So schreibst Du gute Dialoge im Roman – Fünf Tipps für Autoren

So schreibst Du gute Dialoge im Roman – Fünf Tipps für Autoren

Wie schreibe ich einen guten Dialog im Roman? Wer an seinem ersten Buch schreibt, stellt sich diese Frage besonders häufig. Dieser Beitrag bietet Dir grundlegende Tipps und beantwortet wichtige Frage. Wie kann ich meine Figuren im Gespräch charakterisieren? Wie treiben Romandialoge die Handlung voran? Was sind Subtext?

Gute Romandialoge sind eine Kunst für sich. Sie machen ein Buch spannender und können dazu dienen, Figuren zu charakterisieren. Doch wie schreibst Du gute Gespräche,  die deine Leser fesseln? Bevor wir diese Frage beantworten, wollen wir einmal klären, was ein Dialog ist. Es handelt sich um direkte Rede. Der Begriff kommt vom altgriechischen diálogos (Unterredung, Gespräch). Die Zahl der Sprecher ist nicht spezifiziert, doch schon sehr früh wurde der Begriff diálogos für Zwiegespräche verwendet, was auch für die Literatur gilt.

Roman Dialog
Wie schreibt man einen guten Dialog?

In vielen Romanen sind Dialoge Zwiegespräche (nicht zwangsläufig ein Streit) zwischen zwei Charakteren. Es folgen fünf Tipps zur Gestaltung von überzeugenden Gesprächen zwischen deinen Figuren. Interessiert Dich vielmehr die Frage, nach der richtigen Zeichensetzung bei Romandialogen, verweisen wir auf unseren ausführlichen Beitrag zu diesem Thema.

1. Dialog ist Alltagssprache und doch keine Alltagssprache

Dialoge sollen Alltagssprache wiedergeben und sind doch Kunstsprache. Was heißt das konkret? Der Leser soll das Gefühl haben, dass sich die Figuren wie im Alltag miteinander unterhalten und authentisch sprechen. Im Roman sollst Du nicht echte Alltagsgespräche wiedergeben, dies würde deine Leser irritieren und die Dialoge unlesbar machen. In täglichen Gesprächen werden Sätze häufig unterbrochen, sind voller Füllwörter, Wiederholung und Pausenlauten wie ähm oder äh.

Romandialoge imitieren die Alltagssprache, sind viel straffer als ob ein Lektor die alltäglichen Gespräche bearbeitet hätte. Die Figuren kommen ohne Umschweife schneller zum Punkt und verlieren keine Zeit.

2. Dialoge im Roman leben vom Konflikt

Romandialoge brauchen wie dein ganzes Buch einen Konflikt. Gerade Gespräche zwischen Figuren sind ideal, um den Lesern unterschiedliche Interessen, Zielsetzungen oder Wertevorstellungen vor Augen zu führen. Nicht in jedem Dialog in deinem Buch muss es krachen. Romandialoge sollten immer die Handlung vorantreiben. Sie haben Relevanz für den Handlungsverlauf und stellen keinen sinnlosen Schlagabtausch dar.

Roman Dialog
Nicht in jedem Romandialog muss es krachen.

Es gibt eine weitere Funktion, Dialoge können dazu dienen, eine Figur zu charakterisieren.  Romandialoge eignen sich ausgezeichnet, um den Leser einen Charakter mit allen seinen Eigenheiten vorzustellen.

3. Nutze den Romandialog, um Figuren zu charakterisieren

Dialoge bieten vielfältige Möglichkeiten, um deine Figuren zu charakterisieren. So kannst Du einen Charakter durch einen bestimmten Ausdruck einzigartig machen. Ein Beispiel wäre der Roman „Der große Gatsby“ von F. Scott Fitzgerald. Gatsby nennt Nick Carraway  im englischen Original immer wieder „Old Sport“. Mit diesem Ausdruck zeigt er seine Freundschaft und Empathie gegenüber seinem Nachbarn Nick. Weiterhin ist es möglich, dem Leser durch die Sprache den sozialen Status einer Figur vor Augen zu führen. Oder nutze Dialekt.

Die Möglichkeiten zur Charakterisierung von Figuren durch einen Dialog sind ohne Zweifel vielfältig. Übertreibe es nicht, sonst werden deine Charaktere zu Stereotypen oder Parodien. Es ist dazu nicht ratsam, Jugendsprache in einem Buch zu verwenden. Was heute noch hipp ist, versteht deiner Leser in ein paar Jahren nicht mehr. 

4. Zwischen den Zeilen – Nutze Subtexte

Ein Mittel um spannende Dialoge zu schreiben, können Subtexte sein. Was sind Subtexte? Eine Figur spricht etwas aus, meint aber etwas anders oder deutet etwas an. Es geht um ein Schreiben zwischen den Zeilen, was eine Kunst für sich ist. Ein Subtext lässt sich schön an einem Beispiel erläutern. Beim Radetzkymarsch von Joseph Roth gibt es eine Stelle, wo Vater und Sohn mit der Bahn fahren. Während der Fahrt fällt der Satz: „Du kennst doch den Wachtmeister Slama?“

Für den Leser ist es weitaus mehr als nur eine Frage. Nach diesem Satz erinnert er sich sofort an die Affäre von Carl Joseph mit Frau Slama, die mit keinem Wort erwähnt wird. Es ist klar, dass nach diese Frage etwas von Bedeutung passiert. Der Bezirkshauptmann teilt seinem Sohn weiter mit, dass Frau Slama bei der Geburt eines Kindes gestorben ist und er den Wachtmeister besuchen sollte. Alle diese Sätze werden mit einer Beiläufigkeit geäußert, beinhalten für den Leser doch Information drum herum. In Subtexten steht alles, was Figuren nicht sagen und sich der Leser selbst erschließen muss.

5. Begleittexte im Dialog

Jeder gute Dialog braucht Begleittext. Bei begleitendem Text handelt es sich nicht nur um die Inquit-Formel (z.B. sagte, fragte). Begleittext im Romandialog dient vor allem dazu, deinen Leser die Situation klarer vor Augen zu führen, wie in unserem Beispiel: „Du kennst doch den Wachtmeister Slama? […]. Er ist leider Witwer geworden, in diesem Jahr. […].“ Begleittext: „Es wurde auf einmal unerträglich heiß im Kupee. Carl Joseph versuchte, den Kragen zu lockern.“

So werden Dialoge noch verständlicher für den Leser. Der Charakter fasst sich an den Kragen, ihm tritt Schweiß auf die Stirn oder er schaut demonstrativ weg. Zeige, was der Charakter macht, um die Romandialoge zu unterstützen. Es ist immer eine schwierige Frage, wie viel begleitenden Text man braucht. Sind die Gespräche auch nicht so verständlich für den Leser? Manchmal ist weniger mehr.

Gute Dialoge schreiben durch Übung und Überarbeitung

Es ist nicht einfach, gute Dialoge zu schreiben. Neben der Berücksichtigung unserer fünf Tipps kann es helfen, sich Beispiele aus der Literatur anzuschauen. Wenn Du einen Roman liest, achte genau darauf, wie Figuren über ihre Sprache charakterisiert werden. Nutzt der Autor viel Subtext oder wie steht es mit dem Begleittext. Bei aller Theorie und bei allen Beispielen hilft vor allem eins: Gute Dialoge schreiben lernt man nur durch Übung und Überarbeitung.

Deine ersten Romandialoge werden sicherlich nicht perfekt sein. Lege sie Freunden und Bekannten vor. Sie sollen Dir ein ehrliches Feedback geben. Wenn die Gespräche deinen Lesern nicht gefallen, überarbeite sie und feile an ihnen.

Fazit des Buchinsider: Wie schreibe ich gute Romandialoge?

Es ist nicht einfach, einen guten Dialog zu gestalten, doch die fünf Tipps können Dir weiter helfen.

  • Gespräche zwischen Figuren sollen für den Leser wie Alltagssprache klingen. Du kannst nicht echte Alltagsgespräche mit Wiederholungen und Unterbrechungen übernehmen. Romandialoge sind konstruiert und „fehlerfreie“ Alltagssprache.
  • Dialoge im Roman leben vom Konflikt. Hier treffen unterschiedliche Ansichten und Ziele aufeinander. Nicht in jedem Gespräch müssen die Figuren aneinander geraten. Treibe immer die Handlung voran, es soll kein leerer Schlagabtausch sein.
  • Gespräche zwischen den Figuren sind ideal, um sie zu charakterisieren. Las deine Romanfigur bestimmte Begriffe verwenden oder zeige durch Sprache den sozialen Status. Übertreibe bei dieser Charakterisierung nicht, sonst wird deine Figur zu einem Stereotyp.
  • Nutze in deinen Dialogen Subtexte. Die Figuren sprechen zwischen den Zeilen und sagen nicht offen, was sie meinen. Solche Gespräche können zu Verwicklungen im Roman führen. Wichtig ist, dass dein Leser die Subtexte versteht.
  • Ein guter Dialog braucht einen Begleittext. Begleitender Text dient dazu, eine Situation den Lesern klarer vor Augen zu führen. Einer Figur tritt Schweiß auf die Stirn oder sie schaut weg. Oder ergibt sich der Kontext bereits aus den Dialogen. Es ist nicht einfach, zu entscheiden, wie viel Begleittext für das Verständnis nötig ist.

Neben der Berücksichtigung der fünf Tipps, hilfst es, sich Beispiel anzuschauen. Wie gestalten andere Autoren die Gespräche in ihren Roman. Doch willst Du gute Dialoge schreiben, helfen vor allem Übung und Überarbeiten.

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