Füllwörter im Roman – Alles Wissenswerte für Autoren

Füllwörter im Roman – Alles Wissenswerte für Autoren

Zahlreiche Füllwörter sind ein Kennzeichen für einen schlechten Text und hemmen den Lesefluss. Sie gelten als Wörter ohne Aussagekraft. Dieser Beitrag behandelt den richtigen Umgang mit Füllwörtern. Wann musst Du die Formulierungen streichen und wann kannst Du sich im Roman stehen lassen?

Zu viele Füllwörter sind ein Kennzeichen für einen schlechten Roman und stören die Lesbarkeit. Sie kommen in der Alltagssprache vor, gehören nicht in journalistische oder literarische Texte. Wörter wie besonders, gewiss oder wohl fließen beim Schreiben ungewollt in den Text. Wenn Du an deinem Buch arbeitest, solltest Du bei der ersten Fassung nicht auf solche Wörter achten.

Füllwörter streicht ein Autor bei der Überarbeitung

Füllwörter streicht ein Autor beim Bearbeiten des Textes. Hier kommt jede Formulierung auf dem Prüfstand. Nicht jedes Wort muss dem Rotstift zum Opfer fallen. In Dialogen machen Wörter wie wirklich oder zweifelslos durchaus Sinn, um Inhalte emotional zu färben. Bei Gedichten können sie dazu dienen, einen Vers zu glätten. Ein grober Richtwert:  Literarische Texte haben einen Anteil von 5 bis 6 Prozent an Füllwörtern.

Der Umgang mit Füllwörtern

Was ist ein Füllwort überhaupt? Es handelt sich um ein Wort ohne Aussagekraft. Streichst Du alle diese Wörter ersatzlos, gewinnt dein Text an Qualität und lässt sich flüssiger lesen. Beim Schreiben deines Romans achte noch nicht auf jede einzelne Formulierung. Die Gefahr ist groß, an einzelnen Wörtern hängen zu bleiben und Sätze mehrfach neu zu formulieren. Auf diese Weise verlierst Du wertvolle Zeit beim Schreiben. Füllwörter kommen beim Überarbeiten deines Romans auf den Prüfstand. Um diese Wörter streichen zu können, sollte jeder Autor die Vielzahl an Füllwörtern kennen.

Es gibt im Internet verschiedene Listen mit Wörtern ohne Aussagekraft, ob diese Listen vollständig sind, lässt sich schwer beurteilen. Interessanter sind Internetseiten, die einen Text analysiert und entsprechende Wörter markieren. Eine hilfreiche Seite ist Letter Factory. Kopiere deinen Text in das Formular. Füllwörter werden daraufhin rot markiert und in Klammern angezeigt. Das Tool nennt Anzahl und Prozentanteil der Wörter ohne Aussagekraft. Alternativ kannst Du die Wörter durch ein xxx ersetzen oder ganz streichen lassen. So bekommst Du einen guten Eindruck, wie sich dein Text komplett ohne Füllwörter aussieht.

Es ist mühselig, einen ganzen Roman in ein Textformular zu kopieren. Es gibt verschiedene Software für Autoren, die Füllwörter anzeigen und noch viel mehr bieten. Beispiel sind Programme wie Papyrus Autor oder Patchwork. Sie analysieren den Text und liefern eine umfangreiche Stilanalyse ab. Die Software bemängelt zum Beispiel auch Adjektive oder Nominalstil.

Welche Füllwörter können stehen bleiben?

Bei der Überarbeitung deines Romans ist es nicht notwendig, alle Füllwörter zu streichen. Gerade in Dialogen ist es sinnvoll, Formulierung wie auch, jedoch oder natürlich stellen zu lassen. Dialoge bilden auf diese Weise die Alltagssprache ab. Romanfiguren lassen sich durch die Verwendung von Füllwörtern oder Phrasen charakterisieren. Im richtigen Maße eingesetzt, können die Wörter die gewünschte Wirkung in Dialogen erzielen.

Füllwörter erzielen richtig eingesetzt ihre Wirkung

Es gibt eine weitere Ausnahme. Füllwörter geben einem Text richtig eingesetzt einen ironischen Unterton, wie ein Beispiel zeigt: „Meine Bemühungen als Geschäftsmann waren nicht wirklich erfolgreich, zog ich noch die Kosten für den Managementkurs ab, befand ich mich bei meinen Einnahmen sogar im Minus.“ Dialoge und ein ironischer Unterton sind zwei Ausnahmefälle, hier kannst Du als Autor mehr Füllwörter als üblich stehen lassen. Doch muss man diese Wörter in seinem Roman konsequent streichen? Hier sollten zwei Aspekte eine Rolle spielen: Lesbarkeit und Aussagekraft. Wie gut lässt sich ein Satz lesen? Wie ist die Wirkung, wenn bestimmte Formulierungen gestrichen werden? Macht ein Füllwort die Aussage eines Satzes klarer? Es hilft viel, den eigenen Text laut zu lesen und so das Gefühl für die richtige Wortwahl zu bekommen. Es ist lehrreich, sich Beispiel aus der Literatur anzuschauen. Du kannst jedes beliebige Buch aus deinem Regal nehmen.

Wir haben als Beispiel „Ansichten eines Clowns“ genommen. Im Roman von Böll muss man nicht lange nach Füllwörtern suchen. Am Anfang von Kapitel 3 heißt es: „Ich fühlte mich zum ersten Mal halbwegs wohl in dieser Wohnung; es war warm und sauber, und ich dachte, als ich meinen Mantel an den Kleiderschrank hängte und meine Guitarre in die Ecke stellte, darüber nach, ob eine Wohnung vielleicht doch etwas mehr als eine Selbsttäuschung ist.“ Formulierungen wie „halbwegs“ oder besonders „vielleicht doch etwas mehr“ ließen sich streichen. Böll möchte mit seinen Sätzen verdeutlichen, dass er noch immer am Sinn der Sesshaftigkeit zweifelt, schließlich bestand sein Leben nur aus Reisen. Füllwörter haben ihren Sinn. Geben die Wörter deinen Satz Aussagekraft und stören sie nicht den Lesefluss, dann lass sie stehen.

Fazit des Buchinsiders: Wie gehe ich mit Füllwörtern um?

Viele Füllwörter sind ein Kennzeichen für einen schlechten Roman. Die Wörter „ohne Aussagekraft“ haben durchaus ihre Berechtigung im Text. In Dialogen bilden sie die Alltagssprache ab und können zur Charakterisierung von Figuren genutzt werden. Die Wörter geben richtig eingesetzt, einem Roman einen ironischen Unterton.

Bei der Überarbeitung deines Manuskripts solltest Du die meisten Füllwörter streichen, sich machen deinen Roman schwer lesbar. Geben die Wörter deinen Satz zusätzliche Aussagekraft und stören sie nicht den Lesefluss, las sie stehen. Häufig hilft es, den Text laut zu lesen, um das Gefühl für die richtige Wortwahl zu bekommen. Eine kleine Orientierung: Ein Roman enthält im Durchschnitt 5 bis 6 Prozent an Füllwörtern.

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