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Kategorie: Kreatives Schreiben

Eine Buchidee in Romanen finden und umsetzen

Eine Buchidee in Romanen finden und umsetzen

Romane können eine wunderbare Quelle für eine Buchidee sein. In den Büchern von vielen Autoren findest Du Geschichten oder Anekdoten. Sie dienen häufig dazu, die Handlung eines Buches auszuschmücken. Bei vielen Romanautoren steht auch einfach die reine Lust am Erzählen im Vordergrund, wenn sie immer wieder neue Geschichten erfinden. Eine Vielzahl kleiner Erzählungen findest Du zum Beispiel bei Victor Hugo (1802-1885). Wer die ungekürzten Werke des Franzosen liest, stößt auf zahlreiche interessante Buchideen. Ein Paradebeispiel ist sein umfangreicher, historischer Roman „Die Elenden“. Viele Geschichten, die Hugo in seinem Buch erzählt, spielen für die Haupthandlung nur eine sehr untergeordnete Rolle. In der Vergangenheit führte dies dazu, dass die Herausgeber bei diesem umfangreichen Roman großzügig gekürzt haben.

Roman-Verlag
Romane sind eine Quelle für eine Buchidee, Bild © by Peter Smola / pixelio.de

So fielen seine ausführlichen Beschreibungen des Pariser Kanalsystems häufig den Kürzungen zum Opfer. Gerade diese Passagen bietet eine tolle Buchidee. Hugo erinnert an die Erforschung, Kartographierung und Säuberung der Pariser Kloaken durch den Ingenieur Pierre Emmanuel Bruneseau von 1805 bis 1812. Die Pariser Kloaken werden im Roman wortreich wie folgt beschrieben: „Ein unentwirrbares Labyrinth, die Wände voller Risse und Spalten, von Schluchten durchzogen, Gänge, die ohne Sinn und Verstand auf oder abwärts stiegen, dumpfig, grausig anzusehen, in Dunkel gehüllt, die Fliesen zerbrochen, das Mauerwerk baufällig, so bot sich der ehemalige Untergrund von Paris den Blicken dar. Verzweigungen nach allen Richtungen und Kreuzungen, Sterne, Sackgassen, mit Salpeter überzogene Gewölbe, ekelhafte Abzugslöcher, flechtenartige Ausschwitzungen an den Wänden, Tropfen, die von der Decke herabfielen, Finsterniß; […].“ (Die Elenden, Übersetzung (1910) von Dr. G. A. Volcher)

Sieben Jahre durch die Pariser Kloaken – Was für eine Buchidee!

In einem Zeitraum von sieben Jahren kämpft sich nun Bruneseau mit seinen Mitarbeitern durch dieses unterirdische Labyrinth von Paris. Zu dieser Zeit stecken die Kenntnisse von Desinfektionsmitteln noch in den Kinderschuhen. Immer wieder weigern sich die Mitarbeiter des Ingenieurs weiterzugehen und durch den Unrat zu waten. In diesem Zeitraum stößt die Expedition im Untergrund auf eine Vielzahl von Merkwürdigkeiten. Man findet zum Beispiel direkt unterm Justizpalast Halseisen im Mauerwerk, das Skelett eines Orang-Utans und sogar das Leichentuch von Marat. Weiterhin ist der Untergrund voller Reichtümer, es finden sich Silber, Gold und Edelsteine. Victor Hugo schreibt hierzu: „Ein Riese, der all das Wasser hätte filtriren können, würde sich in den Besitz großen Reichthums aus allen Jahrhunderten gesetzt haben.“ (Quelle: Die Elenden)

Untergrund
Sieben Jahre im Untergrund – Eine tolle Romanidee, Bild © by Harry Hautumm

Während sich der Fokus von Bruneseau auf die Unterwelt richtet, tut sich in dieser Zeit in der Oberwelt sehr viel. Der Krieg tobt über Europa und als die Expedition ihre Arbeit im Jahr 1812 gerade abschließt, erlebt die französische Armee eine Katastrophe in Russland. Was für ein Hintergrund und eine tolle Buchidee für einen historischen Roman, wird nun mancher sagen! Doch auch in anderen Büchern von Vitor Hugo findet man interessante Ideen.

Im Glöckner von Notre Dame ist zum Beispiel immer wieder die Rede von einem Knecht Ruprecht. Der verkleidete Claude Frollo, der nachts den Hauptmann Phoebus verfolgt, wird versehentlich für diese Gestalt gehalten: „Aber diese wandelnde Statue, dieser Stein gewordene Mensch machten ihn [den Hauptmann] starr vor Entsetzen. Es circulirten damals allerlei Geschichten von einem Knecht Ruprecht im Munde der Leute, der nachts in den Straßen von Paris sein Wesen treiben sollte, […].“ (Der Glöckner von Notre Dame, Übersetzung (1884) von Friedrich Bremer) Auch diese kleine Anekdote von Hugo birgt eine Buchidee. Hier kannst Du eine Geschichte über einem mysteriösen Mörder schreiben, der im Jahr 1482 sein Unwesen in den Pariser Straßen treibt.

Eine Buchidee umsetzen

Die Erlebnisse von Bruneseau wurden bisher noch nicht in einem Roman niedergeschrieben, die Geschichte hat scheinbar die Leistungen des französischen Ingenieurs vergessen. Wer über die Expedition recherchiert, hat es nicht einfach. Bruneseau hat in seinem offiziellen Bericht an den Polizeipräsidenten die kuriosen Funde in der Kanalisation verschwiegen. Victor Hugo hat Details über die sieben Jahre im Untergrund von einem Mitarbeiter des Ingenieurs erfahren. Möchtest Du eine solche Buchidee umsetzen, musst Du sicherlich eine Vielzahl von Spezialliteratur zur Pariser Kanalisation lesen. Für die Recherche solltest Du Englisch und Französisch können. Am Ende dürfte ein Roman mit viel künstlicher Freiheit entstehen, der zu einem Teil auf historischen Fakten beruht, da Informationen rar sind.

Wesentlich leichter ist die Buchidee mit Knecht Ruprecht umzusetzen. Es ist nicht klar, ob eine solche mysteriöse Gestalt zumindest im Volksglauben existierte oder ob Hugo diese Figur frei erfunden hat. Wer bei Google nach Knecht Ruprecht (Begleiter vom Nikolaus) sucht, findet alle möglichen Informationen, jedoch nichts zu einem Pariser Mörder aus dem Jahr 1482. Möchtest Du diese Buchidee umsetzen, hast Du alle künstlerische Freiheit der Welt.

Es dürfte nicht schwer sein, eine interessante Idee für ein Buch in einem Roman zu finden. Ein Problem ist die Recherche. Viele Geschichten sind dort nur angedeutet. Viele Dinge über welche zum Beispiel Vitor Hugo oder auch andere Autoren schreiben, sind heute vergessen.

Mini-Schreibkurs für Debütautoren

Mini-Schreibkurs für Debütautoren

Der Blog ein-buch-schreiben.com startet mit einem Mini-Schreibkurs für Debütautoren. Der kostenlose Kurs richtet sich vor allem an Erstautoren, aber auch an alle Schriftsteller mit Freude am kreativen Schreiben auf der Suche nach neuen Ideen und Impulsen. Der Mini-Schreibkurs besteht aus 8 Einheiten und läuft bis zum Mai 2018. Jede Woche veröffentlichen wir in unserem Autorenblog eine kleine theoretische Einheit und zwei Schreibaufgaben (Dienstag und Donnerstag). Der Kurs beleuchtet die gesamte Arbeit an einem Roman von der Ideenfindung bis zur Veröffentlichung. Besuche wöchentlich unseren Blog, um keine Aufgabe zu verpassen.

Einsteiger-Ratgeber
Der Einsteiger-Ratgeber „Ein Buch schreiben und Autor werden“

Wie läuft der Mini-Schreibkurs ab?

Jede Schreibaufgabe besteht aus zwei Teilen. Der erste Teil der Aufgabe lässt sich in wenigen Minuten lösen, weiterhin wird es einen optionalen Teil geben, der etwas mehr Zeitaufwand erfordert. So kann jeder Teilnehmer selber entscheiden, wie tief er in die Materie einsteigen möchte. Im Schreibkurs wird die Praxis vor der Theorie den Vorrang haben. Die Schreibaufgaben hängen nicht voneinander ab. Ein Einstieg in den Mini-Schreibkurs oder das Auslassen von Aufgaben ist jede Woche möglich. Einzelne Schreibaufgaben werden genrespezifische (z.B. Fantasy, Krimi) sein, dies ist jedoch nicht der Regelfall.

Postet Euer Ergebnis einfach in den Kommentaren unter der Aufgabe auf unserer Facebookseite „Ein Buch schreiben“.

Einheit 1: Kreativitätstechniken

Es gibt eine Vielzahl von Kreativitätstechniken. Doch welche Techniken sind für Autoren interessant? In unserem Mini-Schreibkurs wollen wir Dir zwei effektive Methoden vorstellen. Bei der Lexikontechnik schlägst Du ein Wörterbuch oder Lexikon an unterschiedlichen Stellen auf. Suche vier bis fünf Begriffe aus. Die Worte können Dir als Denkanstoß dienen oder als Grundlage für eine Schreibaufgabe. Eine weitere interessante Methode für Autoren ist die Semantische Intuition. Notiere Dir eine Vielzahl von themenverwandten Wörtern und kombiniere diese, um neue Ideen zu finden.

Lexikontechnik

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Schreibkurs Aufgabe 1-1 Kreativitätstechniken (Lexikontechnik)

Beispiel für Aufgabe 1-1 (G4): „Und sie hatten mich noch gewarnt. Rühre nicht an der Lampe herum, darin befindet sich ein gestreifter Dämon. Doch ich hatte nur halb zugehört. Der böse Geist erschien, statt drei Wünschen bekam ich ein Ticket direkt zur Hölle.“ Optional in der Langversion mit 150-250 Wörtern.

Semantische Intuition

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Schreibkurs Aufgabe 1-2 Kreativitätstechniken (Semantische Intuition)

Beispiel für Aufgabe 1-2: „Der Steinkobold gehört zu den besonders hinterlistigen Geschöpfen in dunklen und tiefen Verließen. Viele Abenteurer halten ihn für eine Statue, doch wenn sie ihn den Rücken kehren, wird er lebendig. Das bösartige Wesen schleicht er sich von hinten an und klaut Proviant, Fackeln oder andere lebensnotwendige Dinge. Hüte Dich vor dem Steinkobold!!“ Optional in der Langversion mit 150-250 Wörtern.

Einheit 2: Buchidee finden

Es gibt nur selten völlig neue Romanideen. In der Literatur werden immer wieder die gleichen Motive und Themen bearbeitet. In unserem Mini-Schreibkurs geben wir Dir einen Überblick über klassische, literarische Stoffe. Entscheide Dich für ein Motiv und interpretiere es neu. Oder kombiniere Themen miteinander, um eine neue Romanidee zu gewinnen. Auch historische Personen können eine Inspiration für deinen Roman bieten. Als Autor musst Du deiner Buchidee deinen eigenen Stempel aufdrücken. Ein Buch lebt von der Umsetzung der Geschichte, deinen Schreibstil und den Figuren.

Klassische Themen und Motive

Schreibkurs Aufgabe 2-1 Buchidee finden (Klassische Themen und Motive)

Beispiel für Aufgabe 2-1: (Kombination der Motive „Künstlicher Mensch + Heimliche Liebe“): „Nach vielen gescheiterten Versuchen ist es Dr. Clive gelungen, den Roboter Prometheus zu entwickeln. Die künstliche Intelligenz empfindet sogar Gefühle. Die Welt staunte. Noch mehr staunte Dr. Clive, als er Prometheus mit seiner Frau Mary im Bett fand.“ Optional in der Langversion mit 150-250 Wörtern.

Historische Persönlichkeiten

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Schreibkurs Aufgabe 2-2 Buchidee finden (Klassische Themen und Motive)

Beispiel für Aufgabe 2-2: „Julius Cesar war in Wirklichkeit Gestaltwandler. Die Ermordung von Cesar durch Brutus basiert auf Fake News von CNN (Capitol News Network). Der Gestaltwandler wurde nie erdolcht, sondern regierte als Augustus noch viele Jahre weiter.“

Einheit 3: Recherche

Zur Arbeit an einem Buch gehört auch Recherche dazu. Einige Genre wie Historischer Roman, Krimi oder Reiseliteratur erfordern besonders viel Recherchearbeit. Dank dem Internet ist heute die Informationsbeschaffung viel einfacher geworden. Jedoch solltest Du Dich bei deiner Recherche nicht nur auf das World Wide Web verlassen. In Bibliotheken findest Du in Fachbüchern Informationen, die ein Thema tiefergehender behandeln. Bei der Recherche ist ein Autor im Regelfall mit zwei Problemen konfrontiert. Entweder gibt es nur sehr wenige Informationen zu einem Thema oder man muss mit einer wahren Informationsflut kämpfen.

Recherche (wenig Informationen)

Schreibaufgabe 3-1 Recherche (Wenig Informationen)
Schreibkurs Aufgabe 3-1 Recherche (Wenig Informationen)

Beispiel für Aufgabe 3-1: Wir habe ein Thema als Beispiel (Historischer Roman) gewählt, das sich nicht in der Grafik findet: “Korax gilt als der Begründer der Rhetorik. Er lebte im 5. Jh. v. Chr. in Sizilien und hatte ein einflussreiches Amt am Hofe des Tyrannen Thrasybulos. Nach dem Sturz des Tyrannen versuchte Korax seinen Einfluss zu behalten, indem er als politischer Redner in der neuen Demokratie auftrat. Aus dieser praktischen Tätigkeit entwickelte er die Grundzüge der antiken Rhetorik. Er arbeitete als erster Rhetor die fünf Produktionsstadien der Rede aus, sie gelten noch bis heute. Weiterhin verfasste er Musterreden und veröffentlichte sie in Handbüchern. Von seinen Schriften ist heute nichts mehr erhalten. Sein erster und zugleich bedeutendster Schüler war Teisias aus Syrakus. Gemeinsam mit seinem Schüler hat Korax offenbar mehrere der angesprochenen Handbücher verfasst, bis es zu einem Streit über die Zahlung des Lehrgelds kam. Wir wissen wenig vom Leben von Korax. In mehreren antiken Quellen wird er übereinstimmende als Begründer der antiken Rhetoriklehre genannt. Seine Leistung besteht ohne Zweifel darin, der praktischen Rhetorik eine theoretische Grundlage gegeben zu haben. Weiterhin hatte er enormen Einfluss auf die Entwicklung der Gerichtsrhetorik. ” (Quellen: Wikipedia, Der neue Pauly, Cicero (Brutus)).

Recherchequellen

Schreibkurs Aufgabe 3-2 Recherchequellen
Schreibkurs Aufgabe 3-2 Recherchequellen

Beispiel für Aufgabe 3-2: Top 5: Internet, Fachliteratur (Monographien), Lexikonartikel, Recherche über Facebook oder Internetforen ,Gespräch mit Experten.

Einheit 4: Ein Buch planen

Bevor Du mit dem Schreiben an deinem Roman beginnst, solltest Du diesen zumindest grob strukturieren. So vermeidest Du Fehler im Handlungsverlauf und bei der Charakterlogik. Es ist nicht notwendig, sein Buch anhand eines Plots bis ins letzte Detail durchzuplanen. Zu Beginn reicht es vollkommen aus, wenn Du deinen Roman in Grundzügen strukturierst. Während des Schreibprozess kannst Du dann einzelne Kapitel genauer planen. Bei einer Arbeit an einem Buch wechseln sich Phase des Schreibens und Planens ab. Wer gerne mit Software arbeitet, findet übrigens eine Vielzahl von Programmen zur Buchplanung.

Roman strukturieren

Schreibkurs Aufgabe 4-1 Buch strukturieren
Schreibkurs Aufgabe 4-1 Buch strukturieren

Beispiel für Aufgabe 4-2: „Chantal lernt Hannes kennen, Chantal heiratet, O1: Chantal macht mit Freundinnen Urlaub auf Mallorca (Ballermann), Chantal lernt Eduardo kennen, Chantal lässt sich scheiden, Chantal wird schwanger, Kevin kommt auf die Welt, Eduardo betrügt Chantal,  O2: Als Chantal völlig niedergeschlagen ist, erfährt sie überraschend von einer großen Erbschaft und beginnt ein neues Leben mit Kevin.“ Optional in der Langversion mit 150-250 Wörtern.

Schreibprogramme für Autoren

Schreibkurs Aufgabe 4-2 Programme für Autoren
Schreibkurs Aufgabe 4-2 Programme für Autoren

Beispiel für Aufgabe 4-2: Ich habe mir vor einigen Monaten das kostenlose Schreibprogramm yWriter6 heruntergeladen. Das Programm gab es in früheren Versionen nur in englischer Sprache, mittlerweile existiert auch eine Version mit deutscher Benutzeroberfläche. yWriter ist sicherlich nicht so umfangreich wie Scrivener oder Papyrus Autor, sollte jedoch für die Planung eines Romans völlig ausreichend sein. Es lassen sich zum Beispiel Szenen, Schauplätze, Charaktere und Gegenstände für jedes Kapitel erstellen. Interessant finde ich das Beispielsprojekt bei yWriter. Das Beispiel erleichtert den Einstieg ins Programm. Bei der Recherche nach Schreibprogrammen für Autoren bin ich auf WriteWay gestoßen. Das Programm existiert seit dem Jahr 2003 und wurde immer weiterentwickelt. Der Entwickler ist mittlerweile im Ruhestand und WriteWay (früher 40 Dollar) steht nun kostenlos zum Download bereit. In einem ersten Schritt muss man sich die Demoversion herunterladen und mit wenigen Klicks lässt sich Vollversion kostenlos aktivieren.

Einheit 5: Kreatives Schreiben

Du hast deine Buchidee konkretisiert und deinen Roman grob strukturiert. Nun beginnst Du mit dem Schreiben deines Buches. In dieser Phase zeigt sich die Schaffenskraft des Autors. Du drückst deiner Buchidee deinen eigenen Stempel auf. Während des Schreibens an deinen Roman erwarten Dich jedoch auch Schreibblockaden, fehlende Motivation oder Zeit zum Arbeiten und Zweifel an der Buchidee. Diese Probleme treten zumindest bei sehr vielen Autoren während des Schreibprozesses auf. Diese Hindernisse gilt es zu überwinden und es lohnt sich dagegen anzukämpfen. Irgendwann liegt es vor Dir: Dein eigenes Buch.

Die Schaffenskraft des Autors

Schreibkurs Aufgabe 5-1 Kreatives Schreiben
Schreibkurs Aufgabe 5-1 Kreatives Schreiben

Beispiel für Aufgabe 5-1: Es ist mir unerklärlich, wie ich in dieses dunkle Loch geraten bin. Ich erinnere mich an absolut nichts. Und noch schlimmer ich bin nicht allein. Dieses Wesen, nun kauert es in der anderen Ecke, ich kann seinen tiefen Atmen hören. Als ich aufwachte, hat es mich von oben bis unten beschnuppert. Es ist kein Mensch, wahrscheinlich ist es nicht einmal ein Tier. Ich hatte nicht gewagt, es anzufassen. Offenbar will es mir nichts Böses. Ich muss einen klaren Kopf  bewahren. Ich habe mein Gefängnis abgetastet. Die Wände sind kalt und rau, der Raum ist quadratisch und dürfte maximal zwei mal zwei Meter umfassen. Über mir genaugenommen über uns ist ein Eisengitter, von oben dringt nicht der kleinste Lichtstrahl. Ich höre Schritte von schweren Stiefeln, das Wesen wird unruhig wie in Erwartung von etwas. Ich sehe einen ganz schwachen Lichtschein über uns. Irgendetwas poltert herunter, das Wesen greift gierig danach, auch auf meiner Seite landet etwas. Die Schritte entfernen sich sofort wieder. Das Wesen verschlingt etwas und dann höre ich es schlucken. Ich befühle die Gaben von oben. Ein Schlauch mit einer Flüssigkeit und Brot, überraschend weich und frisch. Wer mich auch immer in dieses Loch steckt hat, verhungern lassen will er mich nicht. Ich muss herausfinden, wie ich hierhergekommen bin. Ich muss in Erfahrungen bringen, wie ich hier rauskomme.

Abstraktes beschreiben

Schreibkurs Aufgabe 5-2 Kreatives Schreiben
Schreibkurs Aufgabe 5-2 Abstraktes beschreiben

Beispiel für Aufgabe 5-2: „Es hatte mich unendlich viel Mühe gekostet, bis zu diesem Punkt zu kommen. Ich hatte das Vertrauen der Räuberbande gewonnen, sie hatten mich in ihren Kreis aufgenommen. Heute würde ich das erste Mal ihren Hauptmann von Angesicht zu Angesicht sehen, jenen Mörder meiner Familie, diesen schrecklichen Schurken und Halunken. Die Räuber hatten sich vor seinem Zelt in zwei Reihen aufgestellt und bildeten ein Spalier. Nun trat er aus dem Zelt. Doch was war das? Konnte dieser kleine, alte Mann, der durch die Reihen schritt und Hände schüttelte, ein Mörder sein? Viele der Räuber beugten das Haupt vor ihm. Er wirkt wie ein gütiger und doch strenger Vater. Nun gelangte er zu mir, blickte mich mit seinen blauen Augen an und sagte: „Wen haben wir hier?“ In seinen Augen lag so etwas wie Fürsorge. Sein Blick sagte mir, du raubst und mordest für mich, doch dafür biete ich dir meinen Schutz. Niemand in dieser Welt kann gegen dich, solange du mir treu bist. „Mein Name ist Brin“, antwortete ich. Und auch ich beugte mein Haupt vor dem Mörder meiner Familie.“

Einheit 6: Erzählperspektive

Der Ich- und Er-Erzähler gehört zu den häufigsten Erzählformen in der Literatur. Bevor Du mit dem Schreiben an deinem Roman beginnst, solltest Du Dir Gedanken für die Erzählperspektive machen. Je nach Genre eignen sich verschiedene Erzählformen. Der Ich-Erzähler befindet sich mitten im Gesehen, diese Perspektive passt zum Beispiel für actionreiche Thriller und Abenteuerromane. Bei einem historischen Roman mit vielen Figuren macht wieder der Er-Erzähler Sinn. Am Ende entscheidest jedoch Du als Autor, welche Erzählform Du wählst. Die Erzählperspektive hängt auch stark vom Schreibstil des Autors ab.

Ich-Erzähler

Schreibkurs Aufgabe 6-1 Erzähperspektive
Schreibkurs Aufgabe 6-1 Erzähperspektive (Ich-Erzähler)

Beispiel für Aufgabe 6-1 (Stalker): „Es war kurz vor meinem Geburtstag, da fand ich diesen Zettel im Briefkasten. „Bald ist dein Geburtstag, wie schade, dass Du diesen nicht mehr erlebst. Schreibe eine kurze Geschichte (150-250 Wörter).“ Etwas darunter stand in roter Schrift: „DIESE Geschichte wird mit Blut geschrieben.“ Die Zettel im Briefkasten hatten vor einigen Wochen begonnen. Ich leite einen Schreibkurs an der Volkshochschule, nach Kursbeginn fand ich regelmäßig kleine Geschichten in der Post. Der Autor bat mich, die Geschichten zu korrigieren und in eine hohle Eiche im Stadtpark zu stecken. Zu Beginn fand ich es witzig und tat den Autor den Gefallen, doch irgendwann wurde es mir zu bunt. Zuletzt legte ich einen Zettel mit der Botschaft in die Eiche, ich würde mehr keine Geschichten korrigieren. Danach war Ruhe und nun dieser Zettel. Dies konnte nur ein böser Scherz sein. So stand ich im Garten vor dem Briefkasten, das Schreiben in der Hand und es begann zu dämmern. Mir fiel ein Mann auf, der im Trenchcoat die Straße entlang schlenderte und in meine Richtung kam. Vor meiner Gartentür blieb er stehen und sagte spöttisch: „Ah der Herr Professor, ist sich mittlerweile zu fein, meine Texte zu korrigieren.“ Es war Kevin, ein eigenartiger Kauz aus meinem Kurs. Ich wurde ärgerlich „Kevin, Sie sind der anonyme Autor? Sie hatte ich im Verdacht. Der Schreibstil und die Formulierungen so wenig treffend.“ Doch dieses Mal war Kevin treffend. Das Letzte was ich sah, war das Aufblitzen einer Pistole, die er unter seinem Trenchcoat versteckt hatte.“

Er-Erzähler

Schreibkurs Aufgabe 6-2 Erzähperspektive
Schreibkurs Aufgabe 6-2 Erzähperspektive (Er-Erzähler)

Beispiel für Aufgabe 6-2 Stalker: „Es war kurz vor Marvins Geburtstag, da fand er diesen Zettel im Briefkasten. „Bald ist dein Geburtstag, wie schade, dass Du diesen nicht mehr erlebst. Schreibe eine kurze Geschichte (150-250 Wörter).“ Etwas darunter stand in roter Schrift: „DIESE Geschichte wird mit Blut geschrieben.“ Die Zettel im Briefkasten hatten vor einigen Wochen begonnen. Marvin leitete einen Schreibkurs an der Volkshochschule, nach Kursbeginn fand er regelmäßig kleine Geschichten in der Post. Der Autor bat ihm, die Geschichten zu korrigieren und in eine hohle Eiche im Stadtpark zu stecken. Zu Beginn fand Marvin es witzig und tat dem Autor den Gefallen, doch irgendwann wurde es ihm zu bunt. Zuletzt legte er einen Zettel mit der Botschaft in die Eiche, er würde mehr keine Geschichten korrigieren. Danach war Ruhe und nun dieser Zettel. Dies konnte nur ein böser Scherz sein. So stand Marvin im Garten vor dem Briefkasten, das Schreiben in der Hand und es begann zu dämmern. Ihm fiel ein Mann auf, der im Trenchcoat die Straße entlang schlenderte und in seine Richtung kam. Vor seiner Gartentür blieb der Mann stehen und sagte spöttisch: „Ah der Herr Professor, ist sich mittlerweile zu fein, meine Texte zu korrigieren.“ Es war Kevin, ein eigenartiger Kauz aus dem Schreibkurs. Marvin wurde ärgerlich „Kevin, Sie sind der anonyme Autor? Sie hatte ich im Verdacht. Der Schreibstil und die Formulierungen so wenig treffend.“ Doch dieses Mal war Kevin treffend. Das Letzte was Marvin sah, war das Aufblitzen einer Pistole, die der Schütze unter seinem Trenchcoat versteckt hatte.“

Einheit 7: Charakter entwickeln

Originelle und lebendige Charaktere sind die Seele eines Romans. Wenn Du die Figuren für dein Buch entwickelst, ist es ratsam, nicht mit Stereotypen zu arbeiten. Interessante Charaktere lassen sich zum Beispiel erschaffen, wenn Du schwer vereinbare Eigenschaften miteinander kombinierst. Spiele bei den Eigenschaften einige Kombinationen durch, am Ende könnte ein besonders origineller Charakter entstehen. Bei der Figurenentwicklung kannst Du Dich auch von Charakteren in Bücher oder Personen aus deinem Umfeld inspirieren lassen.

Originelle Charaktere entwickeln

Schreibkurs Aufgabe 7-1 Charakterentwicklung
Schreibkurs Aufgabe 7-1 Charakterentwicklung

Beispiel für Aufgabe 7-1 (Eigenschaften: eitel, brutal, philosophisch): „Die Verdächtigen stören sich beim Verhör nicht daran, dass Kommissar Bradley ein eitler Geck mit reichlich Pomade in den Haaren war. Sie konnten es sogar verkraften, dass der Ermittler manchmal handgreiflich wurde. Seine ewigen Vorträge über Kants Moralphilosophie und den kategorischen Imperativ empfanden die Verdächtigen jedoch als seelische Grausamkeit.“ (Optional in der Langversion mit 150-250 Wörtern)

Rollentausch

Schreibkurs Aufgabe 7-2 Charakterentwicklung
Schreibkurs Aufgabe 7-2 Charakterentwicklung

Beispiel für Aufgabe 7-2 (Heidi + Räuber): „Heidi war in einem ersten Entwurf die Anführerin einer Räuberbande. Sie sollten in den Schweizer Bergen arglose Wanderer überfallen und brutal niedermetzeln. Das erste Opfer war ein gewisses Fräulein Rottenmeier. Eine Freundin riet der Autorin Johanna Spyri von diesem Entwurf ab, der Stoff sei für ein Kinderbuch wenig geeignet.“ (Optional in der Langversion mit 150-250 Wörtern)

Einheit 8: Schreibstil

Show, don´t tell (Zeigen, nicht erzählen) ist DIE moderne Schreibregel, man findet sie in jedem Schreibratgeber. Die Regel fordert zum szenischen Schreiben und einer filmischen Erzählstruktur auf. Handlung und Dialog sollen im Vordergrund stehen. Mit szenischen Schreiben kommst Du den Rezeptions-Gewohnheiten (täglichen Fernsehkonsum) deiner Leser entgehen. Mit einer filmischen Erzählstruktur gewinnst Du in der Regel eher die Aufmerksamkeit deiner Leser.

Show, don´t tell

Schreibkurs Aufgabe 8-1 Show, don´t tell

Beispiel für Aufgabe 8-1 (René nimmt ein Paket an): Der Postbote stand mit einem Paket vor der Tür. „Ich habe nichts bestellt.“, sagte René. Der Zusteller erwiderte: „Es dürfte sich um ein Geschenk für Sie handeln.“ Auf dem Paket befand ein Aufkleber mit einem Smiley und darunter stand: Eine ganz besondere Überraschung für Dich. „Das ist aber nett, das Paket kommt bestimmt von meinen Vereinskollegen vom Schützenverein.“ In der Wohnung machte sich René sofort daran, das Paket zu öffnen. Doch was sprang in ihn als erstes entgehen. Ein Sexratgeber mit dem Mittel: Befriedigender Sex in der Ehe. So geht ihre Frau nicht fremd. Dieses Paket war sicher nicht um Schützenverein. Und es fand sich noch Reizwäsche darin, offenbar gebraucht. Dies war doch Unterwäsche von seiner Frau Elfi. Er kannte sie genau oder nicht mehr so genau, es herrschte schon lange Funkstille im Bett in seiner Ehe. Und noch etwas war im Paket. Ein beschriftete DVD mit dem Titel „Elfi Biest. Ein ficktives Drama einer Ehe mit Tiefgang.“ Dieses Drama auf DVD wollte sich René ersparen.

Klappentext verfassen

Schreibkurs Aufgabe 8-2 Klappentext

Beispiel für Aufgabe 8-2 (Kritik am Klappentext): Mir gefällt der Klappentext sehr gut, er hat vor allem eine ideale Länge. Der Text beschreibt treffend den Konflikt zwischen Verdi und Wagner. Ich hätte im Klappentext nicht den Tod von Wagner verraten, sondern diese Formulierung gewählt: „[…], entschließt er sich, endlich den Dialog mit Wagner aufzunehmen, doch eine Katastrophe verhindert das Treffen der beiden Männer.“ Für meinen Geschmack verrät der Klappentext am Ende zu viel.

Was ist die Normseite?

Was ist die Normseite?

Während deiner Arbeit an deinem Roman ist Dir sicherlich bereits die Normseite begegnet. Was steckt genau hinter dem Begriff und vor allem, wie wichtig ist das Format für Autoren? Eine klassische Normseite hat 30 Zeilen mit 60 Anschlägen. Füllt man eine ganze DIN-A4-Seite, ergeben sich 1800 Zeichen (mit Leerzeichen). Die Definition stammt noch aus dem Schreibmaschinen-Zeitalter. In der Praxis ist jedoch kaum eine Seite von oben bis unten mit besagten 1800 Zeichen vollgeschrieben. Es gibt Überschriften, Absätze und Dialoge. Welche Bedeutung hat heute die Normseite für Autoren?

Normseite
Die Normseite mit 1800 Zeichen stammt aus dem Schreibmaschinenzeitalter, Bild © by Regina Kaute / pixelio.de

Es ist sinnvoll, beim Schreiben eines Buches von Anfang mit dem Format zu arbeiten. So hast Du immer im Überblick, wie viele Buchseiten dein Roman während des Schreibens hat. Autoren fragen sich immer wieder, in welcher Form sie das Manuskript an einen Verlag schicken sollen.  Schickst Du Leseprobe und Exposé mit 30 Zeilen und max. 60 Anschlägen an einen Buchverlag, macht dies im Regelfall einen ersten guten Eindruck auf den Lektor. Die Normseite ist keine Voraussetzung für eine Veröffentlichung, wir empfehlen Autoren jedoch, bei Textprobe und Exposé mit diesem Format zu arbeiten. Dieser Ratschlag gilt selbstverständlich nicht, wenn der Verlag auf seiner Internetseite andere Angaben zum Manuskript macht.

Eine Normseite erstellen

Möchtest Du eine Normseite für deinen Roman erstellen, kannst Du Dich an den unten stehenden Formatierungen orientieren. Auf unserer Seite kannst Du eine kostenlose Manuskript-Normseite (mit Zeilenzählung) herunterladen.

  • Seitenränder: 2,19 cm (oben), 1,78 cm (unten), 3,17 cm (links) und 2,54 cm (rechts)
  • 60 Zeichen pro Zeile und 30 Zeilen pro Seite (so kommst Du auf etwa 1.800 Zeichen pro Seite bzw. rund 250 Wörter pro Seite)
  • Schriftgröße 12 und 24 pt Zeilenabstand
  • Schriftart: Mit Serifen (z.B. Times New Roman, Courier New) zur besseren Lesbarkeit
  • Flattersatz, linksbündig
  • Seitenzählung

Da es eine Vielzahl von verschiedenen Programmen für Textverarbeitung gibt, kann es sein, dass Du einige der Angaben leicht anpassen musst. Im Regelfall solltest Du mit diesem Formatierungsangaben problemlos eine Seite mit 30 Zeilen und 60 Anschlägen erstellen.

Die Normseite für Lektoren

Die Normseite spielt auch eine wichtige Rolle für Lektoren, wenn es um die Abrechnung der erbrachten Leistungen geht. Viele Lektoren orientieren bei ihrer Arbeit an der Definition der VG Wort. Die Verwertungsgesellschaft sieht die Normseite mit 1800 Zeichen als nicht mehr zeitgemäß an und definiert die Seite mit 1500 Zeichen. Einige Dienstleister rechnen auch mit 1600 Zeichen oder einfach 250 Wörtern pro Seite. Wenn Du Dich für ein professionelles Lektorat interessierst, solltest Du Dich vorab auf der Homepage des Anbieters informieren oder Dich telefonisch erkundigen. Nur so kannst Du sicher abschätzen, was Dich ein professionelles Korrektorat oder Lektorat für deinen Roman kostet.

Die hier genannten Regelungen für die Normseite gelten nur für Deutschland. In anderen deutschsprachigen Ländern wie Österreich oder der Schweiz sieht es wiederum anders aus.

5 Meilensteine auf dem Weg zur Buchveröffentlichung

5 Meilensteine auf dem Weg zur Buchveröffentlichung

Bis zur Buchveröffentlichung im Verlag ist es ein weiter Weg. Auf diesen Weg macht es Sinn, sich Zwischenziele zu setzen und bewusst größere und kleinere Meilensteine zu feiern. Bis zur Veröffentlichung durchläuft jedes Buch bestimmte Arbeitsschritte: Dazu gehören die Konkretisierung der Buchidee, die Strukturierung des Romans, die erste Romanfassung, Lektorat und Anschreiben der Verlage.

Einsteiger-Ratgeber
Der Einsteiger-Ratgeber „Ein Buch schreiben und Autor werden“

Dieser Beitrag richtet sich an Autoren, die an ihrem ersten Roman arbeiten und skizziert knapp die Meilensteine zur Buchveröffentlichung. Dieser Text soll Dir eine kleine Orientierung geben, wie Du die Arbeit an deinem Roman planen kannst. Möchtest Du dieses Thema vertiefen, empfehlen wir Dir unseren Einsteiger-Ratgeber „Ein Buch schreiben und Autor werden“. Der Ratgeber beleuchtet die gesamte Arbeit an einem Roman von der ersten Ideenfindung bis zur Veröffentlichung.

Meilenstein 1: Buchidee konkretisieren

Eine gute Buchidee ist für viele angehende Autoren die Initialzündung für das Schreiben eines Romans. Bei aller Begeisterung für deinen Geistesblitz, ist es wichtig, die Romanidee zu konkretisieren. Reicht deine Buchidee für einen Roman mit 200 bis 300 Seiten? Diese Frage lässt sich mit einem kleinen Test beantworten. Kannst Du die Handlung deiner Romanidee grob skizzieren und zumindest eine DIN-A4-Seite damit füllen? Dann spricht vieles dafür, dass Du eine passende Idee für dein Buch gefunden hast.

Ob die Idee wirklich genügend Stoff für ein ganzes Buch bietet, zeigt sich erst verlässlich in der Phase der Planung. Doch der Test mit dem DIN-A4-Blatt ist ein gutes Indiz für eine brauchbare Romanidee. Die Konkretisierung einer tragbaren Buchidee ist ein erster Meilenstein auf dem Weg zur Buchveröffentlichung. Viele Autoren haben zahlreiche Einfälle. Eine erste Prüfung zeigt mitunter, dass sich die Idee nur für eine Kurzgeschichte eignet oder nicht wirklich neu ist.

Meilenstein 2: Roman strukturieren

Bevor Du mit dem Schreiben des ersten Kapitels beginnst, solltest Du deinen Roman strukturieren und planen. Bei längeren Texten ist erst ratsam, zumindest den Hauptkonflikt und die wichtigsten Charaktere zu planen und grob auszuarbeiten. Schreibst Du ohne Planung darauf los, drohen Unstimmigkeiten im Handlungsverlauf. Weiterhin können sich Charaktere für den Leser unlogisch verhalten. Bedenke auch ein Detail: Die Zeit, die Du in die Planung deines Romans investierst, gewinnst Du im Regelfall später beim Schreiben und Überarbeiten wieder.

Charaktere
Bei der Planung solltest Du die wichtigsten Charaktere ausarbeiten , Bild © by Stephanie Hofschlaeger / pixelio.de

Es kann sehr zeitaufwendig sein, bei der Überarbeitung deines Romans logische Fehler im Handlungsverlauf „auszubügeln“. Einzelne Kapitel müssen geprüft und eventuell umgeschrieben werden. Neben dem großen Zeitaufwand ist eine solche Arbeit besonders frustrierend für Autoren. Hast Du hingegen deine Hauptcharaktere ausgearbeitet und den groben Handlungsverlauf des Romans vor Augen, kannst Du Dich zum zweiten Meilenstein auf deinem Weg zur Buchveröffentlichung beglückwünschen.

Meilenstein 3: Erste Fassung des Romans

Nun beginnt das Schreiben deines Romans. Ein Detail sollte man nicht unerwähnt lassen, die Phase der Planung und des Niederschreibens lassen sich nicht klar trennen. Halte nicht stur an deinem ersten Plan fest, der Plot bedarf beim Schreiben immer wieder etwas der Feinjustierung. Im Regelfall sollte es so aussehen, dass Du während des Schreibens immer wieder zwischen Planen und Verfassen von Kapiteln wechselst, das Schreiben am Buch nimmt die meiste Zeit ein.

Das Schreiben des Romans besteht genau genommen aus vielen kleinen Meilensteinen. Dazu gehören zum Beispiel das erste Kapitel, die ersten 100 Seiten und am Ende die erste Fassung des Romans. Wenn das Manuskript in dieser Fassung vor Dir liegt, kannst Du diesen Meilenstein wirklich feiern und Du hast mehr als die Hälfte auf dem Weg zur Buchveröffentlichung geschafft. Nur die wenigsten Autoren kommen so weit.

Meilenstein 4: Lektorat

Ist die erste Fassung fertig, startet das Lektorat. In dieser Phase überarbeitest Du dein Manuskript und achtest auf Fehler bei Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung. Zu einem Lektorat gehören auch das Feilen am Schreibstil und die Suche nach logischen Fehlern im Handlungsverlauf. Es empfiehlt sich, abgeschlossene Kapitel schon während des Schreibprozesses Korrektur zu lesen und Fehler zu finden. Liegt zum Beispiel ein Manuskript von 400 Seiten ohne jede Korrektur vor Dir, musst Du die allererste Fassung mehrfach durchlesen, um möglichst viele Fehler zu finden.

Lektorat
Gib dein Buch auch Freunden und Bekannten zum Lektorat, © by Regina Kaute / pixelio.de

Wer ein längeres Manuskript zwei bis drei Mal Korrektur gelesen hat, weiß wie ermüdend diese Arbeit ist. Findest Du keine Fehler mehr, solltest Du dein Manuskript an Freunde oder Bekannte weitergeben, die felsenfest in Rechtschreibung und Grammatik sind. Sie werden noch einige Fehler finden. Hast Du alle Anmerkungen der Testleser eingearbeitet, kannst Du Dich über einen weiteren Meilenstein auf dem Weg zur Buchveröffentlichung freuen.

Meilenstein 5: Verlage anschreiben

Während dein Buch bei den Testlesern liegt, kannst Du bereits mit der Recherche nach geeigneten Verlagen beginnen. Auf den Verlagsseiten im Internet informierst Du Dich darüber, ob dein Roman ins jeweilige Verlagsprogramm passt. Nach dem Du einige geeignete Buchverlage gefunden hast, prüfe im Detail, welche Anforderungen sie an das Versenden eines Manuskripts stellen. Die meisten Verlage wünschen Anschreiben, Exposé und eine Leseprobe. In einigen Fällen wird noch eine Kurzvita verlangt.

Das Verfassen eines überzeugenden Exposés gehört zu den schwierigsten Aufgaben. Das Exposé umfasst 2 bis 3 Seiten und ist die vorausschauende Inhaltsangabe eines literarischen Werkes. Auf wenigen Seiten musst Du dem Lektor die Grundidee deines Romans vermitteln und die Hauptfiguren skizzieren. Verbindliche Vorgaben für ein Exposé gibt es in Deutschland nicht. Hast Du die Unterlagen für die passenden Verlage zusammengestellt, ist der letzte Meilenstein erreicht. Du kannst dein Manuskript verschicken. Du hast dein Ziel vor Augen: Die Buchveröffentlichung.

Das ultimative Ziel: Die Buchveröffentlichung

Nun hast Du verschiedene Verlage angeschrieben und es heißt Geduld haben. Es dauert im Regelfall mehrere Wochen oder sogar Monate, bis sich der erste Buchverlag meldet. Auch dies muss man sagen: Es werden einig Absagen kommen, davon sollest Du Dich aber nicht entmutigen lassen. Besonders Autoren mit der ersten Buchveröffentlichung haben es schwer. Doch eines Tages kommt vielleicht die ersehnte Zusage und Du hast dein ultimatives Ziel erreicht: Die Buchveröffentlichung.

Roman-Verlag
Die Buchveröffentlichung als ultimatives Ziel, Bild © by Peter Smola / pixelio.de

Sollte es mit einem Verlag nicht klappen, gibt es Alternativen zur Veröffentlichung deines Romans. Dazu gehört der Weg über einen Literaturagenten oder Self-Publishing. Auch auf diese Fragen bietet Dir der Einsteiger-Ratgeber „Ein Buch schreiben und Autor werden“ eine Antwort.

Ein Buch schreiben und den eigenen Schreibstil finden

Ein Buch schreiben und den eigenen Schreibstil finden

Autoren, welche an ihrem ersten Buch schreiben, imitieren gerne den Schreibstil erfolgreicher Schriftsteller. Lektoren können im Anschreiben an einem Buchverlag häufiger lesen, ich schreibe so ähnlich wie Bestsellerautor XY. Verlagslektoren lehnen solche Manuskripte im Regelfall sofort ab, da der Autor noch nicht seinen eigenen Schreibstil gefunden hat. Doch wie findest Du deinen eigenen Stil beim Schreiben? Es gibt hierzu im Internet und in Schreibratgebern sehr viele Tipps. So kannst Du in diversen Ratgebern zum Beispiel lesen, dass Du zu viele Adjektive und Füllwörter vermeiden solltest. Dazu gibt es Tipps zur idealen Satzlänge wie auch der Struktur von Haupt- und Nebensätzen. Doch diese Ratgeber gehen vielmehr der Frage nach, was ein guter Schreibstil ist, indem klargestellt wird, welche Fehler man vermeiden sollte.

Der Weg zum eigenen Schreibstil führt nur über das Schreiben, Bild © by I-vista / pixelio.de

Möchtest Du deinen eigenen Stil finden, gibt es eigentlich nur einen Tipp: Schreiben. Gerade junge Autoren und Schreibanfänger sollten vieles ausprobieren. Versuche Dich an Kurzgeschichten und verschiedenen Genre, selbst wenn Dir diese Literaturgattungen eigentlich gar nicht liegen. Verfasse deinen Texte dazu in verschiedenen Erzählperspektiven, sehr bald wirst Du zum Beispiel merken, ob Dir eher der Ich- oder Er-Erzähler liegt. Schreibstil ist nichts, was sich in kurzer Zeit entwickelt. Es dauerte etwas, bis Du deinen eigenen Stil gefunden hast und er wird sich auch im Lauf der Zeit immer wieder ein wenig wandeln.

Um einen eigenen Stil beim Buch schreiben zu entwickeln, ist es dazu ratsam viel zu lesen. Hierzu gehören sowohl die Klassiker der Weltliteratur wie auch Trivialliteratur. Dabei musst Du Dich nicht auf Belletristik konzentrieren. Schreibst Du historische Romane, ist es sinnvoll historische Klassiker zu lesen. Von guter und auch schlechter Lektüre kannst Du viel lernen und deinen Schreibstil verfeinern. Auf diese Weise findest Du viele Autoren, welche Einfluss auf Dich ausüben und Dir als Orientierung dienen können. Kein Schriftsteller kommt ohne literarische Vorbilder aus. Joanne Rowling gibt als Vorbilder Jane Austen, C.S. Lewis und Edith Nesbit an. Oder nehmen wir einen deutschen Autor wie Günter Grass als Beispiel. Der Nobelpreisträger ließ sich von Alfred Döblin, François Rabelais und Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen beeinflussen.

Eigenen Schreibstil mit Schreibübungen verbessern

Doch wie geht man mit solchen Vorbildern um, um seinen eigenen Schreibstil zu finden. Hier hilft ein kleiner Exkurs zur antiken Schulpraxis weiter. Das Fundament des antiken Schulunterrichts war das Prinzip der Nachahmung (imitatio). Die Schüler absolvierten eine Ausbildung zum Redner und übten sich täglich schriftlich und mündlich in der Nachahmung von Musterreden. Das hohe Ziel war es, diese Vorbilder nicht einfach zu kopieren, sondern deren Leistung zu überbieten. Diese Mustertexte dienten den Schülern als Orientierung und nicht etwa als strikte Vorlage. Im antiken Schulbetrieb lösten sich die angehenden Redner Schritt für Schritt vom Vorbild und schufen etwas Eigenständiges. In der Antike lernten die angehenden Redner eher spielerisch zum Beispiel die Gattung der Gerichtsrede und entwickelten schrittweise einen eigenen Schreibstil.

Das Prinzip der imitatio kann ein Weg zum eigenen Stil sein. Du orientierst sich Dich an deinen literarischen Vorbildern, versucht diese in einem ersten Schritt zu imitieren und machst Dich Schritt für Schritt auf dem Weg zu deinem eigenen Schreibstil. So emanzipiert man sich von seinen großen Vorbildern. Dieses Vorgehen ist für Schreibübungen und nicht die Arbeit an deinem Roman gedacht. Nimm Dir zum Beispiel eine Kurzgeschichte von deinem Lieblingsautor, schreibe die Geschichte an einer beliebigen Stelle weiter oder entscheide Dich für ein anderes Ende. Du kannst auch als Lektor tätig werden und einzelne Seiten stilistisch verbessern. Dieser spielerische Umgang mit Sprache dient in jedem Fall der Verbesserung von deinem Schreibstil und ist in jedem Fall einen Versuch wert.

Solche kleinen Schreibübungen helfen übrigens auch bei Schreibblockaden. Wenn Du mit deinem Buch nicht weiter kommst, nimm Dir eine Kurzgeschichte deines Lieblingsautors vor und schreibe anhand dieser Vorlage. Hier dürfte es wesentlich leichter sein, mit dem Schreiben zu beginnen und Du kommst in den gewünschten Schreibfluss. Nebenbei arbeitest Du weiter an deinem eigenen Schreibstil.

Wie entwickele ich Nebenfiguren für meinen Roman?

Wie entwickele ich Nebenfiguren für meinen Roman?

Wie entwickelst Du Nebenfiguren für deinen Roman? Diese Frage wird in Autorenratgebern immer wieder stiefmütterlich behandelt, das Augenmerk vieler Ratgeber liegt auf der Entwicklung der Hauptfiguren. Dabei sind durchdachte und originelle Nebencharaktere in einem Buch wichtig und tragen ihren Teil zum Erfolg eines Romans bei. Doch was sind überhaupt alles Nebenfiguren und wie kann man diese Charaktere definieren? Hier gehen die Meinungen auseinander. So gibt es Ratgeber, die Nebenfiguren eigene Handlungsstränge zugestehen. Im Internet und in Schreibratgebern findest Du auch eine völlig gegensätzliche Meinung: Nebenfiguren sind reine Handlager und haben nur einen geringen Einfluss auf die Handlung.

Bei Nebenfiguren gibt es eine große Vielfalt, Bild © by Stephanie Hofschlaeger / pixelio.de

Statt sich an den beiden Extremen zu orientieren, ist es ratsamer sich klar zu machen, dass es eine große Vielfalt an Nebenfiguren in der Literatur gibt. Denke nur einmal an historische Romane. Hier findest Du eine Vielzahl von Hauptfiguren und Nebencharakteren. Die Figuren mit einer Nebenrolle haben in diesen Büchern nie die gleiche Bedeutung und einen unterschiedlichen Anteil an der Handlung. Ein weiteres schönes Beispiel wie groß die Vielfalt an Nebencharakteren sein kann, sind die Bücher der Harry Potter-Reihe. Joanne K. Rowling hat diese Figuren alle liebevoll entwickelt und dies macht das Harry Potter Universum für die Leser auch so reizvoll.

Bevor es um die Frage der Figurenentwicklung geht, ist es sinnvoll Hauptfiguren und Nebenfiguren voneinander abzugrenzen. Ebenso klären wir den Unterschied von Nebencharakteren und reinen Statisten in Romanen.

Nebenfiguren sind keine Hauptfiguren

Eine Nebenfigur ist keine Hauptfigur, auf diese einfache Formel kann man es bringen. Somit treibt ein Nebencharakter im Regelfall die Handlung deines Romans nicht voran, dies bleibt dem Held deines Buches überlassen. Hier kann es durchaus Ausnahmen geben. So kann eine Figur im Auftrag des Hauptcharakters handeln. Ein sehr schönes Beispiel hierfür findet man im Herrn der Ringe. In den Moment, wo Frodo von der Spinne Kankra außer Gefecht gesetzt wird, übernimmt Sam seine Rolle und trägt den Ring. Dies ist im gewissen Sinne Geschäftsführung ohne Auftrag. Bei der späteren Rückgabe des Rings von Sam im Turm von Cirith Ungol sagt Frodo sehr treffend: „Ich muß die Last bis zu Ende tragen. Es läßt sich nicht ändern.“ Hier siehst Du recht deutlich den Unterschied zwischen einem Hauptcharakter und einer Nebenfigur.

Gerade an unzertrennlichen Charakterduos der Weltliteratur kann man den Unterschied zwischen Hauptcharakter und Nebenfigur zusätzlich verdeutlichen. Ein Sherlock Holmes ist ohne Dr. Watson nicht denkbar. Zu einem Don Quijote gehört ein Sancho Panza. Jedem Leser wird schnell klar, wer die erste und zweite Geige spielt, jedoch alle diese Romanfiguren haben die Autoren liebevoll und detailliert entwickelt. Viele Schriftsteller zeichnen ihre Helden mit einem unverkennbaren Merkmal aus. Hierzu gehören zum Beispiel die Narbe von Harry Potter und seine Brille, die Tabakpfeife von Sherlock Holmes und selbst die traurige Gestalt von Don Quijote. Solche unverkennbaren Merkmale sollten nur die wichtigsten Charaktere oder der Held deines Romans haben. So kannst Du wichtige Figuren gegen Nebenfiguren abgrenzen

Was sind alles Nebenfiguren?

Was sind nun alles Nebencharaktere? Hier ist die Vielfalt groß. Ein schönes Beispiel für die Vielfalt an Nebenrollen in der Literatur bietet der historische Wälzer Krieg und Frieden mit seinem Figurenreichtum. Der Frauenheld Kurágin hat im Tolstois Buch eine wichtigere Rolle als der kriegsgefangene Bauer Platon Karatájew oder der Artillerieoffizier Túschin, doch dies sind alles Nebenfiguren und diese Figuren spielen ihre Rolle im Roman. Kurágin gewährt Tolstoi mit seiner Affäre mit Natáscha Rostow eine Nebenhandlung in seinem Buch. Eine Figur wie der Bauer Platon hat wiederum die Funktion mit seiner einfachen Sichtweise auf die Welt, dem Hauptcharakter Pierre Besuchow die „Augen zu öffnen.“ Auch wenn die Nebenfiguren bei Tolstoi ein recht unterschiedliches Gewicht haben, bleiben sie dem Leser im Gedächtnis. Hauptcharaktere und Nebenfiguren gleichermaßen zu gestalten, ist die eigentliche Kunst der Figurenentwicklung.

Nebenfiguren
Nebenfiguren sind austauschbar , Bild © by Stephanie Hofschlaeger / pixelio.de

Bei Figuren mit Nebenrolle gibt es eine Unterscheidungsmöglichkeit: Es gibt Nebenfiguren mit einem eigenen Handlungsstrang und Charaktere ohne eigene Handlung. Diese Figuren haben ein unterschiedliches Gewicht für den Plot deines Romans, Du solltest ihnen bei der Ausarbeitung jedoch die gleiche Aufmerksamkeit schenken. Alle Nebenfiguren haben eine Gemeinsamkeit: Sie sind ersetzbar. Nehmen wir die Vielzahl an originellen Nebenfiguren der Harry Potter Bücher als Beispiel. Letztendlich spielt es nicht so eine große Rolle, wer Harry, Hermine und Ron jedes Jahr unterrichtet. Dies sieht man sehr schön am Lehrer für Verteidigung gegen die Dunklen Künste. In jedem Band finden wir hier einen neuen Charakter. Harry Potter würde vielleicht gerne seine dunkle Lordschaft aus den Büchern verbannen, aber hier hat Joanne K. Rowling ein Wörtchen mitzureden.

Nebenfiguren sind keine Statisten

Nebenfiguren sollten keine reinen Statisten sein. Statisten sind Charaktere, welche in einer einzelnen Szene auftauchen und rein funktional sind. Hierzu kann zum Beispiel ein Archivar gehören, der dem ermittelnden Helden den Zugang zu alten Unterlagen in einem Kriminalfall gewährt. Dabei können auch Statisten originelle Figuren sein. Im Abenteuerroman „Der Kurier des Zaren“ von Jules Verne gibt es in einem Kapitel die Figur eines Beamten im Telegrafenamt. Während die Tataren das Haus beschießen, soll der Mitarbeiter ein Telegramm aufnehmen. Obwohl die Lage höchst kritisch ist, lässt sich der Beamte bei seiner Arbeit nicht aus der Ruhe bringen und geht der Tätigkeit im gewohnten Tempo nach. Nachdem eine größere Granate die Mauer des Telegrafenamtes zerstört, muss er zu seinem Bedauern feststellen „Mein Herr, die Leitung ist unterbrochen.“ Der Beamte schließt den Schalter, nimmt seinen Hut und geht.

Diese Figur taucht nur in der Szene im Telegrafenamt auf, sie wird nicht näher beschrieben und hat auch keinen Namen. Dieser Statist hat im Roman nur die Funktion ein Telegramm zu verschicken. Nebenfiguren grenzen sich klar von solchen Statisten ab, welche sich sicherlich auch in deinem Roman finden. Diesen Figuren musst Du keine so große Aufmerksamkeit widmen, sie brauchen keinen Namen und auch keine äußerliche Beschreibung. Statisten bieten trotzdem die Möglichkeit, originelle oder skurrile Figuren zu entwickeln. Ein schwerhöriger Archivar kann deinen Helden durchaus einige Probleme bei der Recherche bereiten.

Wie entwickele ich nun Nebencharakter?

Doch wie entwickelst Du nun Nebenfiguren? Für diese Charaktere gelten weitgehend die gleichen Tipps wie für Hauptfiguren. So sollten die Figuren mit Nebenrolle nicht stereotyp sein und auch Schwächen haben. Es kann durchaus sinnvoll sein, ein Charakterblatt für diese Figuren zu führen. Dieser Charakterbogen muss nicht so detailliert wie für deine Hauptfiguren sein. In zwei wichtigen Punkten unterscheiden sich die Nebencharaktere von deinem Held, sie haben kein besonderes Merkmal und treiben auch nicht aus eigenem Willen die Handlung voran. Dabei sind Nebenfiguren auch keine reinen Statisten. Sie spielen ihre Rolle in deinem Buch und haben teilweise einen Handlungsstrang. Widme in jedem Fall deinen Hauptfiguren wie den wichtigen und weniger wichtigen Charakteren mit Nebenrolle bei der Ausarbeitung die gleiche Aufmerksamkeit. So entstehen Figuren, welche den Leser im Gedächtnis bleiben.

Kreatives Schreiben und Regeln: Ein Beitrag gegen die Regeln

Kreatives Schreiben und Regeln: Ein Beitrag gegen die Regeln

Das Mantra der modernen Schreibschule heißt Show, don`t tell. Jeder Autorenratgeber behandelt diese Regel und kein Schreibkurs kommt ohne diesen Grundsatz aus. Der Blog Schreibwahnsinn bemerkt durchaus treffenden zu dieser Schreibregel: Als Schreibanfänger kriegt man diesen Satz so oft um die Ohren gehauen, bis er einem aus selbigen raushängt. Ernsthaft. Ich konnte ihn nach einer Weile nicht mehr hören, habe ihn regelrecht gehasst.“ Hast Du auch so deine Probleme mit mancher Schreibregel? Dieser Beitrag wendet sich an alle Autoren, welche von den immer wiederkehrenden Tipps und Regeln in Kursen und Ratgeber müde sind. Dazu bedienen wir uns einer inspirierenden Schrift. Das zitierte Buch ist heute vergessen, lückenhaft (Teile davon gingen verloren) und wir kennen den Autor nicht.

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Was können wir von einer verstaubten, antiken Schrift lernen?, Bild © by Hans-Joachim Köhn / pixelio.de

Die Rede ist von der antiken Schrift „Vom Erhabenen“ eines gewissen Longin oder Longinus. Mitunter heißt der Autor auch Dionysios Longinos, Pseudo-Longinos oder einfach nur Anonymus. Alle diese Namen beruhen auf fehlerhaften Zuordnungen zu möglichen Verfassern. In all den Jahrhunderten ist es nicht gelungen, den Autor zu identifizieren und es wird uns auch nicht mehr gelingen. Einige Details können wir seinem Buch entnehmen. Der Schriftsteller lebte offenbar im 1. Jh. n. Chr., war Grieche, sprach dazu auch Lateinisch und bewegte sich in vornehmen Kreisen. Er war gebildet, hat alle wichtigen Autoren der Antike gelesen und ein treffsicheres literarisches Urteilsvermögen. Mehr wissen wir über den Autor nicht. Dazu kommt, dass seine Schrift lückenhaft ist.

Von den ehemals 112 Seiten fehlen 36 Seiten, damit ist mehr als ein Drittel der Schrift verloren. Man kann nur spekulieren, was an den fehlenden Stellen behandelt wurde. Doch was von der Schrift übrig geblieben ist, ist zugleich beeindruckend und inspirierend.

Braucht große Literatur keine Regeln?

Im kleinen Büchlein „Vom Erhabenen“ geht es um wahrhaft große Literatur. Longin (wie der Autor nun heißen soll) behandelt einen Schreibstil, der mitreißt, den Lesern im Gedächtnis bleibt und allgemein Gefallen findet. An einer Stelle vergleicht der Autor diesen Sprachstil mit einem zuckenden Blitz, der alles zerteilt und schlagartig seine geballte Kraft zeigt. Es geht um wirklich große Literatur, sie findet allgemein Gefallen: „Überhaupt, halte das für vollkommen und wahrhaft erhaben, was jederzeit und allen gefällt.“ (Longin, 7 (4)). Doch es soll gar nicht um die genaue Bestimmung des erhabenen Stils gehen. Es geht vielmehr um die Botschaft, welche der Autor in seinem Buch vermitteln möchte.

Inspiration
Ob die Fotografin Longin gelesen hat?, Bild © by Stephanie Hofschlaeger / pixelio.de

Die Schrift behandelt die Frage, wie man große Literatur erschafft. Im lückenhaften Manuskript gibt es eine wunderbare Stelle. Diese kleine Passage hat besonders Schriftsteller im 17. und 18. Jh. immer wieder inspiriert: „Ich weiß nun wohl, daß große Naturen keineswegs fehlerfrei sind; Korrektheit nämlich in allem birgt Gefahr kleinlich zu werden. Im Großen aber muß, wie bei Reichtum im Übermaß, auch etwas sein, was vernachlässigt wird; und vielleicht muß es sogar so sein, daß kleine und mittelmäßige Geister, die nie etwas wagen und nie nach den Sternen greifen in der Regel fehlerfrei und sicher bleiben, während das Große eben durch seine Größe strauchelt. [..] . Freiheit vor Fehlern schützt vor Tadel; das Große hingegen erntet Bewunderung.“ (Longin, 33 (2), 36 (1))

Diese Stelle ist als „Genie und Regel“ bekannt. Der Abschnitt bei Longin hat einen großen Beitrag zum Geniegedanken etwa im Sturm und Drang geleistet. Alle Autoren, welche sich von Zwang und Regel befreien wollten, haben sich den Gedanken von Longin bedient. Dabei ist diese Rezeption verkürzt. Der anonyme Autor macht in seiner Schrift immer wieder deutlich, dass neben Talent auch Studium, Methode und Technik für einen guten Autor notwendig sind. Schreiben kann man also durchaus lernen. Doch die Diskussion über Genieästhetik soll hier gar nicht im Vordergrund stehen, es geht vielmehr um die Frage, was heutige Autoren von der antiken Schrift „Vom Erhabenen“ lernen können.

Was können wir heute von Longin lernen?

Was kannst Du vom anonymen Autor lernen? Was biete diese längst vergessene und verstaubte Schrift? Der griechische Autor macht Mut, einmal gegen den Strom zu schwimmen und seinen eigenen Kopf durchzusetzen. Die kleine Passage „Genie und Regel“ bietet eine ganz wichtige Botschaft. Wer einen großen und überzeugenden Roman schreiben möchte, muss etwas wagen. Dazu kann es gehören, dass Du bestimmte Regel der Literatur zumindest stellenweise verletzt. Über Tolkien wurde gesagt, dass der Herr der Ringe heute mehr keine Chance auf Veröffentlichung hätte. Der Roman verstößt an einigen Stellen gegen elementare Regeln, die bereits Schreibanfänger in Kursen zum Kreativen Schreiben lernen. So wurde kritisiert, dass er die Zerstörung von Isengart in einem Rückblick erzählt. Gerne wird auch das Kapitel „Der Rat von Elrond“ bemängelt. In diesem recht langen Kapitel passiert nach der Sicht von einzelnen Kritikern fast gar nichts.

Unabhängig, ob diese Kritik berechtigt ist. Wie viele Kapitel gibt es im Herrn der Ringe, welche Du bewunderst und nicht vermissen willst? Dieses Beispiel verdeutlicht recht schön, was Login mit Regelverletzungen meint. Erzähle nicht in Rückblenden. Show, don`t tell. Vermeide Genremix. Manchmal muss man diese Regeln symbolisch im feurigen Berg versenken. An einer Stelle schreibt Longin: Er ist für ein großes (leicht fehlerhaftes) Werk bereit, auf die Bücher von allen mittelmäßigen Autoren zu verzichten. Was würdest Du wählen, wenn Du die Wahl zwischen Tolkien und einem ganzen Regel mehrteiliger Fantasy-Sagas hättest?

Show, don´t tell – Was steckt hinter der Schreib-Regel?

Show, don´t tell – Was steckt hinter der Schreib-Regel?

Show, don´t tell (Zeigen, nicht erzählen) dürfte die wichtigste Regel von Schreibratgebern und kreativen Schreibkursen sein. Wenn Du bereits einen Kurs für Kreatives Schreiben besucht hast, wurde Dir sicherlich eingebläut: Du sollst in deinem Roman dem Leser etwas zeigen und nicht erzählen. Doch was steckt genau hinter der Regel Show, don´t tell? Ist dieser Grundsatz für die moderne Literatur so elementar, wie man häufig in Schreibratgeber lesen kann? Die Regel fordert zum szenischen Schreiben und einer filmischen Erzählstruktur auf. Handlung und Dialog sollen im Vordergrund stehen, es geht um eine plastische Darstellung und Beschreibung von Details, wie Du an einem Beispiel sehen kannst.

Kreatives Schreiben
Show, don´t tell – Die Regel lernt man in jedem Schreibkurs , Bild © by Rainer Sturm/ pixelio.de

Tell

Marta bereitete das Mittagessen zu.

Show

Marta war in der Küche voll beschäftigt. Während das Hackfleisch für die Bolognese Sauce in der Pfanne brutzelte, schielte sie immer auf den Topf mit dem Wasser. Wirst Du wohl langsam kochen, damit ich die Nudeln hineinwerfen kann. Marta schaute besorgt auf die Uhr. Franz wurde immer so ungehalten, wenn nicht Punkt 12 Uhr das Essen auf dem Tisch stand und nun war es schon fünf vor Zwölf.

Der Leser soll auf diese Weise die Handlung vor Augen haben und sich mit dem Charakter besser identifizieren können. Dabei sieht Du recht deutlich: Zeigen nimmt durch die vielen Details mehr Platz in Anspruch als das reine Erzählen. Es wurde bereits erwähnt. Show, don´t tell ist DIE Regel moderner Schreibkurse und Schreibratgeber. Dabei ist der Grundsatz zum szenischen Erzählen nicht wirklich neu.

Show, don`t tell – Eine Regel deutlich älter als der Film

Show, don´t tell ist letztendlich eine Reaktion der Literatur auf das Aufkommen von Kino und Film, heißt es immer wieder. Mit einer filmischen Erzählstruktur kommt der Autor den Rezeptions-Gewohnheiten der Leser entgegen und kann so ihre Aufmerksamkeit fesseln. In Wirklichkeit ist dieser Grundsatz, nun sagen wir mal, deutlich älter als der Film. Schon vor einiger Zeit schrieb ein spanischer Hochschullehrer folgenden Ratschlag für einen eindringlichen Erzählstil nieder:

„Zweifelslos nämlich erfaßt derjenige, der sagt, die Stadt sei erobert worden, alles, was nur ein solcher Schicksalsschlag enthält, jedoch dringt es wie eine knappe Nachricht zu wenig tief ein in unser Gefühl. Wenn du dagegen das entfaltetest, was alles das eine Wort enthielt, dann wird das Flammenmeer erscheinen, das sich über die Häuser und Tempel ergossen hat, das Krachen der einstürzenden Dächer und das aus den so verschiedenen Lärmen entstehende eine Getöse, das ungewisse Fliehen der einen, die letzte Umarmung, in der andere an den Ihren hängen, das Weinen der Kinder und Frauen und die unseligerweise bis zu diesem Tag bewahrten Greise, […].“ (Quint VIII 3, 67f.)

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Zeigen, nicht erzählen – Der Grundsatz ist deutlich älter als der Film, Bild © by Rainer Sturm/ pixelio.de

Die Beschreibung der zerstörten Stadt geht im zitierten Text noch einige Zeilen weiter. Hier siehst Du ein weiteres Mal: Zeigen nimmt deutlich mehr Raum als Erzählen ein. Die zitierte Stelle stammt aus dem praktischen Rhetorik-Handbuch „Die Ausbildung des Redners“ von Marcus Fabius Quintilianus. Der Spanier war im 1. Jahrhundert nach Christus der erste staatlich besoldete Rhetorikprofessor in Rom. Im Jahr 95 entstand das besagte Handbuch. Bereits hier findet man die „moderne“ Regel Show, don`t tell. Die antike Rhetorik kennt den Grundsatz unter dem Begriff evidentia. Es lohnt sich, diesen Begriff etwas näher zu beleuchten, um die Regel Zeigen, nicht erzählen in ihrem Grundsatz zu erläutern. In der antiken Rhetorik spielte die detaillierte Darstellung von Handlungsabläufen vor Gericht eine zentrale Rolle.

Ging es zum Beispiel um einen Mordfall, legte der Redner alles daran, den Richtern das Verbrechen besonders plastisch vor Augen zu führen. Es ging um ein detailliertes Beschreiben und die Erregung der Gefühle. Im Idealfall präsentierte man noch das blutige Hemd des Opfers. Bei den Richtern handelte es sich in der Antike häufig um Laienrichter, welche sich wesentlich leichter beeinflussen ließen als Profis. Für eben diese gezielte Beeinflussung von Richtern hat die Antike eine ausführliche Erzähltheorie entwickelt, wir finden Teile davon in der Ausbildung des Redners. Noch früher als Quintilian behandelt Aristoteles die evidentia und spricht vom „Vor-Augen-Führen“. Dies erinnert ganz stark an die filmische Erzählstruktur der modernen Literatur. Dieses „Vor-Augen-Führen“ ist der eigentliche Kern der Regel Show, don´t tell. Einige Jahrhunderte später hat es dann Joseph Conrad sehr schön auf den Punkt gebracht: „Das Ziel des Schreibens ist es, andere sehen zu machen.“

Show, don`t tell – Auf die richtige Mischung kommt es an

In welcher Form Du dem Leser deine Handlung vor Augen führst, bleibt letztendlich Dir als Autor überlassen. Das plastische Zeigen der modernen Literatur ist letztendlich ein Weg dahin. Doch hier sollte man es auch nicht übertreiben. Show nimmt in einem Manuskript deutlich mehr Raum als tell ein. Ein detailliertes Niederschreiben und die Verwendung von Dialogen in deinem Roman sind nur sinnvoll, wenn die beschriebene Situation für die Handlung von Bedeutung ist. Es stellt sich durchaus die Frage, ob man eine Alltagshandlung wie das Zubereiten von Mittagessen in aller Breite beschreiben muss. Sollte Marta allerdings Gift in die Bolognese Sauce mischen, um dem ewigen Nörgeln von Franz ein für alle Mal ein Ende zu bereiten, dann steht das Zeigen im Vordergrund.

Handelt es sich nur um Belanglosigkeiten oder möchtest Du größere Zeiträume beschreiben, ist das knappe Erzählen angebracht. Als kleines Fazit kann man sagen: Show, don`t tell ist zweifellos eine wichtige Regel der modernen Literatur und sinnvoll. So kommst Du dem heutigen Leser entgegen, der durch Kino und Fernsehen vor allem filmische Erzählstruktur gewohnt ist. Doch grundsätzlich solltest Du Dich nie sklavisch einer Regel unterwerfen, auch wenn Schreibratgeber diese noch für so wichtig erachten. Jeder Roman braucht eine gesunde Mischung von show und tell. Dazu bestimmen nicht Schreibregeln deinen Schreibstil als Autor, sondern Du selbst.

Ein Buch schreiben – Wie erreiche ich den Leser?

Ein Buch schreiben – Wie erreiche ich den Leser?

Die Rhetorik hat eine Vielzahl von Strategien entwickelt, wie man den Zuhörer erreicht. Viele dieser Strategien lassen sich direkt auf den Leser übertragen. Wie erreichst Du den Leser mit deinem Roman? Dieser Beitrag behandelt vier Tipps aus der antiken Rhetorik, welche bis heute aktuell sind und Dir helfen sollen, dein Buch genauer auf deine Zielgruppe auszurichten. Ein kleiner Exkurs soll verdeutlichen, warum es überhaupt sinnvoll ist, sich mit einer Theorie aus der Antike zu beschäftigen. Zahlreiche antike Reden waren Prozessreden vor Gericht, es ging darum, die Richter zu überzeugen und für sich zu gewinnen. Eine ganz zentrale Rolle spielte die Erzählung (narratio) des Falles. Bei der Darlegung des Sachverhaltes wurde der Fall (z. B. ein Mordfall, Korruption oder Betrug) in allen Details vorgetragen. Häufig ging es darum, das Mitleid der Richter zu erregen oder Wut auf den Angeklagten hervorzurufen. Um die Adressaten zu erreichen, wurde eine ausführliche und ausgeklügelte Theorie entwickelt.

Leser erreichen
Wie erreiche ich Leser? – Die Rhetorik hat Strategien entwickelt, Bild © by Stephanie Hofschlaeger / pixelio.de

Die antike narratio-Theorie ist der Kern der späteren Erzähltheorie in Literaturwissenschaft und Poetik. Ganz viele Strategien der antiken Rhetorik lassen sich auf das Schreiben von Büchern und auf die Leserschaft übertragen. Das Erreichen von Zuhörer und Leser funktioniert mit den gleichen Techniken. Damit man mit seiner Erzählung den Adressaten überzeugt, kennt die antike Rhetorik vier Tugenden: Angemessenheit (aptum), Sprachrichtigkeit (latinitas), Klarheit (perspicuitas) und Stilmittel (ornatus). Wenn Du diese vier Tugenden beim Schreiben deines Romans einhältst, kannst Du deinen Leser wesentlich besser erreichen.

Angemessenheit – Die Zielgruppe beachten

Kennst Du eigentlich die Zielgruppe deines Romans? Hast Du ein klares Bild davon, für wen Du schreibst? Bevor Du überhaupt mit dem Schreiben beginnst, solltest Du Dir über dein Genre und deine Leser klar werden. Ein Kinderbuch stellt ganz andere Anforderungen als ein Krimi oder Erotikroman. Jedes Genre folgt bestimmten Regeln und sie solltest Du als Autor kennen. Angemessenheit heißt, dass Du die richtigen Mittel wählst, um deine Leser zu erreichen. Dies lässt sich an zwei Beispielen erläutern. In einem Kinderbuch ist es sinnvoll, eine leicht verständliche Sprache zu wählen und Fremdwörter wie auch Anglizismen zu vermeiden. In der modernen Kinderliteratur ist es dazu nicht üblich, dass der Konflikt im Handlungsverlauf durch Mord und Totschlag gelöst wird.

Schreibst Du wiederum Fantasy, sind ganz andere Mittel angemessen, um Konflikte im Handlungsverlauf zu lösen. Du kannst den Leser auch mit einem pathetischen Schreibstil erreichen. Selbst altertümliche Wörter wie „Altvordere“ oder „holde Maid“ dürften bei der Leserschaft Gefallen finden. Wer einen Roadmovie als Roman schreibt und dort unterwegs eine „holde Maid“ abschleppen möchte, wird nicht ganz den Geschmack seiner Leser treffen. Quintilian, der erste Rhetorik-Professor der Geschichte, hat es in seinem Hauptwerk (Ausbildung des Redners) sehr schön auf den Punkt gebracht. Man solle nicht den Fehler begehen „Erhabenes mit Niedrigem, Altes mit Neuem, Poetisches mit Gewöhnlichen zu vermischen; […]“ (Quint. VIII, 3, 60)

Quintilian rät von einer Vermischung des Sprachstils ab, weil man so häufig gegen die Regeln des Genres verstößt und am Ende seine Leserschaft nicht erreicht. Aus diesem Grund raten auch viele Verlagsexperten von Genremix ab. Mit einem Genremix will man es besonders vielen Lesern recht machen und erreicht man Ende keine klare Zielgruppe. In manchen Ratgebern wird der Genremix auch als klassischer Fehler beim Buch schreiben benannt.

Sprachrichtigkeit – Ein fehlerfrei Text im üblichen Sprachgebrauch

Die Angemessenheit ist die Haupttugend in der Antike für die Erzählung, dem aptum sind die drei weiteren Tugenden untergeordnet. Bevor sich ein angehender Redner in der Antike überhaupt mit Themen wie Argumentationstheorie oder Redeaufbau beschäftigen konnte, durchlief er die Grammatikschule. Es wäre undenkbar gewesen, eine politische Rede in falschem Griechisch vor der Volksversammlung zu halten. Korrekte Rechtschreibung und Grammatik in einem Buch sollten eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein, wirst Du jetzt sicherlich bemerken. Doch wie viele Texte gibt es im Internet, welche von Fehler strotzen? Auch mancher Self-Publisher nimmt es mit dem Lektorat nicht so ernst. Verlage können ein Lied davon singen, wie viele fehlerhafte Manuskripte sie am Tag bekommen. Auch dies gehört zur Angemessenheit, einen Buchverlag eine fehlerfreie Textprobe und ein korrektes Exposé zu schicken. Nur so hat man überhaupt eine Chance auf eine Veröffentlichung.

Das Thema Lektorat ist nicht wirklich beliebt bei den Autoren. Wenn Du dein Buch als Self-Publisher veröffentlichen möchtest, lese es schon während des Schreibens immer und immer wieder Korrektur. Wenn dein Manuskript fertig ist, gib es einer weiteren Person zur Korrektur, es muss nicht zwangsläufig ein professioneller Lektor sein. Es reicht ein Freund oder Bekannter, der mit Rechtschreibung und Grammatik vertraut ist. Es geht darum, möglichst viele Fehler zu finden. Der Leser wird es Dir am Ende danken und positive Rückmeldungen (durch gute Rezensionen) sollten nicht ausbleiben.

Lektorat
Der Duden als wichtigste Orientierung für eine moderne Sprache, Bild © by Regina Kaute / pixelio.de

Die antike Tugend latinitas meint nicht nur Sprachrichtigkeit im Sinne von korrekter Grammatik und Rechtschreibung. Es geht auch um eine angemessene Wortwahl, welche sich am modernen und geläufigen Sprachgebrauch orientiert. Auch hier hat Quintilian einen wertvollen Rat parat, um den Leser zu erreichen. Im ersten Teil eines Hauptwerkes, der die Grammatik behandelt, heißt es, man solle sich am üblichen Sprachgebrauch orientieren, „denn es wäre fast lächerlich, die Redeweise, wie die Menschen (früher) gesprochen haben, der Redeweise, wie man jetzt spricht, vorzuziehen.“ (Quint. I, 6, 43). Verstöße gegen diese Regeln sind möglich, wenn es der Angemessenheit entspricht.

Klarheit – Verständlicher Text und nachvollziehbare Handlung für den Leser

Die Entscheidung für einen modernen und geläufigen Sprachgebrauch hat viel mit der Klarheit zu tun. Der Text sollte für den Leser allgemein verständlich sein. Es heißt nicht, dass Du auf eine poetische Sprache verzichten musst oder deinen Roman in einer plumpen Alltagssprache schreibst. Für einen klar verständlichen Text solltest Du zum Beispiel auf regional gebräuchliche Begriffe, Fremdwörter, veraltete oder gekünstelte Wörter verzichten. Der Satzbau muss nicht so verschachtelt sein, dass der Leser jeden Satz zweimal lesen muss. Auch bei der Namenswahl spielt das Prinzip der Klarheit eine wichtige Rolle. Hast Du zum Beispiel Figuren mit sehr ähnlichen Namen, verwirrt dies den Leser vielleicht. Lassen sich komplizierte Namen nicht vermeiden, weil dein Roman in einem für deutsche Leser fremden Kulturkreis spielt, kann eine kleine Charakterübersicht am Anfang des Buches Abhilfe schaffen.

Das Thema der Klarheit spielt besonders in Fantasyliteratur und historischen Romanen eine Rolle. In einem Fantasyroman kann es den Leser verwirren, wenn eine Vielzahl von neuen Namen und Personen auf ihn einströmt. So kann es durchaus irritierend sein, wenn gleich im ersten Kapitel König Theokrates vom Bund von Alderney in seiner Hauptstadt Vexmor auf dem Thron sitzt. Er ist übrigens die mächtigste Person des Kontinents Cunaxa. Ein guter Fantasy-Autor weiß, wie er die zentralen Begriffe seiner erfundenen Welt einführt. Auch ein Schriftsteller historischer Romane hat das richtige Gefühl dafür, wann er bei historischen Details erläuternd eingreifen muss und wann sich Dinge von selbst erklären.

Zur Klarheit gehört es auch, logische Fehler im Handlungsaufbau zu vermeiden. Wenn Du deinen Roman Korrekturlesen lässt, bitte die Person ebenso darum, auf Logikfehler in deinem Buch zu achten. Entscheidest Du Dich für ein professionelles Lektorat, wird der Lektor auch logische Fehler in deinem Manuskript vermerken. Über dem Prinzip der Klarheit steht erneut die Angemessenheit. Schreibst Du zum Beispiel einen regionalen Krimi, ist es sogar erforderlich regional gebräuchliche Wörter zu verwenden. Das Beispiel mit veralteten Wörtern in Fantasy-Literatur hatten wir bereits.

Stilmittel – Sprachfiguren durchaus erwünscht

Mit rhetorischen Stilmitteln kann man ganz Bücher füllen und dies wurde in der Vergangenheit auch mehrfach gemacht. Hier ist die Frage, ob es heute noch angemessen ist, seinen Text mit Metaphern, Alliterationen und Inversionen zu überfrachten und auszuschmücken. Kann man heute so Leser noch erreichen? Literatur ist keine Alltagssprache und bedient sich nie einfacher Worte. Wenn Du aktuelle Romane zur Hand nimmst, findest Du dort häufig Sprachfiguren, sicherlich dezenter eingesetzt wie in anderen Literaturepochen. Auch in diesem Fall hilft die antike Rhetorik weiter. So unterscheidet die Theorie zwischen einem schlichten, mittleren und erhabenen Stil.

Stilmittel
Stilmittel – Nur noch etwas für das Poesiealbum, Bild © by Ilse Dunkel (ille) / pixelio.de

Der schlichte Stil eignet sich für die Lehre und zeichnet sich durch einen treffsicheren wie prägnanten Ausdruck aus. Wer Lehrbücher schreibt, sollte diesen Sprachstil wählen. Beim pathetischen und erhabenen Stil geht es um starke Affekterregung und Gegenstände von hoher Bedeutung. Dieser Sprachstil kommt zum Beispiel in großen politischen Reden zum Einsatz. Der mittlere Sprachstil dient der Unterhaltung der Zuhörer wie Leser und hierzu gehört die Literatur. Es geht um einen Schreibstil, der keine Alltagssprache für belanglose Dinge wie einen Einkauf oder Gespräche über das Wetter ist. Denke immer daran, dein Buch behandelt keine Belanglosigkeiten, sonst würdest Du deine Geschichte nicht erzählen.

Bemühe Dich um eine ansprechende und unterhaltsame Sprache, mit welcher man den Leser erreichen kann. Es geht nicht darum, künstlich und geplant Sprachfiguren zu setzen. Es ist letztendlich dein eigener Schreibstil, der die Figuren aus deiner Feder fließen lässt. Um es abschließenden mit den Worten von Quintilian zu sagen, der den mittleren Sprachstil wie folgt umschreibt: „wie ein Strom, der ruhiger und zwar in klarem Licht, aber an seinen Ufern von grünenden Wäldern beschattet dahinströmt.“ (Quint. XII, 10, 60). Mancher Autor würde sich über einen solchen stetigen Schreibfluss freuen.

Den Leser mit den vier Prinzipien erreichen

Für die antike Rhetorik sind Angemessenheit, Sprachrichtigkeit, Klarheit und Stilmittel die vier Tugenden für eine überzeugende Erzählung. Bei genauer Betrachtung sind die recht alten Strategien, um Zuhörer und Leser zu erreichen von erstaunlicher Aktualität. Orientierst Du Dich bei deinem Roman an diesen vier Prinzipien, sollte es für Dich wesentlich leichter sein, deine Zielgruppe zu erreichen. Überlege Dir genau, welche Personen Du ansprechen willst und halte die Regeln deines Genres ein. Mit einer korrekten, verständlichen und ansprechenden Sprache solltest Du den Leser erreichen. Dies ist leicht gesagt, doch bereits die Antike sah im Verfassen der Erzählung die größte Herausforderung. Letztendlich kann Dir die Theorie nur helfen und Ideen bieten, die Umsetzung ist die Kunst des Autors.

Lebendige Charaktere entwickeln – 5 Tipps für Autoren

Lebendige Charaktere entwickeln – 5 Tipps für Autoren

Wie entwickelst Du überzeugende und lebendige Charaktere für deinen Roman? Im Internet und in Autorenratgebern findet man hierzu eine Vielzahl von Tipps. Dabei gibt es kein Rezept oder einen Baukasten für lebendige Romanfiguren. Wer wissen will, wie man einen überzeugenden Helden entwickelt, schaut sich am besten unsterbliche Charaktere aus der Literatur an. Es gibt eine Vielzahl von fiktiven Romanfiguren, welche uns gerade wie lebende Personen erscheinen und von Autoren meisterlich entwickelt wurden.

Charaktere
Mit unseren fünf Tipps werden Charaktere keine Schatten ihrer selbst, Bild © by Rainer Sturm / pixelio.de

Dieser Beitrag beschäftigt sich vor allem mit der Entwicklung von Hauptcharakteren. Es geht darum, wie Du eine besondere und unverkennbare Figur für dein Buch entwickelst. Der Leser soll mit deinem Helden mitfühlen, sich über seine Rückschläge ärgern und seine Fortschritte bejubeln. Es geht um die Entwicklung des ganz besonderen Charakters. Er hebt sich von den anderen Figuren ab und Du gibst deinem Roman eine unverkennbare Note.

1. Entwickle einen aktiven Helden

Ein überzeugender Romancharakter ist kein passiver Charakter, auf diese kurze Formel kann man es bringen. Der Hauptcharakter deiner Geschichte ist der Held, er muss die Handlung aktiv vorantreiben. Ein passiver Held ist letztendlich eine schwache Figur und gewinnt die Sympathie der Leser nicht. Dabei geht es nicht um eine perfekte Romanfigur, welche problemlos alle Hindernisse aus dem Weg räumt. Dein Held kann und soll sogar Schwächen haben. Es ist vielmehr wichtig, dass dein Buchcharakter sich dem Konflikt stellt und alle Energie aufwendet, die Handlung des Romans voranzutreiben. Nur so können Charaktere eine Entwicklung durchmachen.

Passive Charaktere kommen beim Leser nicht gut an , Bild © by MF / pixelio.de

Eines der schönsten Beispiele für einen Helden, der mit Energie auf sein Ziel zustrebt, ist Frodo aus dem Herrn der Ringe. Obwohl der Ring seinen Willen immer mehr beherrscht und mit jedem Schritt etwas schwerer wird, bewegt er sich auf den feurigen Berg zu und vernichtet den Ring am Ende. Auch Don Quijote ist ein gutes Beispiel für einen aktiven Charakter. Auch wenn ihn die Realität immer wieder böse Streiche spielt und Sancho Panza keine echte Hilfe ist, stellt er sich dem Konflikt und wirklich jeden Konflikt im Roman von Cervantes. Du siehst bereits an diesen Beispielen, aktive Helden müssen nicht perfekt sein und wirklich lebendige wie auch sympathische Figuren sind es auch nicht.

2. Verzichte bei Charakteren auf Stereotypen

Wenn Du deine Romanfigur entwickelst, ist es ratsam nicht mit Stereotypen zu arbeiten. Im Krimi kennt man besonders viele Stereotypen. Hierzu gehören zum Beispiel Draufgängertypen, der tollpatschige Anfänger, Wissenschaftler oder halbkriminelle Ermittler. Du kannst Dir denken, wie viele Geschichten in der Vergangenheit mit solchen Charakteren geschrieben wurden, welche letztendlich immer gleich und damit austauschbar sind. Eine blasse und auswechselbare Figur möchtest Du sicherlich nicht als Hauptcharakter in deinem Buch haben. Doch Du kannst bei deiner Figur mit den Stereotypen spielen und aus typischen Charakterzügen etwas völlig Neues erschaffen.

Wie so etwas funktionieren kann, verdeutlicht eine kleine Geschichte aus der Antike. Zeuxis von Herakleia war griechischer Maler etwa im 4 Jahrhundert v. Chr. Er erhielt den Auftrag, Helena für den Tempel von Kroton zu malen. Der Auftrag war im gewissen Sinne anspruchsvoll, schließlich ging es darum, die schönste Frau der Antike ohne Vorlage zu malen. Doch Zeuxis hatte eine Idee und ließ die fünf schönsten jungen Frauen von Kroton rufen. Die Mädchen hatten auf ihre Art eine perfekte Seite, Zeuxis kombinierte dies und schuf daraus das Bildnis der Helena. Hier liegt eine interessante Kombinationstechnik vor, welche Du auch für Charaktere nutzen kannst. Es wäre ebenso denkbar, dass Du Charakterzüge von stereotypen Figuren niederschreibst, diese kombinierst und damit experimentierst.

3. Gibt deiner Romanfigur ein unverkennbares Merkmal

Viele Romanhelden haben eine Besonderheit, welche diese Figuren unverkennbar macht. Bei Sherlock Holmes ist es seine Tabakpfeife. Oskar Matzerath von Günther Grass wird durch seine Trommel charakterisiert. Harry Potter wiederum hat seine unverkennbare Brille und dazu eine Narbe auf der Stirn. Dann gibt es wiederum unverkennbare Paare wie Don Quijote und Sancho Panza. Diese Charaktere aus ganz unterschiedlichen Zeiten und Genre haben alle ein unverkennbares Merkmal. Es reicht schon ein Bild oder eine graphische Darstellung, damit man jede dieser Romanfiguren ganz einfach erkennen kann. Diese kleinen Besonderheiten sind eine Strategie, um einen lebendigen Buchcharakter zu gestalten.

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Gibt deiner Romanfigur ein unverkennbares Merkmal, Bild © by Hans-Joachim Köhn / pixelio.de

Oft reichen Kleinigkeiten, um eine Figur unverkennbar zu charakterisieren. Las hierbei etwas deine Fantasie spielen. Diese besondere Äußerlichkeit und dieses einzigartige Merkmal sollte nur für deinen Hauptcharakter oder ein Charakterduo deines Romans sein. Dadurch hebt sich dein Held von den anderen Charakteren deines Romans ab. Viele Autoren geben sich auch immer wieder sehr viel Mühe, besonders klangvolle Namen für ihre Romancharaktere zu finden und verwenden sehr viel Energie darauf. Doch man kann darüber streiten, ob eine Hauptfigur einen besonders klangvollen Namen braucht. Sind Charakternamen wie Sherlock Holmes oder Harry Potter besonders originell oder erscheinen sie uns so klangvoll, weil wir sie immer wieder gehört haben. Ein schöner Namen macht zumindest noch keinen lebendigen Charakter.

4. Charaktere sollen Schwächen haben

Neben einer unverkennbaren Besonderheit sollte deine Figur eine oder besser mehrere Schwächen haben. Dadurch wird der Romancharakter menschlich und für den Leser sympathisch. Es können Kleinigkeiten oder Macken sein. Doch diese Schwächen sollten für die Handlung von Bedeutung sein und den Charakter beim Erreichen eines Ziels im Weg stehen. Alibi-Schwächen wie die Angst vor Spinnen oder Flugangst, obwohl im ganzen Roman keine Spinne oder ein Flugzeug vorkommen, sind letztendlich Scheinschwächen und werden vom Leser eiskalt durchschaut. Es ist ratsam, dass Du deine Figur im Verlauf der Handlung einige Schwächen ablegen lässt und so eine Entwicklung stattfindet.

Ein schönes Beispiel für einen Charakter, der immer mit seinen Schwächen zu kämpfen hat, ist Pierre Besuchow aus Krieg und Frieden von Leo Tolstoi. Sein Hang zum übermäßigen Essen und Trinken behindert ihn immer wieder. Auch seine Gewohnheit auf einem adligen Gesellschaftsabend mehr dem Wein als seinen Gesprächspartnern, Aufmerksamkeit zu schenken, bringt ihn immer wieder in Schwierigkeiten. Erst gegen Ende von Tolstois Wälzer, wo sich Pierre in französischer Gefangenschaft befindet, beginnt er langsam diese Laster abzulegen. Wenn Du einfallsreich bist, kannst Du aus der Schwäche deines Romancharakters eine echte Stärke machen. John Franklin als Hauptfigur in Entdeckung der Langsamkeit (Sten Nadolny) macht sein Handicap im Verlauf des Romans zu einer Stärke, indem seine Schwäche der Langsamkeit besondere Ruhe und Genauigkeit entgegensetzt.

5. Erstelle ein Charakterblatt für deine Figuren

Es ist sinnvoll, für die wichtigsten deiner Figuren ein kleines Charakterblatt zu erstellen. Dort kannst Du alles notieren, was Dir wichtig erscheint. Hierzu können zum Beispiel die äußerlichen Merkmale, Eigenschaften oder die Vorgeschichte der fiktiven Figur gehören. Es ist ratsam dieses Charakterblatt immer zu pflegen und bei Bedarf zu erweitern. Selbst wenn Du nicht alle diese Details für dein Buch brauchst, gibst Du damit deinen Figuren auf diese Weise mehr Tiefe und so entstehen lebendige Charaktere. Perfektionisten sollten hier jedoch nicht übertreiben und zu viel Zeit in die Figurenentwicklung investieren.

Es gibt verschiedene Programme, welche Dir die Erstellung von Figuren-Datenbanken ermöglichen. Das bekannteste deutschsprachige Programm hierzu ist Papyrus Autor. Aus Österreich kommt Patchwork. Das Autorenprogramm bot zuletzt einen immer größeren Leistungsumfang. Viele Autoren schwören auf das englischsprachige Scrivener mit umfangreichen Funktionen für Schriftsteller. Die drei genannten Programme sind kostenpflichtig. Sucht Du nach einer kostenlosen Software, empfiehlt sich das englischsprachige yWriter. Auch mit diesem Programm kann man Charaktere verwalten. Doch wenn es Dir wirklich nur um eine Figuren-Datenbank geht, kannst Du selber Charakterbögen nach deinen Wünschen mit einem Textverarbeitungsprogramm erstellen. Selbst die gute alte Karteikarte kann diesen Zweck erfüllen. Du hast diese Karten dazu jederzeit griffbereit, selbst wenn Du nicht am Computer an deinen Roman arbeitest.

Nicht alle Figuren werden mit Autorenratgebern und am Schreibtisch entwickelt

Zu Beginn wurde es schon gesagt: Es gibt kein Rezept für gute Charaktere. Doch wenn Du diese fünf Tipps befolgst, wird der Held deines Romans überzeugender als die Figuren in vielen anderen Büchern. Dazu ist es nicht sinnvoll, alle Romancharakter am Schreibtisch zu entwickeln. Beobachte Menschen in deiner Umgebung. Lasse Dich von Freunden, Bekannten und Verwandten inspirieren. Auch wenn es etwas platt klingt: Das Leben schreibt die besten Geschichten und erfindet die originellsten Charaktere. Im Alltag findest Du sicherlich die richtige Inspiration und Ideen für Romanfiguren. Mit den 5 Tipps für lebendige Charaktere kannst Du dann eine Figur entwickeln, welche den Leser anspricht.