Wie entwickele ich Nebenfiguren für meinen Roman?

Wie entwickele ich Nebenfiguren für meinen Roman?

Wie entwickelst Du Nebenfiguren für deinen Roman? Diese Frage wird in Autorenratgebern immer wieder stiefmütterlich behandelt, das Augenmerk vieler Ratgeber liegt auf der Entwicklung der Hauptfiguren. Dabei sind durchdachte und originelle Nebencharaktere in einem Buch wichtig und tragen ihren Teil zum Erfolg eines Romans bei. Doch was sind überhaupt alles Nebenfiguren und wie kann man diese Charaktere definieren? Hier gehen die Meinungen auseinander. So gibt es Ratgeber, die Nebenfiguren eigene Handlungsstränge zugestehen. Im Internet und in Schreibratgebern findest Du auch eine völlig gegensätzliche Meinung: Nebenfiguren sind reine Handlager und haben nur einen geringen Einfluss auf die Handlung.

Bei Nebenfiguren gibt es eine große Vielfalt, Bild © by Stephanie Hofschlaeger / pixelio.de

Statt sich an den beiden Extremen zu orientieren, ist es ratsamer sich klar zu machen, dass es eine große Vielfalt an Nebenfiguren in der Literatur gibt. Denke nur einmal an historische Romane. Hier findest Du eine Vielzahl von Hauptfiguren und Nebencharakteren. Die Figuren mit einer Nebenrolle haben in diesen Büchern nie die gleiche Bedeutung und einen unterschiedlichen Anteil an der Handlung. Ein weiteres schönes Beispiel wie groß die Vielfalt an Nebencharakteren sein kann, sind die Bücher der Harry Potter-Reihe. Joanne K. Rowling hat diese Figuren alle liebevoll entwickelt und dies macht das Harry Potter Universum für die Leser auch so reizvoll.

Bevor es um die Frage der Figurenentwicklung geht, ist es sinnvoll Hauptfiguren und Nebenfiguren voneinander abzugrenzen. Ebenso klären wir den Unterschied von Nebencharakteren und reinen Statisten in Romanen.

Nebenfiguren sind keine Hauptfiguren

Eine Nebenfigur ist keine Hauptfigur, auf diese einfache Formel kann man es bringen. Somit treibt ein Nebencharakter im Regelfall die Handlung deines Romans nicht voran, dies bleibt dem Held deines Buches überlassen. Hier kann es durchaus Ausnahmen geben. So kann eine Figur im Auftrag des Hauptcharakters handeln. Ein sehr schönes Beispiel hierfür findet man im Herrn der Ringe. In den Moment, wo Frodo von der Spinne Kankra außer Gefecht gesetzt wird, übernimmt Sam seine Rolle und trägt den Ring. Dies ist im gewissen Sinne Geschäftsführung ohne Auftrag. Bei der späteren Rückgabe des Rings von Sam im Turm von Cirith Ungol sagt Frodo sehr treffend: „Ich muß die Last bis zu Ende tragen. Es läßt sich nicht ändern.“ Hier siehst Du recht deutlich den Unterschied zwischen einem Hauptcharakter und einer Nebenfigur.

Gerade an unzertrennlichen Charakterduos der Weltliteratur kann man den Unterschied zwischen Hauptcharakter und Nebenfigur zusätzlich verdeutlichen. Ein Sherlock Holmes ist ohne Dr. Watson nicht denkbar. Zu einem Don Quijote gehört ein Sancho Panza. Jedem Leser wird schnell klar, wer die erste und zweite Geige spielt, jedoch alle diese Romanfiguren haben die Autoren liebevoll und detailliert entwickelt. Viele Schriftsteller zeichnen ihre Helden mit einem unverkennbaren Merkmal aus. Hierzu gehören zum Beispiel die Narbe von Harry Potter und seine Brille, die Tabakpfeife von Sherlock Holmes und selbst die traurige Gestalt von Don Quijote. Solche unverkennbaren Merkmale sollten nur die wichtigsten Charaktere oder der Held deines Romans haben. So kannst Du wichtige Figuren gegen Nebenfiguren abgrenzen

Was sind alles Nebenfiguren?

Was sind nun alles Nebencharaktere? Hier ist die Vielfalt groß. Ein schönes Beispiel für die Vielfalt an Nebenrollen in der Literatur bietet der historische Wälzer Krieg und Frieden mit seinem Figurenreichtum. Der Frauenheld Kurágin hat im Tolstois Buch eine wichtigere Rolle als der kriegsgefangene Bauer Platon Karatájew oder der Artillerieoffizier Túschin, doch dies sind alles Nebenfiguren und diese Figuren spielen ihre Rolle im Roman. Kurágin gewährt Tolstoi mit seiner Affäre mit Natáscha Rostow eine Nebenhandlung in seinem Buch. Eine Figur wie der Bauer Platon hat wiederum die Funktion mit seiner einfachen Sichtweise auf die Welt, dem Hauptcharakter Pierre Besuchow die „Augen zu öffnen.“ Auch wenn die Nebenfiguren bei Tolstoi ein recht unterschiedliches Gewicht haben, bleiben sie dem Leser im Gedächtnis. Hauptcharaktere und Nebenfiguren gleichermaßen zu gestalten, ist die eigentliche Kunst der Figurenentwicklung.

Nebenfiguren
Nebenfiguren sind austauschbar , Bild © by Stephanie Hofschlaeger / pixelio.de

Bei Figuren mit Nebenrolle gibt es eine Unterscheidungsmöglichkeit: Es gibt Nebenfiguren mit einem eigenen Handlungsstrang und Charaktere ohne eigene Handlung. Diese Figuren haben ein unterschiedliches Gewicht für den Plot deines Romans, Du solltest ihnen bei der Ausarbeitung jedoch die gleiche Aufmerksamkeit schenken. Alle Nebenfiguren haben eine Gemeinsamkeit: Sie sind ersetzbar. Nehmen wir die Vielzahl an originellen Nebenfiguren der Harry Potter Bücher als Beispiel. Letztendlich spielt es nicht so eine große Rolle, wer Harry, Hermine und Ron jedes Jahr unterrichtet. Dies sieht man sehr schön am Lehrer für Verteidigung gegen die Dunklen Künste. In jedem Band finden wir hier einen neuen Charakter. Harry Potter würde vielleicht gerne seine dunkle Lordschaft aus den Büchern verbannen, aber hier hat Joanne K. Rowling ein Wörtchen mitzureden.

Nebenfiguren sind keine Statisten

Nebenfiguren sollten keine reinen Statisten sein. Statisten sind Charaktere, welche in einer einzelnen Szene auftauchen und rein funktional sind. Hierzu kann zum Beispiel ein Archivar gehören, der dem ermittelnden Helden den Zugang zu alten Unterlagen in einem Kriminalfall gewährt. Dabei können auch Statisten originelle Figuren sein. Im Abenteuerroman „Der Kurier des Zaren“ von Jules Verne gibt es in einem Kapitel die Figur eines Beamten im Telegrafenamt. Während die Tataren das Haus beschießen, soll der Mitarbeiter ein Telegramm aufnehmen. Obwohl die Lage höchst kritisch ist, lässt sich der Beamte bei seiner Arbeit nicht aus der Ruhe bringen und geht der Tätigkeit im gewohnten Tempo nach. Nachdem eine größere Granate die Mauer des Telegrafenamtes zerstört, muss er zu seinem Bedauern feststellen „Mein Herr, die Leitung ist unterbrochen.“ Der Beamte schließt den Schalter, nimmt seinen Hut und geht.

Diese Figur taucht nur in der Szene im Telegrafenamt auf, sie wird nicht näher beschrieben und hat auch keinen Namen. Dieser Statist hat im Roman nur die Funktion ein Telegramm zu verschicken. Nebenfiguren grenzen sich klar von solchen Statisten ab, welche sich sicherlich auch in deinem Roman finden. Diesen Figuren musst Du keine so große Aufmerksamkeit widmen, sie brauchen keinen Namen und auch keine äußerliche Beschreibung. Statisten bieten trotzdem die Möglichkeit, originelle oder skurrile Figuren zu entwickeln. Ein schwerhöriger Archivar kann deinen Helden durchaus einige Probleme bei der Recherche bereiten.

Wie entwickele ich nun Nebencharakter?

Doch wie entwickelst Du nun Nebenfiguren? Für diese Charaktere gelten weitgehend die gleichen Tipps wie für Hauptfiguren. So sollten die Figuren mit Nebenrolle nicht stereotyp sein und auch Schwächen haben. Es kann durchaus sinnvoll sein, ein Charakterblatt für diese Figuren zu führen. Dieser Charakterbogen muss nicht so detailliert wie für deine Hauptfiguren sein. In zwei wichtigen Punkten unterscheiden sich die Nebencharaktere von deinem Held, sie haben kein besonderes Merkmal und treiben auch nicht aus eigenem Willen die Handlung voran. Dabei sind Nebenfiguren auch keine reinen Statisten. Sie spielen ihre Rolle in deinem Buch und haben teilweise einen Handlungsstrang. Widme in jedem Fall deinen Hauptfiguren wie den wichtigen und weniger wichtigen Charakteren mit Nebenrolle bei der Ausarbeitung die gleiche Aufmerksamkeit. So entstehen Figuren, welche den Leser im Gedächtnis bleiben.

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