Schreiben mit KI: 5 Schwächen, die Autoren kennen müssen
KI kann Autoren bei Ideenfindung und Plotplanung unterstützen. Doch künstliche Intelligenz hat Grenzen: begrenztes Kontextfenster, Probleme beim Worldbuilding oder toxische Positivität. Dieser Beitrag zeigt dir die wichtigsten Schwächen von KI und bietet konkrete Lösungen, wie du effektiv an deinem Roman arbeitest.
KI kann ein großartiges Hilfsmittel für Autoren sein. Künstliche Intelligenz unterstützt Schriftsteller bei Ideenfindung, Konzeption, Charaktererstellung und Plotplanung. Um effektiv mit KI arbeiten zu können, solltest du jedoch auch die Schwächen dieser Technologie kennen. Aktuelle KI-Modelle haben beispielsweise ein begrenztes Kontextfenster oder Probleme bei der Generierung einheitlicher Bilder.

In diesem Beitrag erfährst du, welche Schwächen KI beim Schreiben hat und wie du diese Hürden gezielt umgehst, um effektiv an deinem Roman zu arbeiten.
KI hat ein begrenztes Erinnerungsvermögen
Das Erinnerungsvermögen ist aktuell eines der größten Probleme von künstlicher Intelligenz: KI hat ein begrenztes Kontextfenster und kann nur eine bestimmte Menge an Informationen gleichzeitig verarbeiten. Wenn du damit beginnst, deine Romanidee zu planen und den Handlungsverlauf zu konkretisieren, wirst du merken, wie schnell ein Chat lang wird. Häufig fallen dann Informationen aus dem Kontextfenster.
Du schreibst: „Greifen wir auf die Szene mit Rebecca in London zurück.“ Doch die KI weiß nicht mehr, was in London passiert ist, weil diese Information aus dem Kontextfenster gefallen ist. Es kann noch schlimmer kommen: Du arbeitest eifrig an deinen Roman, der Chat wird immer länger und du bekommst eine Nachricht wie: „Das Nachrichtenlimit ist erreicht.“ Du musst einen neuen Chat starten, und alle alten Informationen fehlen, was einem Neustart gleichkommt.
Es kann es helfen, kleine Erinnerungen zu verfassen. Schreibe zum Beispiel: „Ein Hintergrund zur folgenden Szene: Rebecca hat in London…“ So bekommt die KI die notwendigen Details für die nächste Szene. Außerdem ist es sinnvoll, von Zeit zu Zeit einen neuen Chat mit einer Zusammenfassung deiner bisherigen Handlung zu starten.
KI und Komplexität – Probleme beim Worldbuilding
Künstliche Intelligenz ist bei der Konzeption von Büchern leistungsfähig, doch wenn es jedoch um komplexe Romane mit vielen Figuren oder Weltenbau geht, stößt KI schnell an ihre Grenzen. Die heutigen KI-Modelle haben das angesprochene begrenzte Kontextfenster und können somit nicht viele Details gleichzeitig verarbeiten.
Wenn du beginnst, eine große Welt mit vielen Figuren zu bauen, kann es passieren, dass Hauptfiguren plötzlich ihre Motivation ändern oder es Widersprüche bei den Nebenfiguren gibt. Selbst Kleinigkeiten, wie die Uniform einer Magierschule, stellt KI nicht mehr einheitlich dar.
Wenn du mit künstlicher Intelligenz Worldbuilding betreibst, musst du strukturiert vorgehen und deine Arbeit am Roman dokumentieren. Bei einem Fantasy-Roman ist es sinnvoll, Informationen zu Regierungssystem, Göttern und Magiesystem in einem jeweils in separaten Dokumenten zusammenzufassen. Erstelle Charakterblätter und Kapitelzusammenfassungen. Du kannst dann immer die Informationen hochladen, die du für deinen Kontext brauchst.
Visualisierung – Generierte Bilder sind uneinheitlich
Autoren können Romanfiguren mit KI visualisieren und so eine optische Vorstellung von ihren Charakteren bekommen. Eines der größten Probleme von künstlicher Intelligenz ist dabei eine konsistente Darstellung bei der Bildgenerierung. Auch wenn du der KI eine sehr genaue Beschreibung deiner Romanfigur gibst, werden die Bilder immer etwas anders aussehen, da die KI jedes Bild von Grund auf neu erstellt.

Es gibt jedoch Strategien für eine einheitliche optische Darstellung von Charakteren. Lasse im ersten Schritt mehrere Bilder deiner Figur generieren, wähle im zweiten Schritt acht bis zehn Bilder aus, welche die Optik deines Charakters gut wiedergeben. Lade diese Bilder anschließend beim KI-Tool hoch und lasse einen Meta-Prompt für die Beschreibung deiner Figur erstellen. Diesen umfangreichen Prompt kannst du später für die Generierung weiterer KI-Bilder nutzen.
Auch Referenzbilder können bei einer einheitlichen Charakterdarstellung helfen. Wie du einheitliche und ausdrucksstarke Bilder deiner Romanfiguren erstellst, erfährst du in einem separaten Beitrag.
Großartiger Roman – Wenn alles gelobt wird
Künstliche Intelligenz ist auf ein positives Nutzererlebnis ausgerichtet. Die meisten Eingaben des Nutzers werden positiv bewertet. Wenn du als Autor eine Romanidee eingibst, bekommst du von der KI im Regelfall ein positives Feedback. Alle Ideen sind spannend und großartig, besonders Google Gemini ist dafür bekannt, Ideen übermäßig zu loben. Selbst schlechte Ideen versucht KI noch als Satire positiv einzuordnen.
Wie gefährlich eine solche toxische Positivität sein kann, zeigt das Beispiel eines Nutzers auf Reddit. Der Autor hatte mithilfe von KI ein Buch geschrieben, das er bei Amazon KDP veröffentlichen wollte. Zuerst nannte ChatGPT seinen Roman „ausgezeichnet, brillant“, weiter hieß es, „die Leser werden weinen.“ Als er seinen Roman wenige Tage vor der Veröffentlichung kritisch prüfen ließ, listete die KI zahlreiche Fehler auf und meinte, der Leser würde seine Figur von der ersten Seite an hassen. Der Autor war gezwungen, seinen Roman in weiten Teilen umzuschreiben.
Was war hier passiert? KI versucht, Nutzer beim Schreiben zu motivieren, ist jedoch auch zu einer kritischen Bewertung fähig, wenn man konkret darum bittet. Der Autor hatte viel zu spät um eine kritische Würdigung seines Textes gebeten. Positives Feedback durch KI ist ein zweischneidiges Schwert: Einerseits kann Lob Autoren beim Schreiben beflügeln, andererseits ist es irgendwann notwendig, eine kritische Bewertung einzufordern.
KI lenkt Autoren sanft in eine Richtung
Künstliche Intelligenz möchte Nutzer so weit wie möglich unterstützen. Wenn du eine Romanidee eingibst, folgen auf die positive Bewertung häufig zahlreiche Fragen: „Möchtest du als Nächstes die Hauptfigur genauer ausarbeiten? Sollen wir gemeinsam die erste Szene entwerfen? Möchtest du, dass ich dir einen möglichen Einstieg vorschlage?“ Gerade für Autoren, die wenig Erfahrung mit KI haben, kann dies verlockenden sein.
Diese sanfte Lenkung zieht sich durch den gesamten Arbeitsprozess mit KI. Es kann leicht passieren, dass sich Autoren beispielsweise bei der Konzeption in eine bestimmte Richtung lenken lassen. Deshalb ist es wichtig, beim Arbeiten mit künstlicher Intelligenz immer die Kontrolle zu behalten. Man könnte es auch so ausdrücken: „KI ist ein großartiger Diener, aber ein schrecklicher Meister.“
Es ist sinnvoll, bei der Arbeit mit KI nach einem festen Muster vorzugehen, dies ist besonders wichtig, bis das erste Konzept deines Romans steht. In einem weiteren Beitrag stellen wir dir ein Drei-Schritte-Modell vor, mit dem du systematisch ein erstes Konzept für deinen Roman erstellen kannst.
Weitere Probleme mit KI-Tools
Es ließen sich noch weitere Beispiele nennen. In Zusammenhang mit KI wird häufig von Halluzinationen gesprochen: KI erfindet Fakten, die in Wahrheit nicht existieren. Beim Schreiben von Fiktion hat dieses Problem kein so großes Gewicht. Wenn du jedoch einen historischen Roman verfasst, solltest du die Angaben der KI zu Jahreszahlen oder historischen Personen sehr genau prüfen. Hier ist es besser, eigenständig zu recherchieren. Ein weiteres Problem ist beispielsweise das Pacing. KI versucht die Handlung im Roman schnell voran zu treiben.

Bei einem Test mit Google Gemini zeigte sich: In einem Feel-Good Roman lernten sich zwei Figuren am Montag kennen, fanden sich attraktiv und landeten bereits am Samstag im Bett. Gemini war geradezu erpicht darauf, schnell „Ergebnisse zu liefern“, vermutlich weil die KI auf dramaturgische Wendungen trainiert wurde. Gleich nach der ersten Nacht sprachen beide Figuren von der großen Liebe. Dies ist ein weiteres Beispiel dafür, wie KI eine Handlung in die falsche Richtung lenken kann.
Fazit des Buchinsiders: Wie schreibst du effektiv mit KI?
Die Beispiele verdeutlichen es: Schreiben und Arbeiten mit KI ist kein Selbstläufer, sondern erfordert harte Arbeit. Es reicht nicht aus, ein paar Prompts einzugeben und ein großartiges Ergebnis zu erwarten. Wir stehen noch an Anfang der Entwicklung von Künstlicher Intelligenz. Wer erfolgreich damit arbeiten möchte, muss neben den Stärken auch die Schwächen kennen und wissen, wie er sie umgeht.