Wie gestalte ich den Spannungsbogen eines Romans?

Wie gestalte ich den Spannungsbogen eines Romans?

Du möchtest ein spannendes Buch schreiben? Der Spannungsbogen des klassischen Dramas ist ein Modell für fesselnde Romane. Jeder Autor sollte die Spannungskurve mit fünf Phasen kennen. Vielleicht ist das passende Muster für dein Buch?

Wie lässt sich ein Roman besonders spannend schreiben und inszenieren? Einen Weg stellt der Spannungsbogen bzw. die Spannungskurve, wie wir sie aus dem klassischen Drama kennen, dar. Diese Begriffe kennst Du sicherlich noch aus dem Schulunterricht und manch einer hat an die mitunter langweilige Dramenanalyse keine gute Erinnerung. Der Aufbau eines fünfaktigen Dramas kann auch als Modell für einen Roman dienen und ist ein Weg um Spannung aufzubauen. Sicherlich gibt es auch andere Möglichkeiten wie die Heldenreise, um den Plot eines Romans zu entwickeln.

Wie kann ich meinen Leser fesseln?

Für einen Autor ist es sinnvoll, möglichst viele Wege zu kennen, um seinen Roman spannend zu gestalten. Dabei muss Du Dich nicht sklavisch an Muster halten, sondern kann die Modelle für deine Geschichte anpassen. In diesem Beitrag stellen wir den Spannungsbogen des klassischen Dramas vor. Dieses Modell lässt sich auch auf einen Roman übertragen.

Spannung in fünf Schritten erzeugen

In diesem Beitrag geht es um die Spannungskurve des Dramas in fünf Akten. Wie der Name es schon sagt, eignet sich das Muster nur für Romane, die tragisch mit einer Katastrophe enden. Schreibst Du lieber Bücher mit Happy End, ist dieses Modell für deine Geschichte denkbar schlecht geeignet. Beim Spannungsbogen des Dramas ist alles darauf ausgelegt, den Zuschauer oder Leser zu erregen. Kurz vor der Katastrophe wird noch mit den Erwartungen gespielt, eine mögliche Lösung zum Guten scheint in greifbarer Nähe und am Ende wendet sich doch alles zum Schlechten.

1. Exposition: Die Exposition stellt den Einstieg in die Handlung dar und behandelt die Situation vor dem erregenden Moment. Der Leser erfährt alles Wichtige über Vergangenheit und Gegenwart der Hauptfiguren, um den folgenden Konflikt verstehen zu können. In dieser Phase wird der Konflikt angedeutet und initiiert. Im klassischen Drama beginnt die Handlung am Anfang und die Geschichte wird linear erzählt. In der Dramentheorie wurde häufig die Forderung gestellt, nach der Exposition mehr keine neuen wichtigen Figuren einzuführen. Der Spannungsbogen steigt leicht.

2. Erregendes Moment: In der zweiten Phase nimmt die Handlung Fahrt auf. Dieser Moment bestimmt die weitere Handlung der Geschichte und soll das Interesse des Lesers wecken. Protagonist und Antagonist werden tätig, der Konflikt schaukelt sich Schritt für Schritt hoch. Der Held hat in dieser Phase die Handlung unter Kontrolle oder er glaubt, alles noch in den Händen zu haben. Beim Konflikt kannst Du als Autor deine ganze Phantasie spielen lassen. In zahlreichen Dramen werden im Akt 2 die wildesten Intrigen gesponnen. Der Spannungsbogen steigt.

Der Spannungsbogen des Dramas ist auch ein Modell für Romane.

3. Höhepunkt: In der Peripetie nimmt die Handlung ihre endgültige Wendung. Der Konflikt befindet sich auf seinem Höhepunkt. Eine Umkehr ist an dieser Stelle nicht mehr möglich. Hier findet die Wendung zum Schlechten statt, die Katastrophe ist in Sicht. Der Held macht in dieser Phase die entscheidende Auseinandersetzung durch. In vielen Dramen wir der Höhepunkt besonders kunstvoll inszeniert, die Spannung befindet sich für die Zuschauer auf dem Höhepunkt. Auch in einem Roman solltest Du den entscheidenden Konflikt besonders eindrucksvoll und spannend beschreiben. Der Spannungsbogen steigt vor dem Wendepunkt stark und fällt danach ebenso stark.

4. Retardierendes Moment: Das retardierende Moment spielt besonders mit der Erwartung des Zuschauers oder Lesers und es wird noch einmal richtig spannend. Der Konflikt scheint sich lösen zu lassen, ein Happy End ist in greifbarer Nähe. In Wirklichkeit wird in dieser Phase die Katastrophe nur hinausgezögert. Leser und Zuschauer fiebern und leiden besonders mit, wenn die Rettung des Helden in letzter Sekunde scheitert. Der Spannungsbogen steigt ein letztes Mal.

5. Katastrophe: In der Katastrophe werden alle Verwicklungen aufgelöst, die Dinge wenden sich für den Protagonisten zum Schlechten. In der Dramentheorie wird häufig der Tod des Helden oder der Hauptcharaktere als denkbar größte Katastrophe gefordert. Es gibt eine Unzahl von klassischen Dramen, die mit dem Tod der Protagonisten enden. Denke nur an Maria Stuart, Emilia Galotti oder Romeo und Julia. Mitunter findet der Autor auch andere Lösungen. Räuber Moor stellt sich am Ende des Dramas zum Beispiel der Justiz. Der Spannungsbogen fällt am Ende.

Der Spannungsbogen des Dramas eignet sich nicht für alle Romane

Ohne Zweifel, die Spannungskurve des klassischen Dramas eignet sich nicht für alle Genre. Ein Liebesroman lässt sich damit nicht schreiben, außer Du willst ein Buch wie Romeo und Julia veröffentlichen. Der Spannungsbogen eignet sich hingegen besonders gut für Romane, in welchen sich ein Protagonist und Antagonist gegenüberstehen. Im Verlauf der Geschichte steigert sich die Spannung durch Handlung und Gegenhandlung der Hauptfiguren immer weiter, es können wilde Intrigen gesponnen werden. Irgendwann tritt dann das Moment ein, wo sich die Katastrophe nicht mehr verhindern lässt. Du kannst den Leser noch Hoffnung auf Rettung machen, doch der Weg deiner Hauptfigur endet in der Katastrophe.

Der Held scheitert am Ende. Das Ende muss nicht zwangsläufig durch den Tod erfolgen. Der Spannungsbogen aus dem klassischen Drama ist im gewissen Maße das Gegenmodell zur Heldenreise, wie wir es in der Mythologie findet. Bei der Heldenfahrt vernichtet der Hauptcharakter den Gegner, im Drama wird er selbst vernichtet.

Der Spannungsbogen des klassischen Dramas eignet sich nicht für jedes Genre. Schreibst Du an einem Buch mit ausgeprägten Konflikt und ein erbitterter Protagonist und Antagonist stehen sich gegenüber, ist die Spannungskurve ein geeignetes Muster für deinen Plot.

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