnst, ist es sinnvoll sich über die Erzählperspektive Gedanken zu machen. Der Er-Zähler ist eine weit verbreitete Erzählform in der Literatur. Sicherlich hast Du einige Romane gelesen, welche in der Er-Form geschrieben wurden. Die Kurzgeschichten und Bücher (Der Prozess, Das Schloss) von Franz Kafka sind ausgezeichnete Beispiele für den Er-Zähler. Aus der Schulzeit kennst vielleicht noch Werke wie Berlin Alexanderplatz (Alfred Döblin) oder Das Parfüm (Patrick Süskind). Dabei gibt es durchaus Unterschiede beim Er-Erzähler, man denke nur an die beschränkte Erzählperspektive bei den Figuren von Kafka oder den allwissenden Erzähler im Roman von Süskind.

Er-Erzähler
Auktorialer (Süskind) vs. personaler Er-Erzähler (Kafka)

In der Erzähltheorie unterscheidet man hier zwischen dem personalen und auktorialen Er-Erzähler. Diese Typologie basiert auf der Theorie des Literaturwissenschaftlers Frank K. Stanzel. Die Erzählsituationen, wie sie Stanzel benennt, dienen vor allem für die Erzählanalyse und kommen häufig im Schulunterreicht zum Einsatz. Doch gerade für angehende Autoren ist es ratsam, sich etwas näher mit Erzähltheorie zu beschäftigen. Hier lernst Du viel über mögliche Erzählperspektiven für deinen Roman.

Der Erzähler in der Er-Form ist eine interessante Perspektive für Autoren. Du kannst deiner Figur über den personalen Er-Erzähler eine beschränkte Sicht auf die Welt geben oder Dich für einen allwissenden Erzähler entscheiden, welcher sich außerhalb deiner fiktiven Welt befindet. Im Gegensatz zum Ich-Erzähler ermöglicht die Perspektive in der Er-Form auch das Erzählen in einer Multiperspektive.

Der Er-Erzähler und die Varianten bei der Erzählform

Bei dieser Erzählperspektive kennt man zwei Varianten. Der auktoriale Erzähler ist allwissend und steht außerhalb der fiktiven Welt. Dieser Er-Erzähler ist nahezu gottgleich und hat deutlich mehr Wissen als jeder Charaktere des Romans. Er kennt alle Zusammenhänge der beschriebenen Welt wie auch der Figuren und kann so dem Leser eine Vielzahl von Informationen liefern. Dies geschieht im Regelfall durch Kommentare oder Vorausdeutung. In dieser Perspektive ist es häufig üblich, dass der Erzähler den Leser direkt anspricht. Welche Informationen Du jedoch an deine Leserschaft weitergibst, entscheidest letztendlich Du. Durch die allwissende Erzählform ist dazu auch problemlos möglich, in Rückblenden zu erzählen oder vorauszublicken.

Ganz anders ist wiederum die beschränkte Perspektive des personalen Er-Erzählers. Hier sieht der Leser die fiktive Welt durch die Augen einer Figur oder aus der Sicht mehrerer Charaktere. Man kann zwischen einer einfachen Perspektive und der Multi-Perspektive unterscheiden. Die Figuren haben die gleichen Informationen wie der Leser. Beschränkst Du Dich nur auf die Sichtweise einer Figur, kann dies mitunter monoton auf die Leser wirken. Die Multi-Perspektive erlaubt es wiederum, aus der Sicht einer Vielzahl von Figuren zu schreiben. Mit dem personalen Er-Erzähler in dieser Form ist es besonders einfach, die Orte der Handlung zu wechseln

Wie wirkt der Er-Perspektive auf die Leserschaft?

Wie der Er-Erzähler auf den Leser wirkt, hängt vor allem davon ab, ob Du Dich für die auktoriale oder personale Perspektive entscheidest. Mit der allwissenden Erzählform kannst Du den Leser direkt beeinflussen und seine Erwartung steuern. Dies geschieht im Regelfall durch Kommentare oder Andeutungen. Auf diese Weise lässt sich Spannung aufbauen. Du kannst zum Beispiel darauf hinweisen, dass die Charakter nicht ahnen können, in welcher Gefahr sie sich gerade befinden. Hat der Leser eine enge Bindung zu den Figuren, fiebert er mit den Charakteren mit. Beim auktorialen Er-Erzähler ist auch üblich, den Leser direkt anzusprechen. Die auktoriale Erzählform findet man häufig im historischen Roman (Krieg und Frieden von Leo Tolstoi) oder Gesellschaftsroman (Jahrmarkt der Eitelkeit von William Makepeace Thackeray). Hier kann der allwissende Erzähler als Außenstehender historische Ereignisse oder gesellschaftliche Entwicklungen kommentieren.

Beim personalen Er-Erzähler ist die Perspektive der Figuren beschränkt. Der Leser sieht alles durch die Augen einer Figuren oder mehrerer Figuren. Schreibst Du aus der Sichtweise nur eines Charakters, kannst Du Dich alternativ für den Ich-Erzähler in deinem Roman entscheiden. Diese Erzählform ist persönlicher, Du stehst dem Leser deutlich näher. Doch vielleicht ist dies gerade nicht deine Absicht. Ein personaler Er-Erzähler aus der Sicht eines Charakters kann Distanz zum Leser schaffen und dürfte auch nicht sympathisch wirken. Die Figuren von Kafka, der Autor ist ein Paradebeispiel für diese Erzählform aus einer Perspektive, sind sicherlich keine Sympathieträger.

Er-Erzähler
Der Er-Erzähler ermöglicht eine Multi-Perspektive, Bild © by Stephanie Hofschlaeger / pixelio.de

Doch auch der Er-Erzähler aus der Multi-Perspektive ist eine interessante Erzählform. Hier erzählst Du aus der Sichtweise von einer Vielzahl von Figuren. Dazu ist es besonders einfach, immer wieder die Schauplätze der Romanhandlung zu wechseln. Spielt dein Roman an vielen Orten und hast Du eine Vielzahl von Figuren, kann diese Erzählperspektive Sinn machen. Auch diese Erzählsituation eignet sich gut für historische Romane. Ein Beispiel für den personalen Er-Erzähler mit Multi-Perspektive ist Quo vadis? von Henryk Sienkiewicz. Vom 17. bis 19. Jahrhundert war noch die auktoriale Perspektive bei historischen Romanen weit verbreitet. In der heutigen Literatur dominiert jedoch im Allgemeinen der personale Er-Erzähler. Die Welt des 21. Jahrhunderts ist kompliziert geworden, dies schlägt sich auch in der Literatur wieder und der allwissende Erzähler verliert zunehmend an Bedeutung.

Ein Buch schreiben: Der Ich-Erzähler als Erzählperspektive

Ein Buch schreiben: Der Ich-Erzähler als Erzählperspektive

Wer ein Buch schreiben möchte, sollte sich im Vorfeld über die Erzählperspektive klar werden. Der Ich-Erzähler gehört zu den beliebtesten Erzählformen in der Literatur. Diese Erzählperspektive ist Dir sicherlich schon in verschiedenen Büchern begegnet. Der Ich-Erzähler kommt besonders häufig im Bereich der Abenteuerliteratur vor. Bekannte Beispiele sind Robinson Crusoe von Daniel Defoe oder zahlreiche Romane von Karl May. Vielleicht erinnerst Du Dich auch noch an die klassische Literatur für den Schulunterricht wie die Ansichten eines Clowns (Heinrich Böll) oder Homo Faber (Max Frisch). Auch hier nutzt der Erzähler das Ich als Erzählperspektive.

„Beliebte“ Schullektüre mit dem Ich-Erzähler

Die hier beschriebene Erzählsituation wird Dir sicherlich in Teilen bekannt vorkommen und basiert weitgehend auf der Erzähltheorie des Österreichers Frank K. Stanzel. Die Typologie des Literaturwissenschaftlers ist jedoch nicht nur für den Schulunterricht und die Erzählanalyse von Interesse. Auch Du als Romanautor kannst von der Systematik viel lernen und bekommst einen Überblick über mögliche Erzählperspektiven.

Der Ich-Erzähler ist eine interessante und klassische Perspektive, wenn Du ein Buch schreiben möchtest. Hier wird die Geschichte aus der Sicht einer einzigen Figur erzählt. Das Geschehen des Romans ist immer da, wo sich der Erzähler befindet. Der Ich-Erzähler kann nicht wissen, was andere Charakter denken, sofern diese es ihm nicht mitteilen. Du kannst dabei entscheiden, ob Du deinem Leser die Innensicht deines Charakters (z.B. Gefühle, Gedanken) mitteilen möchtest. Es ist auch möglich, sich beim Schreiben des Buches ganz auf die Außensicht zu konzentrieren und keinen Einblick ins Innenleben zu gewähren.

Der Ich-Erzähler und Varianten bei der Erzählperspektive

Beim Ich-Erzähler gibt es verschiedene Varianten. Es gibt die Erzählperspektive des erlebten Ichs. Der Erzähler befindet sich mitten im Geschehen der Handlung und weiß nicht mehr als der Leser selber. Hier ist ein besonders emotionales Erzählen in Lesernähe möglich. Weiterhin kennt man in der Erzähltheorie das erzählende Ich. Hier blickt die Erzählfigur mit einer gewissen Distanz auf das Geschehen zurück. Diese Variante des Ich-Erzählers kann auktoriale Züge (allwissend) haben. Hier wird aus der Retrospektive erzählt, die Erzählfigur kann Andeutungen auf den weiteren Handlungsverlauf machen (Damals wusste ich noch nicht) oder es können Werturteile erfolgen. Ebenso muss der auktoriale Ich-Erzähler nicht zwangsläufig in linearer Zeitfolge erzählen.

Das Ich muss nicht die Hauptfigur in Roman sein, sondern kann auch eine Nebenfigur darstellen. So kann der Erzähler in einer Art Biographie, Chronik oder einem historischen Roman über eine andere Person berichten. Hier haben wir dann den sogenannten personalen Ich-Erzähler (was würde wir ohne die Systematik von Stanzel machen). Mit der personalen Erzählsituation wird eigentlich der Er-Zähler bezeichnet, da hier das Ich nicht die Hauptfigur ist, wählt man auch beim Ich-Erzähler diese Bezeichnung. Wie Du siehst, gibt es hier durchaus einige Varianten bei der Erzählperspektive.

Wie wirkt die Ich-Erzählperspektive auf den Leser?

Diese Erzählform gilt als besonders authentisch, Du stehst damit den Lesern sehr nah und kannst bei Wunsch einen Einblick ins Gefühlsleben der Figur geben. Es ist nicht verwunderlich, dass viele Autoren von Abenteuerliteratur eben diese Erzählperspektive gewählt haben, damit der Leser die Ereignisse direkt erleben kann. Ähnlich verhält es sich bei Krimis. Durch die Ich-Perspektive kann man zum Beispiel über einen Mordfall besonders spannenden schreiben, hier weiß der Charakter des Romans nicht mehr als der Leser und muss den Fall Schritt für Schritt aufklären. Auch im autobiographischen Roman spielt die Ich-Erzählsituation eine ganz zentrale Rolle. Entscheidest Du Dich für den auktorialen Ich-Erzähler, kannst Du durch kleine Andeutungen die Geschichte für den Leser spannenden machen. Du blickst dann aus der Retrospektiv auf die Handlung zurück.

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Mit der Ich-Perspektive ist der Leser Mitten im Geschehen, Bild © by Stephanie Hofschlaeger / pixelio.de

Der Ich-Erzähler hat auch eine nicht zu unterschätzende Schwäche. Kann sich der Leser mit der Erzählfigur nicht anfreunden, weil die Figur unsympathisch oder unreif auf ihn wirkt, kann dies dazu führen, dass das Buch weglegt wird. Die Ich-Perspektive macht auch nicht bei jedem Romanthema Sinn. Hast Du zum Beispiel häufig wechselnde (weit entfernte) Schauplätze in deiner Handlung und eine Vielzahl von Figuren in deinem Roman, ist es wohl sinnvoll sich für den Er-Erzähler zu entscheiden. Ein Beispiel wäre Krieg und Frieden von Leo Tolstoi. Hier spielt die Handlung in Moskau, Petersburg, an der Front und an vielen weiteren Orten mit einer Vielzahl von Charakteren.

Der Roman von Tolstoi hätte sicherlich nicht die gleiche Wirkung beim Leser erzielt, hätte sich der russische Autor für einen Ich-Erzähler entschieden. Doch letztendlich entscheidest Du als Autor, welche Erzählperspektive Du wählst. Nimm Dir jedoch ausreichend Zeit das Für und Wider der einzelnen Erzählformen abzuwägen, bevor Du mit dem Schreiben an deinem Roman beginnst.

Wie schreibt man ein Exposé für einen Roman?

Wie schreibt man ein Exposé für einen Roman?

Wie schreibt man ein überzeugendes Exposé für sein Buch? Diese Frage beschäftigt viele Autoren, bevor sie ihren Roman an einen Verlag schicken. Einheitliche Vorgaben für die Inhaltsangabe zum eigenen Buch gibt es nicht. Informiert man sich in Schreibratgebern und auf Internetseiten über das Thema, findet man teilweise sogar widersprüchliche Angaben. Bevor Du Dich an dein Exposé machst, ist es sinnvoll, den französischen Begriff (frz. Darlegung) zu definieren oder sich der Begrifflichkeit etwas zu nähern. Wikipedia bringt es eigentlich sehr schön auf den Punkt: „Ein Exposé oder Exposee ist eine vorausschauende Inhaltsangabe eines literarischen Werks; es soll die Grundidee und den groben Handlungsverlauf vorstellen. Es ist meist nur einige Seiten lang und enthält weder Dialoge noch Einzelheiten. Es skizziert die Hauptfiguren oder gibt die thematische Grundlinie eines Buchs wieder.“ (Quelle: Wikipedia)

Exposé
Frust beim Exposé schreiben – Mit 5 Tipps zur Inhaltsangabe, Bild © by Wilhelmine Wulff / pixelio.de

Das Online-Lexikon verdeutlicht in wenigen Sätzen, was die Inhaltsangabe eines literarischen Werkes ausmacht. Mit einem Exposé gibst Du die Haupthandlung deines Romans und auf 2 bis 3 Seiten die Essenz deines Buches wieder. Beim Schreiben des Romanexposés solltest Du Dich nicht nur auf eine reine Inhaltsangabe konzentrieren, sondern den Lektor tatsächlich die Grundidee deines Werkes vermitteln. Beim Schreiben der 2 bis 3 Seiten sollte man auch den Zweck nicht aus den Augen lassen. Das Exposé soll dem Lektor vor allem vermitteln, ob dein Roman für das Verlagsprogramm relevant ist und sich verkaufen lässt.

Es wurde bereits erwähnt, es gibt keine verbindlichen Vorgaben oder gar einen Standard für ein Romanexposé. Du kannst Dich jedoch an einige Richtlinien halten, womit deine 2 bis 3 Seiten mehr Beachtung gewinnen und sich die Chance auf eine Veröffentlichung erhöht.

Die Anforderungen der Verlage an das Exposé beachten

Bevor Du überhaupt mit dem Schreiben eines Exposé beginnst, informieren Dich beim Verlag, welchen Du anschreiben möchtest, über die Anforderungen. Auf der Internetseite des Buchverlages könnte zum Beispiel stehen, dass ein Buchexposé nur zwei Seiten umfassen soll. Dies ist mitunter hart. Viele Autoren sind bereits der Ansicht, dass schon drei Seiten eigentlich viel zu wenig für ein Exposé sind. Manche Verlage machen dazu nähere Angaben, was sie von der Zusammenfassung eines Romans erwarten. Ein schönes Beispiel hierfür ist der Piper Verlag aus München. Es gibt übrigens auch keinen Bonus für besonders umfangreiche Werke. Einen Wälzer von 800 Seiten muss man ebenso auf 2 bis 3 Seiten zusammenfassen wie ein Buch mit 250 Seiten.

Beachte die Vorgaben des Verlegers, Bild © by Stephanie Hofschlaeger / pixelio.de

Es ist nicht empfehlenswert, mit der Schriftart oder Schriftgröße zu tricksen. Schreibst Du dein Exposé in Schriftgröße 10, sind die 2 bis 3 Seiten vielleicht kein so großes Problem. Dies wir noch einfacher, wenn deine Seite 40 Zeilen umfasst. Dies mag jetzt etwas überspitzt klingen, aber Lektoren dürften solche Tricksereien nicht gefallen.

Äußere Form und Stil beachten

Es gibt keine äußeren Vorgaben an ein Romanexposé. Es empfiehlt sich jedoch, sich bei besagten 2 bis 3 Seiten an die Normseite (1800 Zeichen, 30 Zeilen) zu halten. In einer Kopfzeile können deine Adresse und gerne auch der Arbeitstitel deines Romans stehen. Eine gute Schriftart für deine Inhaltsangabe ist Courier New oder Times New Roman mit der Schriftgröße 12. Es ist dazu selbstverständlich, dass dein Exposé keine Fehler bei Rechtschreibung und Zeichensetzung enthalten darf. Auch der Stil deiner Inhaltsangabe ist wichtig und sollte den Lektor ähnlich wie deine Leseprobe ansprechen. Einige Schreibratgeber schlagen vor, dass der Stil in deinem Exposé dem Grundton deines Romans entsprechen soll. Dies ist eine interessante Idee, ist jedoch kein zwingendes Kriterium für dein Buchexposé.

Genre, Zielgruppe und Umfang deines Romans benennen

Es wird immer wieder in Ratgebern oder im Internet empfohlen, vor der eigentlichen Inhaltsgabe und der Charakterentwicklung einige grundlegende Angaben zu machen. Das Exposé sollte deine vollständige Adresse, einen Arbeitstitel für das Buch, Genre mit Zielgruppen nennen und den Umfang in Normseiten enthalten. Einige Ratgeber empfehlen dazu, ein Abstract mit 2 bis 3 Sätzen vor die Inhaltsangabe zu stellen oder auch etwas zur Erzählperspektive (z.B. Ich-Erzähler) zu schreiben. Im Abstract fasst Du die Handlung deines Romans in seiner ganzen Essenz zusammen. Ist ein solches Vorgehen sinnvoll? Bedenkt man, welchen Zweck ein Exposé verfolgen soll, machen solche Angaben durchaus Sinn.

Der Lektor will aufgrund deiner Angaben im Romanexposé eine erste Einschätzung treffen, ob dein Buch ins Verlagsprogramm passt und sich gut verkaufen lässt. Hier hilft es natürlich, wenn Du das Genre deines Werkes mit Zielgruppe möglichst klar benennst. Auch der Umfang deines Buches in Normseiten sollte im Exposé stehen. Es reicht, wenn Du deine Adresse, den Arbeitstitel, das Genre mit Zielgruppe und die Anzahl der Normseiten nennst. Diese Angaben gehören übrigens auch zu den 2 bis 3 Seiten des Buchexposés. Wer übrigens noch nach einer Bestätigung sucht, dass es keine klaren Vorgaben für ein Exposé gibt: Es gibt Beispiele im Internet, wo Autoren solche Angaben in Anschluss an die Inhaltsangabe und die Charakterentwicklung stellen und Erfolg bei einem Verlag hatten.

Inhaltsangabe und Charakterentwicklung im Exposé

Nun kommen wir zum eigentlichen Kern. In der Inhaltsangabe fasst Du die Haupthandlung deines Romans zusammen. Nebenhandlungen oder gar Dialoge gehören nicht in die Zusammenfassung. Der Lektor soll die Gesamtgeschichte deines Buches kennenlernen und deutlich erkennen, wie die Konflikte der Handlung aufgelöst werden. Hier geht es nicht darum, etwas möglichst spannend zu machen oder zu verbergen. Der Lektor ist kein Leser und es handelt sich nicht um einen Klappentext. Das Ende deines Romans gehört ins Exposé. Die Inhaltsangabe wird im Präsens geschrieben. Zum Beispiel: „Micky ist ein mittelmäßiger Geschäftsmann. Sein größter Traum ist es, amerikanischer Präsident zu werden. Zu Beginn glaubt niemand an ihn.“

Charakter
Die Charakterentwickung kann man ins Exposé aufnehmen, Bild © by Stephanie Hofschlaeger / pixelio.de

Es wird immer wieder empfohlen, etwas zur Charakterentwicklung der Hauptfiguren zu schreiben. Für einen Lektor ist es interessant, wenn er sieht, wie sich die Figuren entwickeln und wie glaubwürdig diese sind. Mit Inhaltsangabe und Charakterentwicklung sollte das Exposé tatsächlich nur 2 bis 3 Seiten enthalten, was natürlich schwierig ist. Solltest Du deinen ersten Entwurf wegen der Länge kürzen müssen, es ist ratsam, bei der Charakterentwicklung statt bei der Inhaltsangabe zu streichen.

Romanexposé: Nicht zu lang

Zum Schluss noch einmal der wichtigste Tipp: Das Exposé darf nicht länger als 2 bis 3 Seiten sein. Viele Autoren denken, dass ein Verlag gerade bei ihnen eine Ausnahme macht, wenn das Buchexposé von 4 oder gar 5 Seiten nur überzeugend ist. Doch die Verlage machen eben keine Ausnahme, vielmehr landet ein solches Romanexposé schnell im Papierkorb. Dies kann man hier so kurz und bündig sagen.

Ein gutes Exposé zu schreiben ist schwierig

Kein Zweifel, es ist schwierig ein gutes und überzeugendes Buchexposé zu schreiben. Ein Verlag möchte anhand dieser Darlegung von 2 bis 3 Seiten auch sehen, ob Autoren die Haupthandlung ihres Romans knapp und ohne logische Brüche darstellen können. Es wird sicherlich etwas Zeit erfordern, bis Du ein gutes Exposé geschrieben hast. Es ist nicht unüblich, dass Autoren mehrere Versionen schreiben und jede Fassung immer etwas kürzer wird bzw. werden muss, damit man auf die gewünschte Länge kommt.

Es kann auch sinnvoll sein, sich an Beispielen zu orientieren. Im Internet fehlt es nicht an guten Vorlagen erfolgreicher Romanexposés, welche den Autoren einen Vertrag bei einem Buchverlag brachten. Mit etwas Suche über Google findet man genügend gute Anregungen. Bevor Du dann dein Exposé an den ersten Verlag schickst, ist es sinnvoll es Freunden und Verwandten vorzulegen. Bitte um ehrliche Kritik. Sollten diese Personen nicht überzeugt sein, versuche noch einmal an deinem Romanexposé zu feilen.

Kann man Romane schreiben lernen?

Kann man Romane schreiben lernen?

Ein wahrer Autor lässt sich von der Muse wachküssen, um an seinen Schreibtisch zu eilen und sein geniales Werk niederzuschreiben. Vorher steht er gar nicht erst auf. Vielleicht kennt man deshalb nur so wenige Autoren, weil die meisten noch immer auf den Kuss der Muse warten und in ihren Betten vermodern?!

Kreatives Schreiben
Man kann lernen einen Roman zu schreiben, Bild © by Rainer Sturm/ pixelio.de

Goethe jedenfalls blieb nicht im Bett liegen. Er schrieb seine Werke auch nicht wie im Wahn herunter und beließ es dann dabei. Er arbeitete hart an ihnen, um wirklich gute Texte zu veröffentlichen – natürlich nach damaligen Kriterien. Die diskutierte er in einem fleißigen Briefwechsel mit seinem Kollegen Schiller. Sie besprachen ihre Schreibtechniken, verbesserten und strichen an ihren Texten herum, bis sie zufrieden waren.

In Deutschland glauben jedoch noch Viele, dass man ein Genie sein muss, um Romane schreiben zu können. Dass man das Schreiben nicht lernen kann, sondern – angeblich wie Goethe – es „von selbst“ können müsse. Dieser Geniemythos entstand in der Romantik und hat, wie eben auch Goethe schon bewiesen hat, nichts mit der Realität zu tun.

Hier also die gute Nachricht: Romane schreiben ist erlernbar. Die schlechte: Man lernt es nicht im Schlaf.

Also raus aus dem Bett!

Was muss man nun mitbringen, um es zu lernen?

Vielleicht Talent oder Begabung? Meiner Meinung nach sind das genauso mystifizierte Begriffe wie der, des Genies. Was genau ist denn schon Begabung? Nehmen wir an, es gibt sie, dann mag sie hilfreich sein. Aber ich halte sie nicht für unabdingbar. Ich vertrete die Meinung, alles ist lernbar. Entscheidend dafür ist nur, dass man aus dem Bett kommt, also genügend Interesse und Motivation mitbringt. Man sollte also Freude an der Tätigkeit haben, manchem hilft auch ein Ziel vor Augen. Vielleicht dauert es beim Einen länger als beim Anderen. Wer aber wirklich etwas lernen will, der wird das auch tun.

Aber man muss doch eine Idee haben und ganz viel Fantasie?!

Stimmt, und das ist das Geniale, was ich meinetwegen auch Goethe zuspreche. Aber ich bin der Meinung, dass wir bereits als kreative und damit auch geniale Wesen geboren werden. Manchmal gerät man ein wenig aus der Übung, seine Kreativität zu nutzen, aber die kann man wieder wach kitzeln.

„Dann kann ja jeder ein Buch schreiben?“, werde ich oft halbwegs entsetzt gefragt. „Ja!“, ist meinte Antwort. „Ist das nicht wunderbar?“

Und haben wir nicht schon genug Bücher in der Welt?

Nein! Geschichten wiederholen sich und sie wollen immer wieder neu erzählt werden, mit den Worten und den Techniken einer anderen Zeit. Warum sonst gibt es immer wieder das Aschenputtelmärchen, nur eben neu aufgelegt? Gute Geschichten wollen immer gelesen werden.

Wann ist denn ein Buch „gut geschrieben“?

Schwierige Frage, da hier persönlicher Geschmack mit im Spiel ist. Aber es gibt eben einen Zeitgeist oder modernen Geschmack. Dein Buch ist sicher schon mal ganz gut, wenn nicht nur Tante Frieda und deine Schwester Lust darauf haben, es bis zum Ende zu lesen.

Es gibt aber Techniken, mit denen du zum Beispiel einen spannenden Handlungsbogen entwerfen oder gut lesbaren Text schreiben kannst. Das heißt, du greifst auf funktionierendes Handwerkszeug zurück, um deinen Roman und dein Schreiben zu verbessern.

Muss man also nach Regeln schreiben?

Jein. Ich sehe diese Techniken eher als Richtlinien, die ihren Sinn haben, sonst gäbe es sie nicht. Aber es gibt immer wieder Geschichten, die diese Regeln brechen und dennoch wahnsinnig erfolgreich sind. Es bleibt immer dir überlassen, ob du die Regeln des Handwerkszeugs für dein Buch anwenden willst oder nicht. Für eine Sache ist es ganz sicher gut: für dein Selbstbewusstsein.

Wie hilft dir das Handwerkszeug?

Wenn du verinnerlicht hast, welche Techniken dir für was helfen, weißt du immer, was du machen kannst, um ein gutes Buch zu schreiben. Du wirst keine Schreibblockade mehr erleben, die sich eingeschlichen hat, weil du „nicht mehr weiter weißt“. Du brichst auch nicht mehr deinen dritten, vierten oder fünften Romanversuch an etwa der gleichen Stelle ab. Denn nun weißt du, wie du schreibst. Du hast nicht mehr nur noch ein „ungutes Gefühl“ bei einer Textpassage, sondern du weißt, was genau ihr fehlt, damit sie spannender oder lesbarer wird.

Zum Handwerkzeug des Schreibens gehört mehr als Papier und Stift, Bild © by I-vista / pixelio.de

Du wirst schon eine Menge über das Geschichtenschreiben wissen – nur eben unbewusst. Vielleicht reicht dir das auch aus, um dein Buch fertig zu schreiben. Aber wenn es mal hakt, wird es dir schwerfallen, den Finger auf das Problem zu legen und eine Lösung zu finden. Da reicht das Wissen im Unterbewusstsein nur selten aus.

Einmal das Handwerkszeug richtig gelernt, wird es dir nicht nur beim ersten, sondern auch beim zweiten und dritten Roman helfen.

Ist das nicht wie kochen nach Rezept und am Ende sind alle Bücher gleich?

Manches hat tatsächlich Ähnlichkeit mit Rezepten. Wer seinen Roman zum Beispiel nach der „Heldenreise“ schreibt, wird auf ein gängiges Erzählmodell zurückgreifen und damit im Aufbau Ähnlichkeit mit vielen anderen Geschichten haben. Aber dieser Aufbau ist genau das, was wir gern als Geschichten hören. Außerdem bietet die Heldenreise an sich schon genügend Überraschungen und eine Zutat kommt zu den Rezepten ja noch immer hinzu: Fantasie. Das macht jede Geschichte einzigartig.

Welche Dinge können denn erlernt werden?

Ich halte es hier mit der 80/20 Regel. 80 % Transpiration und 20 % Inspiration. Das Meiste kannst du also lernen. Zum Beispiel wie du Figuren aufbaust, die deinen Leser einladen, das ganze Buch miterleben zu wollen. Wie du einen Handlungsbogen entwirfst, der deinen Leser von Anfang bis zum Ende fesselt, aber auch wie du auf jeder Seite sicher bist, dass dein Leser noch interessiert am Fortgang ist. Natürlich kann man auch lernen, wie man auf der Wortebene den Leser fasziniert, sodass er die Geschichte vor seinem inneren Auge ablaufen sieht. Und zu guter Letzt ist die Überarbeitung ein ganz wichtiger Teil und gehört immer dazu, wenn man einen veröffentlichungsreifen Roman schreiben will. Und auch hier kann man fast alles erlernen.

Ist das Schreiben dann noch Spaß? Das klingt so nach Arbeit.

Ich denke, das kommt drauf an. Wenn du keinen Sinn darin siehst, das Handwerkszeug zu lernen, dann wird es dir vielleicht auch keinen Spaß bringen, es zu erlernen. Kläre also gut deine Motivation. Willst du wirklich einen veröffentlichungsreifen Roman schreiben, der Leser begeistern wird? Oder schreibst du nur für dich? Dann brauchst du auch das Handwerkszeug nicht unbedingt.

Hast du aber erkannt, welche tollen Möglichkeiten dir diese Techniken bieten, und siehst, wie dein Romanprojekt davon profitiert, wirst du auch Freude am Handwerkszeug finden. Das eine oder andere bleibt trotzdem mühsam? Dann betrachte es wie ein Amateur-Fußballspieler, der aufsteigen will. Auch er übt Torschüsse, nur um besser zu werden, auch wenn er lieber in der Abwehr spielt.

Du kannst Romane schreiben lernen!

Warum denn auch nicht? Man kann Malen und Musizieren lernen. Dafür gibt es extra Hochschulen. Und keiner erwartet von dir, dass du ein Konzert geben kannst, nur weil du in der Schule Musikunterricht hattest. Warum solltest du Romane schreiben können, nur weil du Deutschunterricht hattest und Buchstaben sinnvoll auf einem Papier verteilen kannst?

Also los, lernen wir, richtig gute Romane zu schreiben, und begeistern wir unsere Leser!

Über die Autorin

Kann man Romane schreiben lernen? – Ein Gastbeitrag von Jurenka Jurk (Bildquelle: Jurenka Jurk)

Jurenka Jurk von der Romanschule Schreibfluss ist selbst Romanautorin, aber hauptsächlich unterrichtet sie mit Leidenschaft und viel persönlicher Betreuung, wie man Romane schreibt. Sie hat 2009 den Studiengang „Kreatives Schreiben“ an der IB Hochschule Berlin abgeschlossen und seither mehr als 200 angehende Autoren Schritt für Schritt bei ihren Schreibprojekten begleitet.