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Schlagwort: Kreatives Schreiben

Mini-Schreibkurs für Debütautoren

Mini-Schreibkurs für Debütautoren

Der Blog ein-buch-schreiben.com startet mit einem Mini-Schreibkurs für Debütautoren. Der kostenlose Kurs richtet sich vor allem an Erstautoren, aber auch an alle Schriftsteller mit Freude am kreativen Schreiben auf der Suche nach neuen Ideen und Impulsen. Der Mini-Schreibkurs besteht aus 8 Einheiten und läuft bis zum Mai 2018. Jede Woche veröffentlichen wir in unserem Autorenblog eine kleine theoretische Einheit und zwei Schreibaufgaben (Dienstag und Donnerstag). Der Kurs beleuchtet die gesamte Arbeit an einem Roman von der Ideenfindung bis zur Veröffentlichung. Besuche wöchentlich unseren Blog, um keine Aufgabe zu verpassen.

Einsteiger-Ratgeber
Der Einsteiger-Ratgeber „Ein Buch schreiben und Autor werden“

Wie läuft der Mini-Schreibkurs ab?

Jede Schreibaufgabe besteht aus zwei Teilen. Der erste Teil der Aufgabe lässt sich in wenigen Minuten lösen, weiterhin wird es einen optionalen Teil geben, der etwas mehr Zeitaufwand erfordert. So kann jeder Teilnehmer selber entscheiden, wie tief er in die Materie einsteigen möchte. Im Schreibkurs wird die Praxis vor der Theorie den Vorrang haben. Die Schreibaufgaben hängen nicht voneinander ab. Ein Einstieg in den Mini-Schreibkurs oder das Auslassen von Aufgaben ist jede Woche möglich. Einzelne Schreibaufgaben werden genrespezifische (z.B. Fantasy, Krimi) sein, dies ist jedoch nicht der Regelfall.

Postet Euer Ergebnis einfach in den Kommentaren unter der Aufgabe auf unserer Facebookseite „Ein Buch schreiben“.

Einheit 1: Kreativitätstechniken

Es gibt eine Vielzahl von Kreativitätstechniken. Doch welche Techniken sind für Autoren interessant? In unserem Mini-Schreibkurs wollen wir Dir zwei effektive Methoden vorstellen. Bei der Lexikontechnik schlägst Du ein Wörterbuch oder Lexikon an unterschiedlichen Stellen auf. Suche vier bis fünf Begriffe aus. Die Worte können Dir als Denkanstoß dienen oder als Grundlage für eine Schreibaufgabe. Eine weitere interessante Methode für Autoren ist die Semantische Intuition. Notiere Dir eine Vielzahl von themenverwandten Wörtern und kombiniere diese, um neue Ideen zu finden.

Lexikontechnik

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Schreibkurs Aufgabe 1-1 Kreativitätstechniken (Lexikontechnik)

Beispiel für Aufgabe 1-1 (G4): „Und sie hatten mich noch gewarnt. Rühre nicht an der Lampe herum, darin befindet sich ein gestreifter Dämon. Doch ich hatte nur halb zugehört. Der böse Geist erschien, statt drei Wünschen bekam ich ein Ticket direkt zur Hölle.“ Optional in der Langversion mit 150-250 Wörtern.

Semantische Intuition

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Schreibkurs Aufgabe 1-2 Kreativitätstechniken (Semantische Intuition)

Beispiel für Aufgabe 1-2: „Der Steinkobold gehört zu den besonders hinterlistigen Geschöpfen in dunklen und tiefen Verließen. Viele Abenteurer halten ihn für eine Statue, doch wenn sie ihn den Rücken kehren, wird er lebendig. Das bösartige Wesen schleicht er sich von hinten an und klaut Proviant, Fackeln oder andere lebensnotwendige Dinge. Hüte Dich vor dem Steinkobold!!“ Optional in der Langversion mit 150-250 Wörtern.

Einheit 2: Buchidee finden

Es gibt nur selten völlig neue Romanideen. In der Literatur werden immer wieder die gleichen Motive und Themen bearbeitet. In unserem Mini-Schreibkurs geben wir Dir einen Überblick über klassische, literarische Stoffe. Entscheide Dich für ein Motiv und interpretiere es neu. Oder kombiniere Themen miteinander, um eine neue Romanidee zu gewinnen. Auch historische Personen können eine Inspiration für deinen Roman bieten. Als Autor musst Du deiner Buchidee deinen eigenen Stempel aufdrücken. Ein Buch lebt von der Umsetzung der Geschichte, deinen Schreibstil und den Figuren.

Klassische Themen und Motive

Schreibkurs Aufgabe 2-1 Buchidee finden (Klassische Themen und Motive)

Beispiel für Aufgabe 2-1: (Kombination der Motive „Künstlicher Mensch + Heimliche Liebe“): „Nach vielen gescheiterten Versuchen ist es Dr. Clive gelungen, den Roboter Prometheus zu entwickeln. Die künstliche Intelligenz empfindet sogar Gefühle. Die Welt staunte. Noch mehr staunte Dr. Clive, als er Prometheus mit seiner Frau Mary im Bett fand.“ Optional in der Langversion mit 150-250 Wörtern.

Historische Persönlichkeiten

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Schreibkurs Aufgabe 2-2 Buchidee finden (Klassische Themen und Motive)

Beispiel für Aufgabe 2-2: „Julius Cesar war in Wirklichkeit Gestaltwandler. Die Ermordung von Cesar durch Brutus basiert auf Fake News von CNN (Capitol News Network). Der Gestaltwandler wurde nie erdolcht, sondern regierte als Augustus noch viele Jahre weiter.“

Einheit 3: Recherche

Zur Arbeit an einem Buch gehört auch Recherche dazu. Einige Genre wie Historischer Roman, Krimi oder Reiseliteratur erfordern besonders viel Recherchearbeit. Dank dem Internet ist heute die Informationsbeschaffung viel einfacher geworden. Jedoch solltest Du Dich bei deiner Recherche nicht nur auf das World Wide Web verlassen. In Bibliotheken findest Du in Fachbüchern Informationen, die ein Thema tiefergehender behandeln. Bei der Recherche ist ein Autor im Regelfall mit zwei Problemen konfrontiert. Entweder gibt es nur sehr wenige Informationen zu einem Thema oder man muss mit einer wahren Informationsflut kämpfen.

Recherche (wenig Informationen)

Schreibaufgabe 3-1 Recherche (Wenig Informationen)
Schreibkurs Aufgabe 3-1 Recherche (Wenig Informationen)

Beispiel für Aufgabe 3-1: Wir habe ein Thema als Beispiel (Historischer Roman) gewählt, das sich nicht in der Grafik findet: “Korax gilt als der Begründer der Rhetorik. Er lebte im 5. Jh. v. Chr. in Sizilien und hatte ein einflussreiches Amt am Hofe des Tyrannen Thrasybulos. Nach dem Sturz des Tyrannen versuchte Korax seinen Einfluss zu behalten, indem er als politischer Redner in der neuen Demokratie auftrat. Aus dieser praktischen Tätigkeit entwickelte er die Grundzüge der antiken Rhetorik. Er arbeitete als erster Rhetor die fünf Produktionsstadien der Rede aus, sie gelten noch bis heute. Weiterhin verfasste er Musterreden und veröffentlichte sie in Handbüchern. Von seinen Schriften ist heute nichts mehr erhalten. Sein erster und zugleich bedeutendster Schüler war Teisias aus Syrakus. Gemeinsam mit seinem Schüler hat Korax offenbar mehrere der angesprochenen Handbücher verfasst, bis es zu einem Streit über die Zahlung des Lehrgelds kam. Wir wissen wenig vom Leben von Korax. In mehreren antiken Quellen wird er übereinstimmende als Begründer der antiken Rhetoriklehre genannt. Seine Leistung besteht ohne Zweifel darin, der praktischen Rhetorik eine theoretische Grundlage gegeben zu haben. Weiterhin hatte er enormen Einfluss auf die Entwicklung der Gerichtsrhetorik. ” (Quellen: Wikipedia, Der neue Pauly, Cicero (Brutus)).

Recherchequellen

Schreibkurs Aufgabe 3-2 Recherchequellen
Schreibkurs Aufgabe 3-2 Recherchequellen

Beispiel für Aufgabe 3-2: Top 5: Internet, Fachliteratur (Monographien), Lexikonartikel, Recherche über Facebook oder Internetforen ,Gespräch mit Experten.

Einheit 4: Ein Buch planen

Bevor Du mit dem Schreiben an deinem Roman beginnst, solltest Du diesen zumindest grob strukturieren. So vermeidest Du Fehler im Handlungsverlauf und bei der Charakterlogik. Es ist nicht notwendig, sein Buch anhand eines Plots bis ins letzte Detail durchzuplanen. Zu Beginn reicht es vollkommen aus, wenn Du deinen Roman in Grundzügen strukturierst. Während des Schreibprozess kannst Du dann einzelne Kapitel genauer planen. Bei einer Arbeit an einem Buch wechseln sich Phase des Schreibens und Planens ab. Wer gerne mit Software arbeitet, findet übrigens eine Vielzahl von Programmen zur Buchplanung.

Roman strukturieren

Schreibkurs Aufgabe 4-1 Buch strukturieren
Schreibkurs Aufgabe 4-1 Buch strukturieren

Beispiel für Aufgabe 4-2: „Chantal lernt Hannes kennen, Chantal heiratet, O1: Chantal macht mit Freundinnen Urlaub auf Mallorca (Ballermann), Chantal lernt Eduardo kennen, Chantal lässt sich scheiden, Chantal wird schwanger, Kevin kommt auf die Welt, Eduardo betrügt Chantal,  O2: Als Chantal völlig niedergeschlagen ist, erfährt sie überraschend von einer großen Erbschaft und beginnt ein neues Leben mit Kevin.“ Optional in der Langversion mit 150-250 Wörtern.

Schreibprogramme für Autoren

Schreibkurs Aufgabe 4-2 Programme für Autoren
Schreibkurs Aufgabe 4-2 Programme für Autoren

Beispiel für Aufgabe 4-2: Ich habe mir vor einigen Monaten das kostenlose Schreibprogramm yWriter6 heruntergeladen. Das Programm gab es in früheren Versionen nur in englischer Sprache, mittlerweile existiert auch eine Version mit deutscher Benutzeroberfläche. yWriter ist sicherlich nicht so umfangreich wie Scrivener oder Papyrus Autor, sollte jedoch für die Planung eines Romans völlig ausreichend sein. Es lassen sich zum Beispiel Szenen, Schauplätze, Charaktere und Gegenstände für jedes Kapitel erstellen. Interessant finde ich das Beispielsprojekt bei yWriter. Das Beispiel erleichtert den Einstieg ins Programm. Bei der Recherche nach Schreibprogrammen für Autoren bin ich auf WriteWay gestoßen. Das Programm existiert seit dem Jahr 2003 und wurde immer weiterentwickelt. Der Entwickler ist mittlerweile im Ruhestand und WriteWay (früher 40 Dollar) steht nun kostenlos zum Download bereit. In einem ersten Schritt muss man sich die Demoversion herunterladen und mit wenigen Klicks lässt sich Vollversion kostenlos aktivieren.

Einheit 5: Kreatives Schreiben

Du hast deine Buchidee konkretisiert und deinen Roman grob strukturiert. Nun beginnst Du mit dem Schreiben deines Buches. In dieser Phase zeigt sich die Schaffenskraft des Autors. Du drückst deiner Buchidee deinen eigenen Stempel auf. Während des Schreibens an deinen Roman erwarten Dich jedoch auch Schreibblockaden, fehlende Motivation oder Zeit zum Arbeiten und Zweifel an der Buchidee. Diese Probleme treten zumindest bei sehr vielen Autoren während des Schreibprozesses auf. Diese Hindernisse gilt es zu überwinden und es lohnt sich dagegen anzukämpfen. Irgendwann liegt es vor Dir: Dein eigenes Buch.

Die Schaffenskraft des Autors

Schreibkurs Aufgabe 5-1 Kreatives Schreiben
Schreibkurs Aufgabe 5-1 Kreatives Schreiben

Beispiel für Aufgabe 5-1: Es ist mir unerklärlich, wie ich in dieses dunkle Loch geraten bin. Ich erinnere mich an absolut nichts. Und noch schlimmer ich bin nicht allein. Dieses Wesen, nun kauert es in der anderen Ecke, ich kann seinen tiefen Atmen hören. Als ich aufwachte, hat es mich von oben bis unten beschnuppert. Es ist kein Mensch, wahrscheinlich ist es nicht einmal ein Tier. Ich hatte nicht gewagt, es anzufassen. Offenbar will es mir nichts Böses. Ich muss einen klaren Kopf  bewahren. Ich habe mein Gefängnis abgetastet. Die Wände sind kalt und rau, der Raum ist quadratisch und dürfte maximal zwei mal zwei Meter umfassen. Über mir genaugenommen über uns ist ein Eisengitter, von oben dringt nicht der kleinste Lichtstrahl. Ich höre Schritte von schweren Stiefeln, das Wesen wird unruhig wie in Erwartung von etwas. Ich sehe einen ganz schwachen Lichtschein über uns. Irgendetwas poltert herunter, das Wesen greift gierig danach, auch auf meiner Seite landet etwas. Die Schritte entfernen sich sofort wieder. Das Wesen verschlingt etwas und dann höre ich es schlucken. Ich befühle die Gaben von oben. Ein Schlauch mit einer Flüssigkeit und Brot, überraschend weich und frisch. Wer mich auch immer in dieses Loch steckt hat, verhungern lassen will er mich nicht. Ich muss herausfinden, wie ich hierhergekommen bin. Ich muss in Erfahrungen bringen, wie ich hier rauskomme.

Abstraktes beschreiben

Schreibkurs Aufgabe 5-2 Kreatives Schreiben
Schreibkurs Aufgabe 5-2 Abstraktes beschreiben

Beispiel für Aufgabe 5-2: „Es hatte mich unendlich viel Mühe gekostet, bis zu diesem Punkt zu kommen. Ich hatte das Vertrauen der Räuberbande gewonnen, sie hatten mich in ihren Kreis aufgenommen. Heute würde ich das erste Mal ihren Hauptmann von Angesicht zu Angesicht sehen, jenen Mörder meiner Familie, diesen schrecklichen Schurken und Halunken. Die Räuber hatten sich vor seinem Zelt in zwei Reihen aufgestellt und bildeten ein Spalier. Nun trat er aus dem Zelt. Doch was war das? Konnte dieser kleine, alte Mann, der durch die Reihen schritt und Hände schüttelte, ein Mörder sein? Viele der Räuber beugten das Haupt vor ihm. Er wirkt wie ein gütiger und doch strenger Vater. Nun gelangte er zu mir, blickte mich mit seinen blauen Augen an und sagte: „Wen haben wir hier?“ In seinen Augen lag so etwas wie Fürsorge. Sein Blick sagte mir, du raubst und mordest für mich, doch dafür biete ich dir meinen Schutz. Niemand in dieser Welt kann gegen dich, solange du mir treu bist. „Mein Name ist Brin“, antwortete ich. Und auch ich beugte mein Haupt vor dem Mörder meiner Familie.“

Einheit 6: Erzählperspektive

Der Ich- und Er-Erzähler gehört zu den häufigsten Erzählformen in der Literatur. Bevor Du mit dem Schreiben an deinem Roman beginnst, solltest Du Dir Gedanken für die Erzählperspektive machen. Je nach Genre eignen sich verschiedene Erzählformen. Der Ich-Erzähler befindet sich mitten im Gesehen, diese Perspektive passt zum Beispiel für actionreiche Thriller und Abenteuerromane. Bei einem historischen Roman mit vielen Figuren macht wieder der Er-Erzähler Sinn. Am Ende entscheidest jedoch Du als Autor, welche Erzählform Du wählst. Die Erzählperspektive hängt auch stark vom Schreibstil des Autors ab.

Ich-Erzähler

Schreibkurs Aufgabe 6-1 Erzähperspektive
Schreibkurs Aufgabe 6-1 Erzähperspektive (Ich-Erzähler)

Beispiel für Aufgabe 6-1 (Stalker): „Es war kurz vor meinem Geburtstag, da fand ich diesen Zettel im Briefkasten. „Bald ist dein Geburtstag, wie schade, dass Du diesen nicht mehr erlebst. Schreibe eine kurze Geschichte (150-250 Wörter).“ Etwas darunter stand in roter Schrift: „DIESE Geschichte wird mit Blut geschrieben.“ Die Zettel im Briefkasten hatten vor einigen Wochen begonnen. Ich leite einen Schreibkurs an der Volkshochschule, nach Kursbeginn fand ich regelmäßig kleine Geschichten in der Post. Der Autor bat mich, die Geschichten zu korrigieren und in eine hohle Eiche im Stadtpark zu stecken. Zu Beginn fand ich es witzig und tat den Autor den Gefallen, doch irgendwann wurde es mir zu bunt. Zuletzt legte ich einen Zettel mit der Botschaft in die Eiche, ich würde mehr keine Geschichten korrigieren. Danach war Ruhe und nun dieser Zettel. Dies konnte nur ein böser Scherz sein. So stand ich im Garten vor dem Briefkasten, das Schreiben in der Hand und es begann zu dämmern. Mir fiel ein Mann auf, der im Trenchcoat die Straße entlang schlenderte und in meine Richtung kam. Vor meiner Gartentür blieb er stehen und sagte spöttisch: „Ah der Herr Professor, ist sich mittlerweile zu fein, meine Texte zu korrigieren.“ Es war Kevin, ein eigenartiger Kauz aus meinem Kurs. Ich wurde ärgerlich „Kevin, Sie sind der anonyme Autor? Sie hatte ich im Verdacht. Der Schreibstil und die Formulierungen so wenig treffend.“ Doch dieses Mal war Kevin treffend. Das Letzte was ich sah, war das Aufblitzen einer Pistole, die er unter seinem Trenchcoat versteckt hatte.“

Er-Erzähler

Schreibkurs Aufgabe 6-2 Erzähperspektive
Schreibkurs Aufgabe 6-2 Erzähperspektive (Er-Erzähler)

Beispiel für Aufgabe 6-2 Stalker: „Es war kurz vor Marvins Geburtstag, da fand er diesen Zettel im Briefkasten. „Bald ist dein Geburtstag, wie schade, dass Du diesen nicht mehr erlebst. Schreibe eine kurze Geschichte (150-250 Wörter).“ Etwas darunter stand in roter Schrift: „DIESE Geschichte wird mit Blut geschrieben.“ Die Zettel im Briefkasten hatten vor einigen Wochen begonnen. Marvin leitete einen Schreibkurs an der Volkshochschule, nach Kursbeginn fand er regelmäßig kleine Geschichten in der Post. Der Autor bat ihm, die Geschichten zu korrigieren und in eine hohle Eiche im Stadtpark zu stecken. Zu Beginn fand Marvin es witzig und tat dem Autor den Gefallen, doch irgendwann wurde es ihm zu bunt. Zuletzt legte er einen Zettel mit der Botschaft in die Eiche, er würde mehr keine Geschichten korrigieren. Danach war Ruhe und nun dieser Zettel. Dies konnte nur ein böser Scherz sein. So stand Marvin im Garten vor dem Briefkasten, das Schreiben in der Hand und es begann zu dämmern. Ihm fiel ein Mann auf, der im Trenchcoat die Straße entlang schlenderte und in seine Richtung kam. Vor seiner Gartentür blieb der Mann stehen und sagte spöttisch: „Ah der Herr Professor, ist sich mittlerweile zu fein, meine Texte zu korrigieren.“ Es war Kevin, ein eigenartiger Kauz aus dem Schreibkurs. Marvin wurde ärgerlich „Kevin, Sie sind der anonyme Autor? Sie hatte ich im Verdacht. Der Schreibstil und die Formulierungen so wenig treffend.“ Doch dieses Mal war Kevin treffend. Das Letzte was Marvin sah, war das Aufblitzen einer Pistole, die der Schütze unter seinem Trenchcoat versteckt hatte.“

Einheit 7: Charakter entwickeln

Originelle und lebendige Charaktere sind die Seele eines Romans. Wenn Du die Figuren für dein Buch entwickelst, ist es ratsam, nicht mit Stereotypen zu arbeiten. Interessante Charaktere lassen sich zum Beispiel erschaffen, wenn Du schwer vereinbare Eigenschaften miteinander kombinierst. Spiele bei den Eigenschaften einige Kombinationen durch, am Ende könnte ein besonders origineller Charakter entstehen. Bei der Figurenentwicklung kannst Du Dich auch von Charakteren in Bücher oder Personen aus deinem Umfeld inspirieren lassen.

Originelle Charaktere entwickeln

Schreibkurs Aufgabe 7-1 Charakterentwicklung
Schreibkurs Aufgabe 7-1 Charakterentwicklung

Beispiel für Aufgabe 7-1 (Eigenschaften: eitel, brutal, philosophisch): „Die Verdächtigen stören sich beim Verhör nicht daran, dass Kommissar Bradley ein eitler Geck mit reichlich Pomade in den Haaren war. Sie konnten es sogar verkraften, dass der Ermittler manchmal handgreiflich wurde. Seine ewigen Vorträge über Kants Moralphilosophie und den kategorischen Imperativ empfanden die Verdächtigen jedoch als seelische Grausamkeit.“ (Optional in der Langversion mit 150-250 Wörtern)

Rollentausch

Schreibkurs Aufgabe 7-2 Charakterentwicklung
Schreibkurs Aufgabe 7-2 Charakterentwicklung

Beispiel für Aufgabe 7-2 (Heidi + Räuber): „Heidi war in einem ersten Entwurf die Anführerin einer Räuberbande. Sie sollten in den Schweizer Bergen arglose Wanderer überfallen und brutal niedermetzeln. Das erste Opfer war ein gewisses Fräulein Rottenmeier. Eine Freundin riet der Autorin Johanna Spyri von diesem Entwurf ab, der Stoff sei für ein Kinderbuch wenig geeignet.“ (Optional in der Langversion mit 150-250 Wörtern)

Einheit 8: Schreibstil

Show, don´t tell (Zeigen, nicht erzählen) ist DIE moderne Schreibregel, man findet sie in jedem Schreibratgeber. Die Regel fordert zum szenischen Schreiben und einer filmischen Erzählstruktur auf. Handlung und Dialog sollen im Vordergrund stehen. Mit szenischen Schreiben kommst Du den Rezeptions-Gewohnheiten (täglichen Fernsehkonsum) deiner Leser entgehen. Mit einer filmischen Erzählstruktur gewinnst Du in der Regel eher die Aufmerksamkeit deiner Leser.

Show, don´t tell

Schreibkurs Aufgabe 8-1 Show, don´t tell

Beispiel für Aufgabe 8-1 (René nimmt ein Paket an): Der Postbote stand mit einem Paket vor der Tür. „Ich habe nichts bestellt.“, sagte René. Der Zusteller erwiderte: „Es dürfte sich um ein Geschenk für Sie handeln.“ Auf dem Paket befand ein Aufkleber mit einem Smiley und darunter stand: Eine ganz besondere Überraschung für Dich. „Das ist aber nett, das Paket kommt bestimmt von meinen Vereinskollegen vom Schützenverein.“ In der Wohnung machte sich René sofort daran, das Paket zu öffnen. Doch was sprang in ihn als erstes entgehen. Ein Sexratgeber mit dem Mittel: Befriedigender Sex in der Ehe. So geht ihre Frau nicht fremd. Dieses Paket war sicher nicht um Schützenverein. Und es fand sich noch Reizwäsche darin, offenbar gebraucht. Dies war doch Unterwäsche von seiner Frau Elfi. Er kannte sie genau oder nicht mehr so genau, es herrschte schon lange Funkstille im Bett in seiner Ehe. Und noch etwas war im Paket. Ein beschriftete DVD mit dem Titel „Elfi Biest. Ein ficktives Drama einer Ehe mit Tiefgang.“ Dieses Drama auf DVD wollte sich René ersparen.

Klappentext verfassen

Schreibkurs Aufgabe 8-2 Klappentext

Beispiel für Aufgabe 8-2 (Kritik am Klappentext): Mir gefällt der Klappentext sehr gut, er hat vor allem eine ideale Länge. Der Text beschreibt treffend den Konflikt zwischen Verdi und Wagner. Ich hätte im Klappentext nicht den Tod von Wagner verraten, sondern diese Formulierung gewählt: „[…], entschließt er sich, endlich den Dialog mit Wagner aufzunehmen, doch eine Katastrophe verhindert das Treffen der beiden Männer.“ Für meinen Geschmack verrät der Klappentext am Ende zu viel.

Kreatives Schreiben und Regeln: Ein Beitrag gegen die Regeln

Kreatives Schreiben und Regeln: Ein Beitrag gegen die Regeln

Das Mantra der modernen Schreibschule heißt Show, don`t tell. Jeder Autorenratgeber behandelt diese Regel und kein Schreibkurs kommt ohne diesen Grundsatz aus. Der Blog Schreibwahnsinn bemerkt durchaus treffenden zu dieser Schreibregel: Als Schreibanfänger kriegt man diesen Satz so oft um die Ohren gehauen, bis er einem aus selbigen raushängt. Ernsthaft. Ich konnte ihn nach einer Weile nicht mehr hören, habe ihn regelrecht gehasst.“ Hast Du auch so deine Probleme mit mancher Schreibregel? Dieser Beitrag wendet sich an alle Autoren, welche von den immer wiederkehrenden Tipps und Regeln in Kursen und Ratgeber müde sind. Dazu bedienen wir uns einer inspirierenden Schrift. Das zitierte Buch ist heute vergessen, lückenhaft (Teile davon gingen verloren) und wir kennen den Autor nicht.

Roman_Charaktere
Was können wir von einer verstaubten, antiken Schrift lernen?, Bild © by Hans-Joachim Köhn / pixelio.de

Die Rede ist von der antiken Schrift „Vom Erhabenen“ eines gewissen Longin oder Longinus. Mitunter heißt der Autor auch Dionysios Longinos, Pseudo-Longinos oder einfach nur Anonymus. Alle diese Namen beruhen auf fehlerhaften Zuordnungen zu möglichen Verfassern. In all den Jahrhunderten ist es nicht gelungen, den Autor zu identifizieren und es wird uns auch nicht mehr gelingen. Einige Details können wir seinem Buch entnehmen. Der Schriftsteller lebte offenbar im 1. Jh. n. Chr., war Grieche, sprach dazu auch Lateinisch und bewegte sich in vornehmen Kreisen. Er war gebildet, hat alle wichtigen Autoren der Antike gelesen und ein treffsicheres literarisches Urteilsvermögen. Mehr wissen wir über den Autor nicht. Dazu kommt, dass seine Schrift lückenhaft ist.

Von den ehemals 112 Seiten fehlen 36 Seiten, damit ist mehr als ein Drittel der Schrift verloren. Man kann nur spekulieren, was an den fehlenden Stellen behandelt wurde. Doch was von der Schrift übrig geblieben ist, ist zugleich beeindruckend und inspirierend.

Braucht große Literatur keine Regeln?

Im kleinen Büchlein „Vom Erhabenen“ geht es um wahrhaft große Literatur. Longin (wie der Autor nun heißen soll) behandelt einen Schreibstil, der mitreißt, den Lesern im Gedächtnis bleibt und allgemein Gefallen findet. An einer Stelle vergleicht der Autor diesen Sprachstil mit einem zuckenden Blitz, der alles zerteilt und schlagartig seine geballte Kraft zeigt. Es geht um wirklich große Literatur, sie findet allgemein Gefallen: „Überhaupt, halte das für vollkommen und wahrhaft erhaben, was jederzeit und allen gefällt.“ (Longin, 7 (4)). Doch es soll gar nicht um die genaue Bestimmung des erhabenen Stils gehen. Es geht vielmehr um die Botschaft, welche der Autor in seinem Buch vermitteln möchte.

Inspiration
Ob die Fotografin Longin gelesen hat?, Bild © by Stephanie Hofschlaeger / pixelio.de

Die Schrift behandelt die Frage, wie man große Literatur erschafft. Im lückenhaften Manuskript gibt es eine wunderbare Stelle. Diese kleine Passage hat besonders Schriftsteller im 17. und 18. Jh. immer wieder inspiriert: „Ich weiß nun wohl, daß große Naturen keineswegs fehlerfrei sind; Korrektheit nämlich in allem birgt Gefahr kleinlich zu werden. Im Großen aber muß, wie bei Reichtum im Übermaß, auch etwas sein, was vernachlässigt wird; und vielleicht muß es sogar so sein, daß kleine und mittelmäßige Geister, die nie etwas wagen und nie nach den Sternen greifen in der Regel fehlerfrei und sicher bleiben, während das Große eben durch seine Größe strauchelt. [..] . Freiheit vor Fehlern schützt vor Tadel; das Große hingegen erntet Bewunderung.“ (Longin, 33 (2), 36 (1))

Diese Stelle ist als „Genie und Regel“ bekannt. Der Abschnitt bei Longin hat einen großen Beitrag zum Geniegedanken etwa im Sturm und Drang geleistet. Alle Autoren, welche sich von Zwang und Regel befreien wollten, haben sich den Gedanken von Longin bedient. Dabei ist diese Rezeption verkürzt. Der anonyme Autor macht in seiner Schrift immer wieder deutlich, dass neben Talent auch Studium, Methode und Technik für einen guten Autor notwendig sind. Schreiben kann man also durchaus lernen. Doch die Diskussion über Genieästhetik soll hier gar nicht im Vordergrund stehen, es geht vielmehr um die Frage, was heutige Autoren von der antiken Schrift „Vom Erhabenen“ lernen können.

Was können wir heute von Longin lernen?

Was kannst Du vom anonymen Autor lernen? Was biete diese längst vergessene und verstaubte Schrift? Der griechische Autor macht Mut, einmal gegen den Strom zu schwimmen und seinen eigenen Kopf durchzusetzen. Die kleine Passage „Genie und Regel“ bietet eine ganz wichtige Botschaft. Wer einen großen und überzeugenden Roman schreiben möchte, muss etwas wagen. Dazu kann es gehören, dass Du bestimmte Regel der Literatur zumindest stellenweise verletzt. Über Tolkien wurde gesagt, dass der Herr der Ringe heute mehr keine Chance auf Veröffentlichung hätte. Der Roman verstößt an einigen Stellen gegen elementare Regeln, die bereits Schreibanfänger in Kursen zum Kreativen Schreiben lernen. So wurde kritisiert, dass er die Zerstörung von Isengart in einem Rückblick erzählt. Gerne wird auch das Kapitel „Der Rat von Elrond“ bemängelt. In diesem recht langen Kapitel passiert nach der Sicht von einzelnen Kritikern fast gar nichts.

Unabhängig, ob diese Kritik berechtigt ist. Wie viele Kapitel gibt es im Herrn der Ringe, welche Du bewunderst und nicht vermissen willst? Dieses Beispiel verdeutlicht recht schön, was Login mit Regelverletzungen meint. Erzähle nicht in Rückblenden. Show, don`t tell. Vermeide Genremix. Manchmal muss man diese Regeln symbolisch im feurigen Berg versenken. An einer Stelle schreibt Longin: Er ist für ein großes (leicht fehlerhaftes) Werk bereit, auf die Bücher von allen mittelmäßigen Autoren zu verzichten. Was würdest Du wählen, wenn Du die Wahl zwischen Tolkien und einem ganzen Regel mehrteiliger Fantasy-Sagas hättest?