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Lektorat für Romane – Was müssen Autoren beachten?

Lektorat für Romane – Was müssen Autoren beachten?

Das Lektorat des eigenen Romans wird häufig stiefmütterlich behandelt. Das Buch ist fertig und soll endlich zum Verlag. Wer dazu sein Werk als Self-Publisher veröffentlicht, nimmt es mit den Korrekturen vielleicht nicht ganz so ernst. Über ein paar Fehler im Text werden die Leser schon hinwegsehen, es zählen doch vor allem die Handlung und der Inhalt. Dieses Vorgehen mancher Autoren mag etwas überspitzt klingen, doch die Botschaft dahinter dürfte klar sein: Du solltest das Lektorat deines Romans sehr ernst nehmen. Wer sein Buch mit zahlreichen Fehlern an einen Verlag schickt, hat schon von Anfang an verloren. Kein Lektor wird sich näher mit einem Manuskript befassen, welches bereits auf der ersten Seite mehrere Fehler in Rechtschreibung und Zeichensetzung hat.

Lektorat
Der Duden – Dein bester Freund beim Lektorat, Bild © by Regina Kaute / pixelio.de

Auch für Self-Publisher gilt. Wer seinen Roman ohne ausreichende Korrekturlesung einfach veröffentlicht, könnte sich über Rezensionen wie folgt ärgern: „Spannende Story. Doch ein Lektorat hätte den Buch gut getan.“ Oder „Gutes Buch, jedoch der Autor hätte noch einen Lektor darüber lesen lassen sollen.“ Willst Du wirklich solche Rezensionen unter einer Veröffentlichung mit deinem Namen lesen? Eigentlich wäre es doch sehr schade, um die ganze Mühe, die Du Dir mit deinem Werk gemacht hast? So ist es an der Zeit wieder einen guten alten Freunden kennenzulernen: Konrad Duden.

Drei Schritte beim Lektorat für Romane

Doch wie sollte ein Autor bei einem Lektorat vorgehen? Ein Verfahren in drei Schritten kann gewährleisten, dass am Ende ein möglichst fehlerfreier Text steht. In einem ersten Schritt solltest Du dein „fertiges“ Buch lesen und immer wieder lesen, um möglichst viele Fehler in Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung auszumerzen. Hast Du an einigen Stellen Zweifel, wie es zum Beispiel bei der Kommasetzung aussieht, frage Freunde und Bekannt um Hilfe. Dazu gibt es verschiedene Seiten und Foren im Internet, wo man Zweifelsfälle diskutieren kann. Zum einem Lektorat gehören natürlich auch die Verbesserung der Stilistik und das Auffinden von logischen Fehlern. Feile ruhig noch etwas an einzelnen Formulierungen, auch wenn Du auf der Jagd nach Rechtscheibfehlern bist, dies wird deinem Text gut tun. Erst wenn Du das Gefühl hast, mehr keine Fehler zu finden, kannst Du dein Buch zum Lektorat an eine zweite Person geben.

Vielleicht hast Du einen guten Freund oder Bekannten, der das Korrekturlesen deines Romans übernehmen kann. Natürlich sollte dieser einigermaßen felsenfest in der deutschen Sprache sein. Im Regelfall dürfte es dann so laufen: Die Person dürfte beim Lektorat deines Romans noch eine größere Anzahl von Fehlern finden. Dies ist nicht weiter verwunderlich, denn man ist gegen seine eigenen Fehler betriebsblind. Sicherlich bleiben bei der Korrektur des Buches noch einige Fehler unentdeckt. Wer ein weitgehend perfektes Manuskript möchte, sollte sich an einen Lektor wenden.

Hier wären wir beim besagten dritten Schritt auf dem Weg zum fehlerfreien Text, welcher vor allem für Self-Publisher gedacht und sinnvoll ist. Wer sein Buch in Eigenregie veröffentlichen möchte, sollte zumindest über ein professionelles Lektorat nachdenken. Dies ist natürlich eine Kostenfrage. Im folgenden Abschnitt erfährst Du, was ein Lektor in etwa kostet und wie man den Preis für das Lektorieren berechnen kann. Wer sein Manuskript an einen Verlag schickt, sollte sich diesen dritten Schritt sparen. Kann man mit seinem Roman einen Buchverlag oder Literaturagenten überzeugen, erfolgt im Regelfall ein kostenloses Lektorat oder zumindest Korrektorat. Sollte der Verlag hingegen vor der Veröffentlichung Geld hierfür verlangen, sollten bei Dir die Alarmglocken klingeln. Möglicherweise bist Du an einen der berüchtigten Zuschussverlage geraten.

Was kostet ein Korrektorat oder Lektorat für Autoren?

Es sind bereits die Begriffe Korrektorat und Lektorat gefallen. Bevor man überhaupt über die Preise für ein professionelles Lektorat redet, sollte man die Unterschiede kennen. Ein Korrektorat umfasst im Regelfall die Durchsicht von Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung. Ein Lektorat eines Romans geht noch wesentlich weiter. Hier erfolgt eine Überprüfung auf inhaltliche und logische Fehler, dazu stehen einzelne Formulierungen und die Stilistik auf dem Prüfstand. So ist es nicht verwunderlich, dass diese umfassende Form der Textkorrektur teurer als ein Korrektorat ist. Ein mittlerer Preis für ein Lektorat liegt bei 6 bis 7 Euro pro Normseite. Damit Du einschätzen kannst, was Dich ein professioneller Lektor kosten würde, musst Du die Zeichenzahl deines Buches auf Normseiten umrechnen.

Normseite
Die Normseite mit 1800 Zeichen aus dem Schreibmaschinenzeitalter, Bild © by Tim Reckmann / pixelio.de

Eine klassische Normseite umfasst 1800 Zeichen mit Leerzeichen. Dies entspricht einer Buchseite mit 30 Zeilen á 60 Zeichen (etwa 300 Wörter). Diese Definition stammt noch aus der Zeit der Schreibmaschinen, wo man eine Seite von oben bis oben vollgeschrieben hat. Die VG Wort sieht eine Standardseite mit 1800 Zeichen als nicht mehr zeitgemäß und definiert die Normseite mit 1500 Zeichen mit Leerzeichen. An dieser Definition orientieren sich heute viele Lektorate und Übersetzer. Damit Du die Kosten für ein Lektorat deines Romans richtig einschätzen kannst, musst Du dein Manuskript in Normseiten umrechnen. Dazu nimmst Du bei Word einfach die Zeichenzahl mit Leerzeichen (unter Wörter zählen) und teilst diese durch 1500. Schon hast Du die Anzahl der Normseiten ermitteln.

Doch bevor Du überhaupt eine Normseite ermittelst. Solltest Du Dich beim Dienstleister erkundigen, wie dieser eine solche Seite definiert. Diese Informationen findet man im Regelfall auf der Internetseite des Anbieters. 1500 Zeichen sind die Definition der VG Wort. Doch einige Lektorate rechnen auch mit 1600 Zeichen oder mit 250 Wörtern pro Normseite. Doch nun haben wir genug über Zeichenzahlen philosophiert. Was würde nun das Lektorat eines Buches mit 300 Normseiten kosten. Bei 6 Euro pro Seiten wären dies 1800 Euro. Bei einem Korrektorat sind die Kosten einige hundert Euro niedriger. In jedem Fall ist es ein stolzer Preis für einen Self-Publisher, der seinen ersten Roman vielleicht in einer Auflage von 400 Exemplaren verkauft.

Möchtest Du für die Korrektur deines Buches nicht so tief in die Tasche greifen, gibt es eine interessante Alternative. Im Internet findet man eine Vielzahl von ehrenamtlichen Lektoren, welche jungen Autoren gerne weiter helfen. Einen solchen Service bietet auch die Leselupe an. Hierbei handelt es nicht um ein professionelles Lektorat. Vielmehr steht das inhaltliche Rezensieren wie ein Austausch zwischen Autor und Lektor im Vordergrund, der für beide Seiten vor allem Spaß an der literarischen Arbeit bedeutet.

Ein Lektorat ist wichtig

In diesem Beitrag wurde das Thema Lektorat ausführlich behandelt. Vielleicht findest Du es übertrieben, deinen Roman in drei Schritten zu korrigieren. Hinzu kommt noch die Frage der Kosten für einen professionellen Dienstleister. Doch es ist wichtig, dass Du nach einer gründlichen Überarbeitung deines Werkes es zumindest noch eine zweite Person lesen lässt. Bekanntlich ist man gegen seine eigenen Fehler betriebsblind. Lasse dieser Person ausreichend Zeit für die Korrekturen. Du hast vielleicht über ein Jahr an deinem Buch geschrieben und kannst nun nicht einige Wochen auf die Textkorrektur warten?

Dieser Ratgeber soll alle Autoren ein wenig für die Bedeutung eines Lektorats sensibleren. Mit einem Roman mit wenigen Fehlern steigen die Chancen auf eine Veröffentlichung im Verlag. Um es deutlicher zu formulieren: Erst dann besteht die Chance auf eine Veröffentlichung. Oder würdest Du dich als Verlagslektor längere Zeit mit einem Manuskript mit Fehlern in Grammatik und Rechtschreibung widmen, wenn auf deinem Schreibtisch so viele Einsendungen liegen, dass das Wort rechtzeitiger Feierabend zur Utopie wird? Auch als Self-Publisher solltest Du auf einen möglichst fehlerfreien Text achten. Eine oberflächliche Überarbeitung des eigenen Romans rächt sich spätestens bei den Rezensionen. Ob man Geld in ein professionelles Lektorat investieren möchte, muss jeder für sich selbst entscheiden.