Schreib DEIN Buch – Gehe deinen eigenen Weg

Schreib DEIN Buch – Gehe deinen eigenen Weg

Wer ein Buch schreiben möchte, überlegt mitunter aktuellen Trends zu folgen. Sollte ein guter Roman nicht den allgemeinen Geschmack treffen, um überhaupt eine Chance auf Veröffentlichung zu haben? Nein. Es gibt eine Unmenge von Autoren, die den Mainstream nicht gefolgt sind und trotzdem ihr Buch veröffentlich haben.

Buch schreiben
Ein Autor sollte den Mut haben, gegen den Mainstream zu schreiben

Dieser Beitrag stellt Romane von Autoren aus verschiedenen Jahrhunderten vor, die gegen den Strom geschwommen sind. Manchmal trafen sie überraschend den Geschmack der Zeit und setzten erst einen Trend. Ihre Werke sind in jedem Fall ungewöhnlich, waren ein unerwarteter Erfolg oder wurden erst später entdeckt. Viele dieser Bücher sind vergessen, gelten als Geheimtipp für den Leser. Wer ein solches Buch heute liest, wird schnell merken, dass er ein spezielles Werk in den Händen hält, was durch viel Individualität besticht. Es ist kein beliebig austauschbares Buch. Und auch dies sei gesagt: Solche Romane treffen nicht den Geschmack von jedem, vielleicht legt so mancher Leser das Buch nach einigen Seiten weg.

Dieser Beitrag soll Dir als Autor vor allem Mut machen, deinen eigenen Weg zu gehen. Auch Leser findet bei unseren Vorschlägen lesenswerte Romane. In dem kommenden Wochen und Monaten stellen wir Bücher von Autoren aus verschiedenen Jahrhunderten vor. Die Werke sind alle auf ihre Art individuell, es handelt sich im Regelfall um Einzelwerke, auf diesem Buch beruht der ganze „Ruhm“ des Autors. Am Wichtigsten ist: Die vorgestellten Schriftsteller wurden erfolgreich, weil sie gegen den Mainstream schrieben.

Ein Rückblick aus dem Jahr 2000 auf das Jahr 1887 (Edward Bellamy, 1888)

Was war der meistverkaufte Buch im 19. Jahrhundert nach Onkel Toms Hütte und Ben Hur: Der Roman „Ein Rückblick aus dem Jahre 2000 auf das Jahr 1887“. Die Utopie des Autors Edward Bellamy aus dem Jahr 1888 dürfte heute kaum noch jemand kennen. Der Roman war zu seiner Zeit ein echter Erfolg und gehört zu den großen Bestsellern. Bellamy wurde 1850 in Chicopee (Massachusetts) geboren. Der Autor und Journalisten hatte vor 1888 bereits zwei Romane ohne große Wirkung veröffentlicht. Mit seinem dritten Buch traf Bellamy den Geschmack der Zeit und die Reaktionen auf sein Werk fielen in einer Form aus, wie es der Schriftsteller nicht erwartet hatte.

Worum geht es in „Ein Rückblick aus dem Jahr 2000 auf das Jahr 1887“. Es handelt sich um einen utopischen Roman. Die Hauptfigur Julian West, ein Mitglied der amerikanischen Oberschicht, fällt nach einer Behandlung mit animalischem Magnetismus (eine Art Hypnose) in einen Tiefschlaf von  über 100 Jahren und findet sich in Boston des Jahres 2000 wieder. West erwacht im Haus von Dr. Leete und seiner Tochter Edith. Die Welt hat sich dank des Fortschritts durch die Technik zum Besseren entwickelt. Im idealen Gemeinwesen sind alle gleich und erhalten unabhängig von der individuellen Leistung den gleichen Lohn. Alles liegt in den Händen des Staates und jeder Bürger muss einen Industriedienst ähnlich wie Wehrdienst leisten.

Bellamys Roman spielt in einem utopischen Boston des Jahres 2000

Der Roman hat nur wenig Handlung. Es wird hauptsächlich gezeigt, wie die Hauptfigur in die neue Welt eingeführt wird. Das Buch besteht in weiten Teilen aus Diskussion zwischen Dr. Leete und Julian West über das Gemeinwesen des Jahres 2000. Um der zeitgenössischen Leserschaft zu gefallen, baut Bellamy noch eine Romanze zwischen Julian und Edith ein.

Bellamys Roman war trotz Schwächen ein Riesenerfolg

Der Autor hatte als Journalist sicherlich ein Gespür für den Zeitgeist, rechnete wohl nicht mit einem solchen Erfolg. Kurz nach der Veröffentlichung des Romans bildeten sich im ganzen Land über 160 Bellamy Gesellschaften, die diskutierten wie sich das ideale Gemeinwesen aus dem Roman in die Realität umsetzen ließ. Das Werk wurde in viele Sprachen übersetzt und entfalte in vielen Ländern eine ähnliche Wirkung wie in den USA.

Dabei hat das Buch seine Schwächen. Wie erwähnt, hat der Roman keine nennenswerte Handlung. Das Werk hat mit seinen ausgiebigen Diskussionen um das ideale Gemeinwohl einen starken politischen  Charakter, diese Form der Literatur entspricht nicht jedermanns Geschmack. Auch der über hundert jährige Schlaf durch Hypnose, um in Boston des Jahres 2000 zu erwachen, wirkt etwas befremdlich auf den Leser. Weiterhin zeigt Bellamys weibliche Figur trotz aller Fortschritte in der Gesellschaft keinerlei Emanzipation und ist im Jahr 1887 stehen geblieben.

Diese und andere Schwächen könnten den Erfolg des Romans nicht mindern, da er Autor mit einem ungewöhnlichen Werk den Geschmack der Zeit traf. Von Edward Bellamy lässt sich noch mehr lernen. Erfolge lassen sich nicht nach Belieben wiederholen. Im Jahr 1897 erschien der Nachfolgeroman „Equality“, der inhaltlich in die gleiche Kerbe schlug. Das Buch fand kaum Beachtung. Ein Jahr nach dem Erscheinen des Romans verstarb der Autor an Tuberkulose.

Herbstmilch (Anna Wimschneider, 1985)

Wer hätte sich vorstellen können, dass eine Autobiographie einer völlig unbekannten Person auf etwa 154 Seiten und in einfacher Sprache geschrieben zu einem Bestseller werden könnte. Anna Wimschneider gelang mit Herbstmilch im Jahr 1985 ein echter Überraschungserfolg und das kleine Büchlein wurde zu einem der größten Erfolge in der Geschichte des deutschen Buchhandels. Im Jahr 1988 wurde die Geschichte von Wimschneider von Joseph Vilsmaier verfilmt und kam Anfang 1989 in die deutschen Kinos.

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Herbstmilch war einer der größten Erfolge der deutschen Verlagsgeschichte

Die Erfolgsgeschichte des Buches ist beeindruckend. Die Autobiographie befand sich über drei Jahre auf der Spiegel Bestsellerliste. Bis zum Jahr 1995 gab es 57. Auflagen und mehr als zwei Millionen verkaufte Buchexemplare. Die Verfilmung aus dem Jahr 1988 sorgte für eine internationale Bekanntheit der Autorin. Anna Wimschneider hatte gar nicht die Absicht, ein Buch zu schreiben und zu veröffentlichen.

Die erste Version von Herbstmilch stand in zwei Schulheften. Wimschneider hatte ihre Erinnerungen für die Familie in einer Arbeit von vier Wochen aufgeschrieben. Diese handschriftlichen Aufzeichnungen ausschließlich für den privaten Gebrauch gedacht, gelangten durch Zufall an den Piper Verlag. Der Buchverlag war von der Geschichte überzeugt. Mit Mühe konnte man Wimschneider von einer Veröffentlichung überzeugen. Die Verlagsmitarbeiterin Katrin Meschkowski schrieb die Aufzeichnungen der Bäuerin teilweise stark um.

Was macht den Erfolg von Herbstmilch aus?

Anna Wimschneider sagte einmal in einem Interview mit dem Bayrischen Rundfunk, sie konnte lange nicht nachvollziehen, warum es so viel Interesse an ihrer Autobiographie gebe. Nach einigen Gesprächen mit Lesern, hätte sich jedoch verstanden, dass viele sich in den Buch wiederfinden. So hatte auch der Piper Verlag argumentiert. Der Bericht von Anna Wimschneider stehe beispielhaft für eine ganze Generation im ländlichen Bereich. Was machte die Autobiographie „Herbstmilch“ so erfolgreich?

Mitte der 80er Jahre gab es einen Heimattrend. Diesen Trend folgt das Buch und bricht zugleich damit. Wimschneider liefert den Leser keine Heimatidylle und Romantik aus der guten alten Zeit. Die Biographie erzählt vielmehr ungefiltert vom harten Alltag auf dem Land. Zahlreiche Leser bezeichneten das Buch dazu als äußerst authentisch. Noch etwas lässt sich von „Herbstmilch“ lernen: Gut geschriebene Eingangs- und Schlusssätze können eine enorme Wirkung entfalten. Es gibt kaum eine Rezension, die nicht den letzten Satz von Anna Wimschneider wegen ihrer Ehrlichkeit zitiert: „Wenn ich noch einmal zur Welt käme, eine Bäuerin würde ich nicht mehr werden.“

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